Himmel über Berlin

Der Himmel über Berlin gehört denen, die über den Wolken die grenzenlose Party-Freiheit suchen. Wir haben drei Hochhaus-Bars und Clubs getestet. Wo kann der Bayer gscheid feiern und auf die Berliner runterschauen?

Puro Sky Lounge

Fangen wir im Westen an, auf der Tauentzienstraße, der Verlängerung des Ku’damms. Neben der Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche steht ein Hochhaus, das über viele Jahrzehnte der Leuchtturm des Westens war (nicht zu verwechseln mit dem Leuchtturm der Freiheit, dem Springergebäude). Auf der Spitze dreht sich ein gigantischer Mercedes-Stern. Im Erdgeschoss des Komplexes befindet sich das Europa-Center, ein quietschbunte Einkaufswelt. Kein Wunder, dass das Dach auch Schauplatz für den Film „Christiane F. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ war. Deutlicher kann man die kapitalistisch-konsumistische Potenz des Westens nicht zeigen.

Wir gehen ins Europa-Center rein und fahren mit der Rolltreppe in den ersten Stock. Dort werden wir von einigen Türstehern in günstigen Anzügen empfangen. Der offizielle Abend hat noch nicht begonnen, wir dürfen erst noch warten bis uns Einlass gewährt wird. Endlich geht’s los, Eintritt gezahlt und rauf mit dem Aufzug in die Puro Sky Lounge.

Oben ergattern wir uns gerade noch einen Platz am Fenster und blicken hinaus in die Berliner Nacht, es funkelt und leuchtet, wir sehen Reichstag, Potsdamer Platz und den Alex. Die Einrichtung 0815 Lounge-Schick. Wirkt edel aber austauschbar. In der Mitte des Raumes befindet sich die Tanzfläche.

Die Getränkepreise sind ganz schön gesalzen, das 0,3l Bier ist noch teuerer als in Münchener Clubs. Auch bei den Cocktailpreisen legt man die Ohrwaschl an. Nun, dann müssen sie doch besonders gut sein, oder? Ich will mir einen Mojito bestellen, steht ja auf der Karte. „Geht nicht, wir haben keine Minze mehr.“ Mehr? Es ist 9 Uhr abends, die haben gerade aufgemacht. Da sie jetzt wohl auch keine Minze mehr geliefert bekommen, wars das wohl. Ich bestelle einen Cuba Libre. Der schmeckt so, dass ich danach zum sündteuren Bier wechsle.

Zur Abwechslung mal ein Nachteil: Die Leute rauchen. Wer das nicht mag, hat Pech gehabt. Noch mehr Raucher treffen wir auf dem Weg zu den Toiletten. Und die sind echt mal ein Lichtblick. Die sind nämlich noch einen Stock höher, die Pissoirs stehen vor einem riesigen Panoramafenster. Wer seinen Gefühlen für Berlin mal freien Lauf lassen will, für den bietet sich hier die richtige Kulisse.

Endlich legt der DJ auf, die Musik ist gut, gewinnt aber keinen Preis für Originalität. Die Gäste wirken wie die Schnöselkinder reicher Westberliner, übersubventionierte Schrazn. Deutlich ist allerdings der Überschuss an jungen hübschen Mädels, ob man die auch subventionieren muss?

Das finden wir aber nicht mehr heraus. Von Rauch und den Preisen geplagt verlassen wir die Lokalität. Hohe Preise machen die Qualität eines Clubs eben noch nicht aus.

Fazit: Nur für Leute, die junge Damen kennen lernen und das genialste Piesel-Panorama der Stadt erleben wollen.

Solar Bar & Restaurant

Früher ging dieser Blick über die Mauer

Früher ging dieser Blick über die Mauer

Unsere zweite Station liegt am Anhalter Bahnhof in der Stresemannstraße. Die Ruine des prächtigen Bahnhofs lassen wir im Rücken und gehen in einen Hinterhof. Obwohl das Gebäude recht groß ist, muss man den Eingang erst mal suchen. Früher war in den Räumen der Solar Bar ein CIA-Hochposten untergebracht. Kein Wunder, das Riesengebäude lag direkt neben der Mauer.

Wer die Bar besuchen will, kommt so rein, für das Restaurant empfiehlt sich eine Reservierung. Der Türsteher mit dem leicht russischen Akzent ist sehr freundlich, er hat auch eine Fensterreinigungsfirma und Schauspielerei studiert. Berlin eben. Mit einem Außen-Glasaufzug geht’s hinauf. Der Effekt, wenn der Aufzug die umliegenden Häuser überschreitet und die Sonne reinknallt, ist beeindruckend.

