San Francisco

Flug und Transport

Schon in Paris beim Umsteigen gibt’s die ersten Probleme. Die Technik spinnt und Air Franz weiß erst mal nicht warum. Zwei Stunden warten wir im abgeschlossenen Flugzeug. Als Entschädigung bekommt jeder Passagier einen Plastikbecher Wasser. In den besseren Klassen werden die Whiskey-Wagen vorgefahren. Ansonsten verläuft der Flug aber recht gut, das Essen ist für eine Bordmahlzeit ausgezeichnet. Ja mei, die Franzosen. Technik ist nicht so ihre Sache, aber Kochen können sie halt. Wenn wir runterfallen, dann wenigstens satt und zufrieden.

Little Italy und Financial District

Hier mal die erste Clipshow: Downtown, Coit-Tower, Lombard-Street

Vom Flughafen SF nach Berkeley fährt BART, der Bay Area Rapid Transit. Das ist die hiesige S- oder U-Bahn. Das Design erinnert an die Shuttles der Originalen Star Trek Reihe, und tatsächlich ist das System mit 40 Jahren fast genauso alt. Zufall, dass hier im Jahre 2161 die Vereinte Föderation der Planeten gegründet wird und die Sternenflotte ihr Hauptquartier hat? Die Preise sind weniger extraterrestrisch und bleiben mit einer einfachen Fahrt von 8,70 $ vom Flughafen nach Downtown Berkeley (immerhin auf der komplett anderen Seite der Stadt und der Bucht) im Rahmen. Von Berkeley in die Stadt kostet es 3,80 $.

The Mission


Die Mission
Den ersten Trip wähle ich eher zufällig aus, ich kaufe mir ein Ticket bis zur Mission-Street. Im Zug erfahre ich dann, dass dies das Viertel der 99 Cent Läden ist. Na toll, einen Tag lang Penny-Märkte besichtigen. Sind wir hier etwa in einer Boomtown in Meck-Pomm?
Trotzdem wird der Tripp recht interessant. Der erste Stopp ist die alte spanische Mission, das älteste Gebäude der Stadt, Namensgeber der Stadt. Gebaut mit indianischer Hilfe. Die starben dann allerdings an den Masern. 5 $ kostet der Eintritt, dafür bekommt man die alte Basilika und die neue größere Kirche zu sehen. Ein kleines Museum zeigt die Geschichte der Mission und die Lebenswelt der damals in der Bay Area lebenden Indianer. Schöner ist der Friedhof, lauter historische Grabsteine und Baume, erinnert etwas an den Campo Santo Teutonico. Hier drehte Hitchcock eine Szene für Vertigo.

Ein zurecht skeptisch blickender Herr
Kapitalismuskritik die 1.
Kapitalismuskritik die 2.
Eine Hommage an Moebius, Kultur hams also auch.

Die Revolution kifft ihre Kinder
Weiter gehts in die Clarion Street. Hier dürfen sich die Meister der Graffities austoben. Ein Bettler, von denen es hier viele gibt, klärt mich auf, dass McDonalds Essen Krebs verursacht. Die Wände informieren mich, dass der Kapitalismus besiegt werden kann. Ein Maler, der gerade Tags von einem Wandgraffito entfernt, antwortet recht breit (in beiderlei Sinn) und laaangsaaaaam auf meine Fragen. Aktive Wände, passive Maler. Solange in dieser Stadt so viel Kraut geraucht wird, bleiben uns Kapitalismus und McDonalds wohl noch länger erhalten.
In den Geschäften nebenan gibts unglaubliche Sakkos, Fracks und Jackets, hastdunichtgesehen. Eine derartige Auswahl an Farben und Formen (meist breit und rüschig), sowas fällt ja nicht mal den Machern von South Park ein. Sollte irgendjemand von Euch, geneigten Lesern, mal Pimp werden wollen, hier findet Ihr Euer Outfit.

