Das Weiss Bräu am Barbarossaplatz

Die Stadt Köln hat Küche aus aller Herren Länder: äthiopisch, persisch, peruanisch, vietnamesisch, österreichisch, und: Tadaaaa, sogar bayerisch.

Freilich essen viele gerne bei der asiatischen Küche, die kölsche ist auch nicht zu verachten, und sogar von österreichischen Lokalen schwärmen die Kollegen. Kann ein bayerisches Lokal hier mithalten? Wäre ich in Bayern, würde ich sagen: Klar, ohne Probleme. In der Fremde ist das aber so eine Sache. Unwahrscheinlich, dass die Oma noch in der Küche steht. Wird auf Qualität, Quantität oder Gewinnoptimierung wert gelegt?

Schauen wir uns also mal das Lokal in der Fremde an.

Die Fassade ist im Vergleich zum großen Rest der Stadt ganz hübsch anzuschauen.

Das Weiss-Bräu in der Nähe des Barbarossaplatzes wirbt mit „bayerischer Lebensfreude“. Die kölsch-rheinische Frohnatur braucht bayerische Lebensfreude? Gewagt.

Man sagt, Köln wurde zweimal zerstört, einmal im Krieg und einmal beim Wiederaufbau. Tatsächlich verschandeln zahlreiche grausige Wohn- und Büroblocks das Stadtbild, der Barbarossaplatz ist nur ein Beispiel von vielen. Doch ab und zu findet man noch schöne alte Gebäude, das Weiss-Bräu ist eines davon. Von außen also Top.

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Die Braukessel machen auch ordentlich was her. Das Bier ist durchaus schmackhaft.

Das Lokal selbst verfügt über einen Dachgarten und einen Keller, ansonsten wirkt die Inneneinrichtung eher auf alt gemacht als tatsächlich historisch. Die Braukessel im Eingangsbereich setzen zumindest einen netten Akzent. Aus den Lautsprechern dudelt Popmusik. Der Eindruck tendiert nun eher Richtung Sportsbar, und tatsächlich kann man hier auch Fußball gucken.

Im hinteren Teil des Lokals gibt es gerade ein Büfett, evtl. eine Familienfeier. Insgesamt wirkt die Atmosphäre aber weniger urig und gemütlich. Da liegen die kölschen Brauhäuser wie das Töller oder das Früh im Veedel deutlich vorne, in denen fühlt man sich als Bayer deutlich wohler.

Das Schwarzbier kostet 3,60 Euro die Halbe, schmeckt leicht metallisch, kaum süß, wenig würzig, insgesamt süffig. Ja, recht gut!

Der Krustenbraten ist für 14,50 Euro zu haben. Das Fleisch wirkt wie eine Mischung aus Schweinebraten und Wammerl und schmeckt, als wäre das Fleisch eingefroren gewesen. Der Knödel ist recht weich, eigentlich ganz gut. Leider gibt’s nur wenig Soße dazu. Ungewöhnlich sind die Zwiebeln über dem Fleisch, sie schmecken aber, hat man sie gar in Butter geschwenkt?

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Passabler Schweinebraten.

In der Speisekarte finden wir als richtig bayerische Gerichte nur den Krustenbraten, die Schweinshaxe XXL, den Leberkäse mit Spiegelei und die Nürnberger Bratwürste (ja, die sind jetzt auch bayerisch). Aber schon den Sauerbraten gibt’s ja genauso am Rhein, Himmel und Ääd ist typisch kölsch, genau wie der Halve Hahn oder der Metthappen. Letzterer war nicht sonderlich gut. Was die US-Küche hier soll, also Burger und Chicken Wings, keine Ahnung.

Mir scheint, dass das Brauhaus sich gegen die kölsche Konkurrenz abgrenzen will, und klar, Weiss-Bräu und Bayern sind logische Verbündete. Und wenn das Münchner Hofbräuhaus überall in der Welt erfolgreich Filialen eröffnet, dann könnte man doch hier mit dem Label „Bayern“ ebenso Geld machen. Aber leider traut man der bayerischen Küche nicht so viel zu, um konsequent darauf zu setzen. Das zeigt sich erstens auf der Speisekarte, zweitens auch in der Inneneinrichtung, die eher gewollt als gekonnt ist. Was können wir daraus lernen? Die bayerische Küche taugt in den Augen der Betreiber anscheinend für Leute, die gerne Fleisch essen und Bier dazu trinken. Aber dabei eher auf den Geschmack des Bieres achten als den des Fleisches. Gut, auf die Qualität des Bieres sollte man in der Köln unbedingt Acht geben, es gibt immense Unterschiede beim Kölsch, von schauderhaft bis jubilierend.

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Die Wimpel waren wohl eher der Oktoberfestzeit geschuldet (Zeitpunkt des Tests).

Aber wieso gehen die Leute, die etwas besser essen wollen, zum Ösi und nicht zum Bayern? Weil die Österreicher an ihrer Küche arbeiten. Traditionelle Gerichte hochqualitativ zubereiten, und an zweiter Stelle auch mit der Tradition experimentieren. Innovation nennt man das. Anscheinend sind wir dafür noch nicht ganz so bekannt. Hochqualitative Zubereitung in Bayern findet man häufiger. Tatsächlich müsste ich jetzt lange überlegen, um auf innovative bayerische Küche zu kommen, der im Gasthof Prockl in Falkenberg haben sie mal abgeriebene Zitronenschale in die Semmelknödel gegeben, das war schon sehr gut.

Aber hier in der Fremde schien man ja das bayerische nicht einmal vollständig zu wollen. Vorsicht vor einem Ausverkauf der bayerischen Marke! Deftig und brav, also eher anspruchslos sollte nicht das Aushängeschild sein. Versteht mich nicht falsch, das Essen war nicht zum Davonlaufen, die Zwiebeln eine nette Idee und ganz gut, und das Bier sogar ziemlich fein, aber irgendwie wirkte der Gesamteindruck schon etwas kühl, künstlich, lieblos. Wenigstens hört sich der Akzent des Obers tschechisch an, zumindest das ist typisch bayerisch!

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