Italien und das Frankenbier – Teil 2

Eine weitere Station, bevor wir in Verona einfallen, ist Castellaro Lagusello. Der Ort selbst ist stets eine Reise wert. Zunächst wegen des Essens. Die Trattoria La Pesa ist am Ortsausgang gelegen, ein Parkplatz mit einem minifuzzi Feigenbaum gleich daneben.

Schöne Aussichten, nicht nur auf das Essen.

Schöne Aussichten, nicht nur auf das Essen.

Die Stimmung hier ist teilweise sehr entspannt, erinnert im Freien fast an einen Biergarten, wobei natürlich unsere schönen Kastanien fehlen. Dann aber gibt’s auch wieder mal Tage mit ordentlich Feterei, manchmal singt der Wirt allerlei Chansons, ein andermal feiert eine Oma mit einem Haarreif, von dem zwei Penisse bommeln. Anscheinend haben die Italiener auch einen etwas deftigeren Humor.
Einen deftigen Geschmack darf man hier ebenso mitbringen. Als Vorspeise gibt es einen Teller mit gerolltem Speck, Salami, Prosciutto und angeröstetem Weißbrot. Gleich zu Beginn jubelt der Cholesterinspiegel, aber da wir in Italien sind, is es wurscht, weil da existiert sowas ja nicht.
Die primi piatti sind Pasta, natürlich. Mit Entenragout, mit Hasengeschnetzeltem und mit Kürbisfüllung. Zum Rein-le-gen. Die Nudeln natürlich selbergemacht. Als Hauptspeise nimmt der Kollege ein vorzügliches Kotelett, ich ein Kaninchen. Mit Polenta, diesmal etwas breiartiger. Die Soße und das Fleisch erinnern eher an herbes Gulasch. Neee, Kotelett wäre die bessere Wahl gewesen. Zum Trinken nehmen wir einen Weißwein, mei, nicht schlecht, aber er gräbt sich auch nicht ausnehmend ins Gedächtnis ein. Am Ende passt zwischen Leber und Milz noch ein herrliches Zitronensorbet. Und ein Süßholzlikör, nachdem wir gezahlt haben. Also aufs Haus. In den kann man echt den Löffel reinstecken, so zähflüssig-sirupartig ist der. Muss man mögen. Aber sicherlich gesund.
Ein Teil dieses Dorfes liegt innerhalb einer mächtigen Burgfestung. Am anderen Ende dieser Burg steht eine große Villa, die einem Napoleongeneral gehört haben soll. Ein paar Schritte weiter bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf den herzförmigen See von Castellaro. In der Bar im Burggraben gibt es Bier vom Hofbräuhaus Traunstein, diesmal also kein fränkisches, sondern ein eher regional oberbayerisches Bier. Wir bleiben bei einem Cafè, wie der Espresso in Italien genannt wird.

Da wir zum Essen Wein trinken, braucht man sich hierbei keine Gedanken um Cholesterin zu machen

Da wir zum Essen Wein trinken, brauchen wir uns hierbei keine Gedanken um Cholesterin zu machen

Ein schöner Bauernhof ist hier versammelt.

Ein schöner Bauernhof ist hier versammelt. Ente, Hase und Kürbis.

Das Kotelett wäre die bessere Wahl gewesen.

Das Kotelett wäre die bessere Wahl gewesen.

Anschließend geht’s weiter zur Selva Capuzza, einem Weingut in der Nähe des Turmes von San Martino. Wir fragen nach einer Weinprobe, die Bedienung holt den Herrn Ober. Der fragt nach deutsch oder englisch, und erklärt uns dann im fließenden deutsch die diversen Weinsorte. Wir probieren uns durch die diversen Köstlichkeiten und kaufen schließlich den Lume, einen Süßwein.
Innen ist die Einrichtung sehr urig, man wirbt mit den Empfehlungen diverser Feinschmeckerzeitschriften. Draußen sitzen wir teils schattig, teils sonnig, die Zeit plätschert leicht dahin. Wie eigentlich immer in Italien beim Essen. Aber wir essen ja gar nicht, wir verkosten nur, wobei der große Grill schon vor sich hin aufheizt für das spätere Gelage. Was wir aber verpassen.