Leider nicht aus der Bar, trotzdem passend

Brave Leute
Jetzt erstmal was vernünftiges. Die Bar „Gestalt Haus“ liegt auch gleich auf dem Weg und bietet diverse Biersorten vom Fass. Die Schneider Weiße kommt aber aus der Flasche. Es gibt nur 0,5 und 1 Liter, man kann aber auch die Sorten in kleinen Probierglaschen verköstigen. Kostenpunkt 5 $ die Halbe, weil Happy Hour. Ich verschweige dem Barkeeper, dass Bayern bei diesen Preisen weniger glücklich sind. Von den kalifornischen Sorten ist das Stigshaw Pils zu empfehlen, das Draft 1500, ein Porter, nicht. Die Leute erzählen sich Geschichten aus der Nachbarschaft: Ein Vater hat seinen Sohn mit einem Baseballschläger getötet, weil der ihn als Einbrecher verkleidet mit einem Messer bedrohte. Aha.
Zum Essen gibts ein Bobby Brown Sandwich, 10 $, aber holla die Waldfee. Aufs Baguette kommen neben Grünzeugs 2 Scheiben Roastbeef, Rettich-Mayonaise, 2 Scheiben Roastbeef, Rettich-Mayo, 2 Scheiben Roastbeef, Rettich-Mayo, 2 Scheiben Roastbeef, Rettich-Mayo (nein, ich habe hier nicht copy & paste benutzt). Und ein winzig kleiner deutscher Kartoffelsalat, passabel, als Beilage. Ein Gast erzählt mir noch, dass er in Bayreuth stationiert war. Hatte mich schon gewundert, warum er vorher einen Underberg getrunken hat. Trotz des Underbergs mag er Deutschland. Weiter unterhalten kann ich mich aber nicht, der Magen braucht Blut und das fehlt nun im Hirn. Ich ziehe also von dannen.

So baut man ein Rathaus!

Im Zentrum der Macht
Nach einem kleineren Gewaltmarsch erreichen wir das Rathaus, dessen vergoldete Kuppel das Auge erfreut. Angeblich wurde das erst im Zuge der dotcom Blase so angepinselt. Bevor man reinkann, muss man aber erst an zwei Polizisten und einem Metalldetektor vorbei. Meinen Gürtel kann ich anlassen, ich soll nur meine Hände davorhalten. Na klar, weil meine Hände die Strahlung blockieren. Tatsachlich, funktioniert, er piepst nicht. Made in China oder with pride in America? Wenn das die Terroristen wüssten, hoho. Drinnen heißt es klotzen statt kleckern, pompöse Treppenaufgänge und marmorene Toiletten. Kurz spitze ich in ein Hearing rein, es geht um irgendeine Lautstärkenregelung. Der Raum ist fast voll, die San Francisaner nehmens mit der Demokratie anscheinend sehr genau. Über den Platz der Vereinten Nationen gehts dann wieder zum BART. Nächsten Tag anderes Viertel. Aber ins Gestalt Haus muss ich nochmal!

Chinatown

Chinatown

Wahre und falsche Erlöser, Robert Crumb’s erster LSD-Trip und eine jammernde Barbara Streisand: Chinatown, das Beat-Museum und die Telegraph Avenue in Berkeley, DIE Straße für universitäres Hippietum.

Lecker Suppe
Der zweite Trip soll nun gleich ins berühmte Herz der Stadt führen, die Transamerica-Pyramide und Chinatown. Leider macht der Foto nicht mehr mit. Also gucke ich mir die Pyramide nur von unten an und bestaune die mächtigen Bürotürme, z.B. der Bank of America. Wie klein ist doch der Mensch angesichts der Finanzwelt! Das macht schon ordentlich was her, und die Stadt hat nur rund 800 000 Einwohner, ist also kleiner als Köln. Der Redwood Park vor der Pyramide hat zwar ein paar grüne Nadelbäume, reicht vom Umfang aber eher an einen deutschen Schrebergarten ran. Nach wenigen hundert Metern endet plötzlich das Finanzviertel und die Straße steigt steil an. Chinatown beginnt, angeblich der nach Manhattan dicht besiedeltste Flecken der USA. Tatsächlich gibt es aber hier nur wenige Häuser die mehr als 5 Stockwerke haben. Durch und um Chinatown fahren einige Cable Cars. Aber um richtig einzutauchen sollte man zu Fuß gehen (hab ich auch gemacht, war zu geizig mir so ein Ticket zu kaufen und bäm Sehnenscheidenentzündung). Von den höheren Lagen aus ergibt sich ein wunderbares Panorama über chinesische Dächer auf die Wolkenkratzer des Finanzviertels. Von den Dächern wehen entweder die Flaggen der Volksrepublik oder die der Republik Chinas, heute Taiwans. Der erste Präsident Chinas, Sun Yat Sen, wohnte hier eine Zeit lang.

