Italien und das Frankenbier

Bayern und Italien hatten schon immer eine besondere Beziehung. München wird ja oft die nördlichste Stadt Italiens genannt, und wer die barocken Residenzen, etwa in Würzburg besucht, der kommt um Namen wie Tiepolo oder Bossi nicht herum. Und wer mag sie nicht, die Horden von Italienern, die jedes Jahr auf dem italienischen Wochenende am Oktoberfest einfallen?

Statt Kastanien gibts halt in Italien Olivenbäume. Die spenden zwar weniger Schatten, sind aber dennoch schön anzuschauen

Statt Kastanien gibts halt in Italien Olivenbäume. Die spenden zwar weniger Schatten, sind aber dennoch schön anzuschauen

In diesem Bericht finden wir heraus, welches bayerische Bier die Italiener denn trinken. Und wie sich unten strategisch essen lässt, gerade im Hinblick auf schweinebratengestählte Mägen.

So wird der Kaffee in Bayern geröstet

So wird der Kaffee in Bayern geröstet

Bevor wir aber in Italien einfallen, trinken wir – einen Espresso. Und zwar den angeblich besten Deutschlands. Am Irschenberg. Wie bitte? Auf Deutschland vielleicht berühmtester Raststätte guten Espresso trinken?? Nun, nicht auf der Raststätte, der ja bald die wunderschöne Aussicht auf die Wallfahrtskirche bei Wilparting folgt, sondern daneben. Die Kaffeerösterei Dinzler liegt hinter dem Rasthof und dem McDonalds. Was für eine Nachbarschaft. Groß aufgezogen ist das schon, wir sind nicht sie einzigen, die dem Ruf des Kaffees folgen. Einen Espresso nehmen wir gerne zu uns, ja, also schlecht schmeckt er nicht. Dinzler bietet nicht nur einen, sondern verschiedenste Espressosorten an, der Gustoso wurde einmal vom Feinschmecker zum besten Espresso Deutschlands gewählt.

Anschließend machen wir eine informative Tour durch die Rösterei, wir erfahren, wo welcher Kaffee angebaut wird und können uns für einen Euro (das geht für einen guten Zweck) einen Kaffeesack aus Jute mitnehmen. Ein äußerst empfehlenswertes Angebot, im Gartenbaumarkt sind solche Säcke deutlich teurer.

Ab über die Grenze, nach Italien!

Auf solchen Grills brutzelt Feines.

Auf solchen Grills brutzelt Feines.

Zunächst essen wir im Gatto Lardo in Desenzano am Gardasee. Eine ganz normale Pizzeria (der Name heißt übersetzt fette Katze), die sich Touristen und Eingeborene gleichermaßen teilen. Auf der Speisekarte sind neben den Namen die Gerichte auch per Foto abgebildet, damit man sich leichter tut. Was für Bier wir wohl hier finden? Der Italiener trinkt traditionell zur Pizza nämlich Bier. Die großen italienischen Marken wie Birra Moretti? Oder Erdinger und Löwenbräu Export? Nein, wir finden eine Brauerei, von der man selbst in Bayern 30 Kilometer vom Brauort noch nie gehört hat. Pyraser. Selbst in der Bierstadt Bamberg findet man die Flaschen nur in wenigen Getränkemärkten. Da stechen sie aber raus, Longneck mit Schraubverschluss. Äußerst ungewöhnlich. So findet sich hier in Desenzano etwa der Jubeltrunk. 4,50 die Halbe, eher günstig für Italien. Genauso kostet das Kellerbier und die „6 Cereali“. Wie kommt das Bier aus so einer kleinen Brauerei in so eine kleine Pizzeria, die auf vieles, aber sicher nicht auf Bier spezialisiert ist?

Vorspeise 1, wie ein Brotzeitteller am Zoigl, nur ohne Speckwurst.

Vorspeise 1, wie ein Brotzeitteller am Zoigl, nur ohne Speckwurst.

Vorspeise 2: Feinsäuerlich: gesundes Gemüse.

Vorspeise 2: Feinsäuerlich: gesundes Gemüse.