Von Franconia nach Bavaria. Ist es Zufall, dass der Limes durch den Landkreis Weißenburg ging?

Von Franconia nach Bavaria. Ist es Zufall, dass der Limes durch den Landkreis Weißenburg ging?

Denn wir fahren weiter nach Verona. Auch hier finden wir, an ganz ungewohnter Stelle, wiederum ein fränkisches Bier.
Über die Ponte Nuove geht’s in die Osteria Ai Portegheti. Ein eher übersichtliches Lokal, in dem eigentlich nur italienische Jugendliche einkehren. Da es zu wenig Stühle gibt, setzen wir uns wie die anderen auf den Gehsteig. Wir bestellen uns ein Bier und bekommen, Überraschung, das Solarbier Felsenbräu aus Thalmannsfeld, Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Das erweckt in seiner Aufmachung, die eingravierte Arena auf dem Glas und darunter „arena bevande“, den Eindruck, ein offizielles Arena-Bier zu sein. Während in der Allianz Arena in München während der WM Anheuser-Busch (Budweiser) in den Ausschank kam, gibt’s hier fränkische Meisterwerke aus Winz-Brauereien? Von den Italienern lernen, heißt also sein Trinkverhalten kulturell und gustiös upgraden. Tatsächlich sind die Italiener, gerade was Mikrobrauereien angeht, weltweit sehr angesehen, kleine Gastronomen liefern eine breite Palette an so genannten Craft-Bieren. Und zur Pizza trinken die Italiener traditionell Bier, nicht Wein! Schön, wenn sie dabei auch über den Tellerrand schauen und kleine fränkische Nester entdecken.

So lässt sich die Hochkultur aushalten

So lässt sich die Hochkultur aushalten

Nicht nur der Bayer kennt den Brauch, in den Biergarten sein eigenes Essen mitnehmen zu dürfen, auch der Italiener frönt diesem. Allerdings nicht in den Bierarten unter Kastanien, sondern auf römischen Spuren, oder besser römischen Stufen in die Oper. Und unter freiem Himmel. Wir haben Karten für Verdis Maskenball in der Arena ergattern können und hocken nun mit tausend anderen Menschen in diesem antiken Theater. Vor uns, neben uns, hinter uns, überall Schwaben. Meiomei, aber was soll man machen. Immerhin besser als die Pennäler ein paar Reihen weiter, die sich zuerst durchaus dem Geschehen auf der Bühne widmen, dann aber alle an ihren Smartphones hängen.

Wir haben uns Wasser und Pannini mit Parmaschinken mitgenommen, auf den warmen Stufen lässt es sich so durchaus leben. Und die Aufführung ist wirklich eindrucksvoll. Open Air Theater gibt’s ja auch in Bayern, aber wohl kaum mit solch antikem Flair. Vielleicht sollte man die Biergärten etwas kulturell erweitern, etwa des Öfteren eine Musi, warum nicht auch klassischer Natur, spielen lassen.

Auch den Schwaben um uns herum gefällt die Szenerie.

Auch den Schwaben um uns herum gefällt die Szenerie.