Weil ich noch nichts gefrühstückt habe, freue ich mich nun auf ein echt chinesisches Essen. Also rein in den erstbesten China-Laden. Das ist aber kein Restaurant, sondern etwas abseits der Touri-Boulevards, eine Bäckerei. Naja. Annes Bakery steht da. Ansonsten ist das Schild auf chinesisch. Die Speisekarte außen chinesisch. Die Menschen drinnen (alle) chinesisch. Sie sprechen nur chinesisch. Die Zeitungen chinesisch. Wenigstens hat die kleine Speisekarte auf dem Tisch englische Untertitel. Mich gelustet es auf eine Nudelsuppe. Das einzige derartige Gericht ist die Schweinsfüße-Suppe. Ich bestelle es, erstens aus Neugier, zweitens will ich nicht nach was anderem fragen, sonst fällt noch auf, dass ich kein Chinese bin. Ich versuche schon, möglichst verkniffen dreinzuschauen. Dazu gibt’s einen brühheißen, aber mau schmeckenden Tee und die wattige chinesische Kopie eines Croissants. Alles aber vor Steuern für 4,25. Also günstig. Die Suppe schmeckt wie eine Rinderbrühe, leider ist aber an den Schweinsfüßen wenig Fleisch dran. Die Haxen, Schäufele und Eisbein sind hier quantitativ wie qualitativ deutlich überlegen.

Lecker Tee
Soweit gestärkt geht’s nun den Berg weiter rauf, rein in einen Teeladen. Dort kann man verkosten. Unter diversen verschiedenen Jasminteesorten wähle ich die angeblich Beste aus, 32 $ für 4 Unzen (etwas über 100 Gramm), ziemlicher Happen. Da probier ich mal lieber, und der Geschmack ist unter Teebeutelniveau. Dafür aber gibt’s einen ausgezeichneten taiwanesischen Oolong-Tee mit Süßholzextrakt, kaum Koffein, unglaublich gut. Gekauft werden aber 2 Unzen schwarzer Tee mit Rosenblättern. 11 Dollar dafür sind auch nicht gerade billig, dafür aber soll man ihn 4-6 mal aufbrühen können.

Nun biegen wir ein in die Grant Street. Hier finden sich wieder zahlreiche Bäckereien, Gewürz- und Kräuterläden und Lebensmittelläden. In einer Bäckerei kaufe ich etwas, das aussieht wie ein Hefeknödel, der allerdings nicht erhofft mit was süßem, sondern mit einer nicht definierbaren, deftigen Fleischmasse gefüllt ist. Die Kräuterläden sind teilweise sehr schön anzusehen, von der Ginsengknolle über getrocknete Seewalzen bis zum Hirschgeweih kriegt man alles, was das Herz begehrt und das Washingtoner Artenschutzabkommen hergibt. Oder auch nicht, was die Kunstläden mit massiven Elfenbeinarbeiten zeigen. Die Lebensmittelläden sollte man nur mit einem wirklich sehr rustikalen Magen betreten. Die Enten und Gänse werden hier noch mit Kopf und Schnabel gebraten und die meisten Red Snapper, Karpfen und Forellen sind schon seit Tagen tot, was man an den milchigen Augen erkennt. Sie schwimmen aber bauch-nach-oben mit ihren noch lebenden, aber nicht viel aktiveren Artgenossen im selben Tank herum. Den lebenden Riesenfröschen und Schildkröten scheints auch nicht besser zu gehen. Was war das nochmal für Fleisch in dem Hefeknödel???

