Berlin

So einen Spruch hat sicherlich ein Bayer erfunden und hierher exportiert. Jedenfalls ist das ein gutes Lebensmotto, dem man sogar christliche Bezüge nachweisen kann!

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Warum eigentlich? Bei uns ist’s doch schön genug! Jaaaa, aber: Manchmal muss man beruflich hin, ein andermal will man sich den Ort ansehen, von dem aus man unterjocht wird, und ansonsten kann man dort sogar einen Zoo besuchen.

Mittlerweile ist Berlin das gelobte Land für alle Kreativen, die woanders nicht von ihrer Kreativität leben können. Denn trotz enorm steigender Mietpreise lebt sich’s hier (noch) äußerst gut und günstig. Wir finden kulinarische Angebote aus aller Herren Länder, in Neukölln gibt’s mehr Nationalitäten als in New York. Was die Clubs angeht, klaro klärchen. Gute Voraussetzungen, dass feier- und genusswütige Bayern preiswert auf ihre Kosten kommen.

Die Currywurst wurde in Berlin erfunden. Jeder kennt Curry 36 und Konopkes, ich weiß aber nicht so recht warum. Nachdem ich meinen eisernen Körper mit Currywürsten noch und nöcher gestählt habe, komme ich zum Schluss: Die sind nicht schlecht, aber es gibt hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen eine, die ist noch viel, viel besser. Nämlich in Berlin, Ende Ku’damm, Ecke Tauentzienstr.-Rankestr. „Im Biss“ heißt der 2 qm Straßenverkauf. Die Semmel kann man sich sparen, aber die Wurst, ohja. Der Berliner isst sie ja ohne Darm, weil man angeblich „drüben“ kein Geld für Därme hatte. Obwohl’s da so viele Stasi-Ärsche gab. Billiger Witz, aber der musste raus. Jedenfalls wurde das Brät gleich so gebrüht.

Botox to go, brain to trash. Der Konsummaterialismus der Berliner treibt wahrlich wunderliche Blüten

Die Wurst ist richtig gut, und dann dazu unbedingt die Spezialsauce „Opium“ bestellen. Was drin ist, weiß wohl nur der Erfinder, er hat das Spezialgewürz aus der Karibik mitgebracht. Essen und schwelgen. So eine Wurst ist als Vor-, wie Haupt- und Nachspeise geeignet.  Leider aber macht dieser Stand recht früh zu (angeblich jetzt sogar bis 21.00 Uhr geöffnet, habe ich noch nie erlebt), was tun?

Wer weniger auf Berliner Essen, sondern mehr auf Berliner Schnauzen aus ist, der sollte mal bei der Currywurstbude unter, genau unter dem Bahnhof Zoo vorbeischauen. Kantstraße zwischen Beate-Uhse-Museum und Theater des Westens, gleich neben dem Hit-Supermarkt. Die haben rund um die Uhr geöffnet. Und so trifft man hier auf Touris, Druffis, einsame Wölfe und rollige Miezen. Die Wurst ist Durchschnitt. Der Verkäufer ist einsame Spitze. Vom Alter her hat er hier wohl schon Christiane F. mit Currywürsten versorgt, definitiv die bessere Droge. Immer gut drauf, lobt er einen gleich mal, weil man „bitte“ und „danke“ sagen kann und Trinkgeld gibt. Adressaten waren aber eher ein paar Berliner Halbstarke, die sich die bayerische Freundlichkeit sogleich hinter die Ohren schrieben. Ein paar kleine Tischchen stehen vor der Bude, innen brutzeln anscheinend schon seit mehreren Tagen Schaschlik und Fleischpflanzerln (Buletten lautet ihr Name dort) vor sich hin. Hier kann man seinen Gedanken über West-Berlin in den späten 70ern und frühen 80ern nachhängen. Früh um vier, bei einer Currywurst, zwischen modernen Hoteltürmen, verlottertem Bahnhof und Eiermann-Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.

Den wunderschönen U-Bahnhof Hermannstr. sollte man beim Neukölln-Besuch unbedingt mitnehmen

Reutterstr. 59 in Neukölln, das war DIE Adresse für ALLE Bayern, bis vor einiger Zeit: Hier residierte auf ca. 20 qm und zwei Bierbänken auf der Straße die Frankenbier-Connection. Die guten Leute aus dem schönen Frankenlande importierten zig verschiedene Biere aus ihrer Heimat, machten Gerupften und boten allerlei feine Spezereien an. Muss auch sein, wenn am Prenzlauer Berg sich dutzende sardische Spezialitätenläden finden, brauchts auch einen fränkischen Vertreter! Mit Glück bekam man auch ein Bier vom Fass. Wer sich einigermaßen mit den Erzeugnissen Bierfrankens auskannte, der konnte hier jeden Sommelier des Adlons in die Schranken verweisen. Ein wunderbarer kleiner Laden, der auch des Nachts offen hatte und nun leider geschlossen ist. Wir hoffen auf baldige Genesung und rasche Wiedereröffnung! Nicht nur unser demokratisch unterwanderter Partnersender BR machte einen Beitrag (leider derzeit nicht online), sondern sogar das öffentlich-rechtliche Radio der USA.

Ein Alternativ-Angebot scheint die Fränkische Botschaft in Schönberg zu sein, diese wurde aber noch nicht getestet.

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