Die Osteria Al Carro Armato scheint sich ganz Leonardo da Vinci und seinem Carro Armato, also seinem bewaffneten Wagen verschrieben zu haben. Interessanter Name, warum gibt’s bei uns eigentlich keine Wirtshäuser, die „Zum Leopard II“ oder „Heckler & Koch Stübchen“ heißen? Wenn schon die Italiener mit militärischer Ingenieurskunst kulinarisch Kasse machen wollen, sollten wir da nicht nachstehen. Das Publikum ist größtenteils italienisch, Anzugmänner, die hier ihre Mittagspause verbringen wollen. Die Räume sind hoch und hell und wirken wie ein sauber aufgeräumter Landgasthof. Die Aufkleber diverser Gourmet-Magazine auf der Tür versprechen Gutes.
Was gibt’s zu Essen? Ein äußerst feines Carpaccio vom geräucherten Fisch mit Olivenöl und Fenchel. Das gegrillte Gemüse mundet ebenfalls, das Kotelett ist gut, war aber bei bereits besuchten Wirtshäusern besser. Ebenfalls nacharbeiten könnte man bei den Tortellini mit Salbeibutter, die waren etwas wässrig. Die Tiramisu war durchaus köstlich. Schade nur, dass auf der Rechnung teurere Preise zu finden waren, als in der Speisekarte…

Das Zeugs oben ist kein Weißkraut, sondern Fenchel.

Das Zeugs oben ist kein Weißkraut, sondern Fenchel.

Durchaus schmackhaft

Durchaus schmackhaft

Da hab ich in Bayern schon bessere Tortellini in Salbeibutter gegessen...

Da hab ich in Bayern schon bessere Tortellini in Salbeibutter gegessen…

Schließlich setzen wir uns in das Kappa Cafè. Das sieht von außen gar nicht mal so aus, eher so lala, aber innen gibt es eine Terrasse, unter schönen Bäumen, direkt am Fluss mit einem superben Ausblick. Die Gäste sind wieder meist Italiener, jüngeren Baujahres. Eine Madame bleibt im Gedächtnis, die wollte wohl mit türkisblauen Haaren irgendeine Meerjungfrau darstellen, sieht aber irgendwie aus wie ein Färbeunfall auf einem Trip. An manche Bellezza italiana muss sich ein Bayer wohl erst gewöhnen.

Sobald das Amphietheater renoviert ist, ist die Aussicht noch besser.

Sobald das Amphietheater renoviert ist, ist die Aussicht noch besser.

 

Schwammerler

Schwammerler

Die Küche ist leider auch gewöhnungsbedürftig. Die Vorspeise, Pilze, sind weder gegrillt oder mit Öl angemacht, sondern roh und eher leicht getrocknet. Dazu Ruccola und Parmesan. Aber nix angemacht, schmeckt doch a wengerl fad.
Die Lasagne trieft vor Béchamel-Soße, also sowas. Die Bohnensuppe oder besser der Bohneneintopf kann was. Traurig dagegen wieder das Zupffleisch vom Pferd. Das sind ganz feine, getrocknete Fleischfäden, wieder mit dünnen Parmesanhobeln und Ruccola. Etwas Zitrone daneben zum draufträufeln, aber leider schafft die es nicht, dieses irgendwie essbar zu machen. Nicht dass es schlecht wäre, nein, es ist einfach nur trocken und dadurch kaum runterzukriegen. Nunja, während man in Bayern teilweise an der Deftigkeit verzweifelt, geht es hier in eine andere Richtung, aber nicht besser. Alles müssen wir Bayern uns also nicht abschauen.

Farbenfroh ist es ja, das Zupffleisch

Farbenfroh ist es ja, das Zupffleisch

Was lässt sich nun zusammenfassend sagen? Die kleinen fränkischen Brauer könnten international deutlich selbstbewusster auftreten. Warum soll die Welt nur Becks und Löwenbräu kennen? Wenn schon der gaumenverwöhnte Italiener zu Kleinstbrauereien greift, sollten wir die dann nicht auch unterstützen? Essenstechnisch könnte das Pferd auch in Bayern wieder in eine größere Rolle spielen, enorm gutes Fleisch. Bei den Beilagen schlägt die hausgemachte Pasta aufgrund ihrer Vielfalt den Knödel, der aber wiederum uneinholbar für die Polenta ist.

Fazit: Bayern und Italien hatten nicht nur in vergangenen Jahrhunderten voneinander gelernt, auch heute noch lässt sich kulinarisch noch einiges vom jeweils anderen entdecken.

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