Der Wirt erklärt es uns. Die italienischen Brauereien verlangen deutlich mehr Geld, der kleine Franke ist halt die günstigen Preise bei sich zu Hause gewohnt, und gibt sein Bier daher wohl ähnlich preiswert weiter, so dass sich das für unseren italienischen Freund trotz des weiten Transports immer noch rechnet. Tatsächlich bildet sich seit einigen Jahren in Italien eine international vielbeachtete Hausbrauszene. Tja, anscheinend geht der Kulturaustausch nicht nur von Süd nach Nord, sondern auch in umgekehrte Richtung, was das savoir vivre angeht.

Bleiben wir in der Region und fressen uns einmal abseits von Pizza durch. Und vergleichen wir einmal, wie die norditalienische Küche auf bayerische Mägen wirkt. Dafür fahren wir aufs Land, in die Cascina della Taverna. Ein Landgasthof sozusagen. Draußen ist’s dunkel, wir gehen rein und kommen an einem riesigen Kamin vorbei. Darin knistert ein munteres Feuerchen und diverse Fleischsorten liegen darauf, hui, welch Vorfreude.

Wenn Pasta die Knödeln der Italiener sind, dann muss man ihnen eine deutlich größere Bandbreite zugestehen.

Wenn Pasta die Knödeln der Italiener sind, dann muss man ihnen eine deutlich größere Bandbreite zugestehen.

Il Cavallo

Il Cavallo

Steak gibts natürlich auch

Steak gibts natürlich auch

Wir bestellen erst einmal Wasser, klar, und dann die Vorspeise. Eine wunderbare Komposition aus diversen Salami- und Schinkensorten. Außerdem gibt es mit Käse angemachte Paprika, eher säuerlich und erfrischend. Anschließend folgt der erste Gang, die Nudeln. Fantastische Tortellini und Spinatbällchen, überstreut mit unglaublichem Parmesan (8 Euro). 12 Euro kostet der gemischte Bratenteller, hier drohen selbst gestandene Männer zu scheitern. Das ist doch Schweiners, und trotzdem muss man aufs Äußerste kämpfen. Die Tagliata vom Pferd ist so etwas wie Roastbeef, nur halt vom Pferd (ebenfalls 12 Euro). Ein extrem feiner Geschmack, sehr zu empfehlen. Eine Soße gibt’s dazu keine, ist ja auch gegrillt. Gewürzt scheint es nur mit Salz und Pfeffer zu sein, schlicht aber wirkungsvoll. Ein paar Spritzer Olivenöl drüber machen das ganze noch etwas frischer. Pferd wird in dieser Veroneser Gegend öfter gegessen, wir kommen noch ein paar mal darauf zurück. Wo der Bayer nun Soße und Knödel zum Fleisch erwartet, das wird leider nix. Stattdessen Polenta. Das sind gegrillte Fladen aus Maisbrei. Je nun, wir streiken ja auch bei so manchem Knödel, aber diese Polenta, da macht jeder Magen zu! Schlecht schmeckt sie nicht gerade, aber im Vergleich zum Fleisch doch eher so lala, und es fehlt natürlich im Vergleich zum bayerischen Essen die Soße. Was nicht heißt, dass wir uns trotzdem noch eine vorzügliche Tiramisu (4 Euro) als Nachspeise reinschlichten. Der Verdauungsschnaps rundet das Mahl leider nicht ab, ist schon sehr süß-herb. Noch weniger zu empfehlen ist der Espresso für 1,50, viel zu sauer.

Eine Nachspeise hat immer Platz!

Eine Nachspeise hat immer Platz!

Ein Verdauungshelferlein

Ein Verdauungshelferlein

Ein Landgasthof.

Ein Landgasthof.

Schön rundlich verlassen wir das Lokal, ja hier sollte man wieder herkommen. Die Atmosphäre ist absolut urig, die Gäste hauptsächlich Italiener, doch auch versprengte Deutsche finden den Weg zu diesem Geheimtipp.

Unsere Reise ist natürlich noch lange nicht zu Ende, hier geht’s zu Teil 2…

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