Im vorletzten Stockwerk befindet sich das Restaurant, wir gehen aber über eine geschwungene Treppe ganz rauf, in die Bar. Hier muss man etwas warten, bis Plätze an den Fensterfronten frei sind. Auf breiten Lederhockern sitzt man dann und schaut hinaus auf Potsdamer Platz und Alex, die zuerst noch vom Sonnenuntergang in warmes Licht getaucht werden und dann mit tausenden von Lichtern zu funkeln beginnen.

Die Cocktailpreise sind nicht billig, aber immer noch durchschnittlich. Geschmacklich aber sehr gut. Weiter positiv: Für Raucher gibt’s ein Nebenzimmer. Da wird zwar nicht hinserviert, aber immerhin bleibt so der Rest rauchfrei. Etwas „rustikal“ ist die Bedienung. Gefragt, ob sie uns etwas zum Knabbern zu den Cocktails bringen könnte, meint sie: Salzstangen. Die serviert sie dann aber nicht angerichtet in einem Cocktailglas oder eine Schale, sondern stellt uns die verschweißte Lidl- oder Aldi-Packung hin. Berlin eben.

Fazit: Ein unglaublicher Panorama-Start in den Abend. Könnte Damen beim ersten Date ziemlich beeindrucken.

Weekend

Wenn sich der Abend schon geneiget hat und die Nacht begrüßt, möchte so mancher das Tanzbein schwingen. Wir fragen uns auf dem Alexanderplatz durch, ob jemand einen guten Club in der Nähe wüsste. Zwei Damen in Liegestühlen in der „Strand“bar verweisen uns auf ein Hochhaus, in dessen oberstem Stock sich die Fenster bunt färben. Hoch erfreut, hoch hinaus zu kommen, machen wir uns auf den Weg. Die Schlange davor ist recht lang, und die Herren vor uns werden ob ihres allzu heiteren Betragens abgewiesen. Wir kommen aber dennoch rein. Im Erdgeschoss müssen wir zahlen, 19 Euro wenn ich mich recht entsinne, recht happig. Doch angeblich war das Weekend vor der Kür des Berghains der beste Club der Welt. Soso.

Mit dem richtigen Licht wirkt sogar Berlin schön

Mit dem richtigen Licht wirkt sogar Berlin schön

Der Aufzug bringt uns nach oben, dann noch eine Treppe weiter rauf. Die Tanzfläche ist gestopft voll. Schwitzende Menschen springen mehr auf und nieder, weil das herumspringen nicht mehr geht. Es gibt schöneres, als den nassen Rücken seines Vordermannes im Gesicht zu haben, aber die Musik macht alles mehr als wett. Peter Kruder (von Kruder und Dorfmeister) macht Musik. Der Stil erinnert an elektronische Samba- und Funkrhythmen, exquisit und erfreut das Gemüt. Auch den Musikern scheint es recht viel Spaß zu bereiten.

Die Getränkepreise sind wirklich günstig, ein Wasser ist nicht teurer als in der Oberpfalz. Weils innen drin recht heiß ist, gehen wir noch ein paar Treppen weiter nach oben. Auf die Dachterrasse. Unter uns liegt Berlin in der Nacht. Auch hier werden wir mit Musik beschallt, aber deutlich leiser und nicht vom DJ. Eine Bar sorgt auch hier oben für den Getränkeumsatz. Es ist doch recht frisch, wir wechseln darum zwischen Terrasse und Tanzfläche hin und her. Peter Kruder hat seinen Auftritt beendet, wir begeben uns nun endgültig nach oben. Dort wird es hell, aber kalt ist es immer noch. Spät, aber immerhin!, teilt ein Mann Decken aus. Eingemummelt sitzen wir herum und genießen die Morgenröte.

Eine Dame spricht mich an, woher ich denn die Decke hätte. Ich verweise sie an den Deckenmann. Vergesse aber, meine Decke mit ihr zu teilen. Die Dame stellt sich als Nürnbergerin heraus, ihre unterschiedlich gefärbten Fingernägel bleiben mir im Gedächtnis. Am nächsten Tag erkenne ich sie daran unter einer Million Menschen am Kreuzberger Karneval der Kulturen wieder. Wer in einem so beeindruckenden Club im Gedächtnis bleiben will, muss also auffallen.

Fazit: Extrem gute Musik, man muss auf der Tanzfläche den verschwitzten Körperkontakt aushalten. Unbedingt bis zum Morgen durchmachen!

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