Die Schuhplattler

Ein echter Bayer muss Schuhplatteln können, und wo kann das ein Bayer besser lernen als in Österreich? Schuhplatteln ist wohl DAS Zeichen alpenländischer Potenz und Männlichkeit. Früher war der Schuhplattler ein Werbetanz um die Frauen, angeblich abgeguckt vom Balzverhaltens des Auerhahns. Doch kaum jemand außerhalb eines Trachtenvereines beherrscht diese Figuren. Der Salzburger Gauverband der Heimatvereine will hier gegensteuern und bietet Plattlerkurse an. Nicht nur für Vereinsmitglieder, sondern für Jedermann. Übrigens: Wirklich jederMANN, Frauen dürfen nicht dran teilnehmen. Wieso sollten die auch um ihresgleichen balzen?

Hannes Seebacher hat am Anfängerkurs teilgenommen und ist dabei geblieben: „Man braucht eine gewisse Kondition. Wie man bei vielen sieht, kommt man schnell ins Schwitzen. Es ist koordinativ, man muss viel überlegen, es ist eine Aufgabe fürs Hirn: Dass man im Takt klatscht und auf den Oberschenkel schlägt.“

Ob mein bayerisches Gehirn mit den komplexen österreichischen Bewegungsabfolgen mithalten kann?

Michael Grabner ist der Obmann der Brauchtumsgruppe Salzburg West. Er meint: Eine halbe Stunde brauche ich, um diesen Haidauer zu lernen. Mehr Zeit gibt er mir nicht.

Also erste Lektion: Haltung annehmen. Die Arme sollen wie über Gummibänder mit den Beinen verbunden sein und mit der Beinbewegung konform gehen. Aufgestampft und Arme hoch. Die Bayern drehen die Handflächen nach vorn, die Österreicher haben sie zum Kopf gewinkelt.

Nach dem je einmaligen Aufstampfen mit den Füßen geht das linke Bein nach hinten hoch und die rechte Hand berührt die Schuhsohle. Oder den Knöchel für die, die nicht so agil sind. Sofort merke ich, dass ich definitiv die falsche Lederhose anhabe. Fürs Schuhplatteln empfiehlt sich eine kurze Lederhose, die über dem Knie endet. Solche, die etwas länger sind, behindern die Beine beim Hochspringen.

Dann kommt der Fünferschritt. Die rechte Hand klatscht vorne an den rechten Schenkel, dann die linke Hand an den linken Schenkel. Eins, zwo, drei, vier und bei der fünf schlägt die rechte Hand auf den Knöchel des linken Beins, dann wieder eins, zwo, drei, vier und bei dieser fünf schlägt wieder die rechte Hand auf den Knöchel des rechten Beines. Die Prozedur geht zweimal so, dann fängts erneut mit den Kniesprüngen an. Da kann ich mir locker das Fitnessstudio sparen, schnell komme ich ins Schwitzen. Und so machen das die Schuhplattler jede Woche eineinhalb Stunden lang. Ein sehr traditionelles Workout. Danach gibt’s allerdings eine verdiente Halbe Bier, eine gscheide Figur muss erhalten werden.

Frühformen des Schuhplattelns vermuten Forscher schon vor 1000 Jahren. Als Tanz mit festgelegten Formen entstand das Schuhplatteln aber erst um 1850 in Bayern. Wer hat’s erfunden? Die Bayern. Na also. Das Schuhplatteln finden wir in Südbayern bis ins Salzkammergut. In Wien und Nürnberg gibt’s das dann schon nicht mehr. Allerdings existieren dann in Ungarn ähnliche, aber weitaus kompliziertere Tänze.

Können die Bayern durch Technik punkten, wo die fitten Österreicher vorlegen?

Wir haben nämlich den Spruch mit Laptop und Lederhose perfektioniert und ihn aufs Tablet gebracht. Mit der App iPlattl für 99 Cent soll jeder einige Schuhplattler in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden lernen.

Profi Michael Grabner findet die App ganz gut gemacht. Doch die Schrittfolgen könne man seiner Meinung nach leichter in der Gruppe lernen.

Nach einigem Training kann ich in der Gruppe mein erlerntes Können vorweisen. Gut, die Österreicher platteln besser. Aber mittlerweile sieht der Balztanz auch bei mir ganz fesch aus.

Fazit: Es ist anstrengend, aber man kann es nur empfehlen. Schuhplatteln ist eine schweißtreibende Gaudi und jetzt kann der Bayer nur hoffen, dass es den Frauen auch gefällt.

Wer interessiert ist: Schuhplattel-Kurse gibt’s auch in München. Dort bietet es der Trachtenverein der Chiemgauer an. Plattlpause ist im Advent und in der Fastenzeit. Bei den Salzburgern geht der Kurs über vier Abende und kostet nix. Also ideal für alle Männer, die als Helden in Lederhosen balzen wollen.

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