Lecker Tempel
Einige hundert Meter weiter befindet man sich plötzlich im San Francisco der 20er, Läden werben mit lauter italienischer Mafiafolklore, ein Restaurant namens „The stinking rose“ widmet sich ganz dem Knoblauch. Ich kaufe mir in einem Straßenladen ein Stück Pizza. Der üppige Tomaten- und Käsebaz sind dem Wohlbefinden nicht förderlich. Das kann man hier also sein lassen. Wieder zurück nach Chinatown. Im Waverly Place, einer Seitengasse, finden wir nach einigem Suchen den Tien Hou Tempel. Das ist der älteste chinesische Tempel hier überhaupt. Er hat schon das Erdbeben und den Brand von 1906 überstanden. Und das, obwohl er im vierten Stock eines Wohnhauses versteckt ist. Denn bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden Einwanderungs- und Wohnraumbeschränkungen für Chinesen erlassen. Also mussten die Tempel auf die Häuser draufgesetzt werden. Wir gehen durch eine enge Treppe mit zweifelhaftem Teppichboden in den vierten Stock, wo zwischen Gerümpel darauf hingewiesen wird, dass Fotografieren verboten, eine Spende aber erwünscht ist. Tritt man ein, ist man beeindruckt: Die ganze Decke hängt voller roter Bänder mit vermutlich Segenssprüchen. Es duftet nach den permanent brennenden Räucherstäbchen, die vor diversen Statuen stehen. Der eigentliche Schrein, eine wunderbare vergoldete Schnitzarbeit, steht ziemlich versteckt wiederum hinter Gerümpel und Opfergaben, meistens Orangen. Es ist aber auch ein Sack Reis dabei, wenn der umfällt, weiß man, es gibt ein Erdbeben. Vom Balkon aus hat man eine schöne Aussicht über das Viertel. Vom Schmatzen und Rülpsen des Aufpassers sollte man sich nicht stören lassen.

Im nächsten Geschäft kaufe ich mir eine Kräuterteelimo aus Hong Kong. Zuckerwasser, das schon seit Generationen keinen Kontakt mehr zu Tee hatte. Auch die Keller, an denen wir vorbeikommen, sind begehbar. Entweder finden wir chinesische Heilpraktiker oder wenig einladende „Casinos“: Ein paar um einen kahlen Tisch herum zockende Chinesen. Wenige Schritte weiter steht die Marienkathedrale, eine eher kleinere und dunkle Kirche, hier drin kann man kurz vor dem Gewusel und Trubel draußen ausruhen. Nur das Spielen einer chinesischen Geige hört man noch. Auf dem Platz gegenüber hat man Sun Yat Sen, dem Freund aller Menschen, ein Denkmal gesetzt. Die letzten 100 Meter die Grant Street hinab, und wir treten durch das Drachentor wieder ins normale San Francisco ein.

„We now accept your Marihuana donation. This is Berkeley!“

Darum heißt es also Golden Gate Bridge

Hier also nochmals zum letzten Mal Fotos aus San Francisco und Berkeley.

„We now accept your Marihuana donation. This is Berkeley!“ Diesen Spruch hörte ich am Sonntag, kurz vor 12 Uhr nachts. Neben der Universität mit ihren weltberühmten Forschern und Professoren ist sowas wohl am bezeichnendsten für diese Stadt. Nicht nur San Francisco ist voller Odachloser, von denen die Jüngeren oft diesen seltsamen Duft verbreiten. Wenn man mit den Einwohnern der Bay Area über dieses Thema spricht, kommt meist der Hinweis auf die medical prescription.“Tut dir der Finger weg, kriegst du Marihuana verschrieben.“ Das neue Opium fürs Volk.

Welche Auswirkungen hat das?

Natürlich findet man auch Ältere in Batik-Kleidung, die sich auf offener Straße einen drehen, doch die meisten sind Mitzwanziger. Die Droge ist überall, sogar auf Golden Gate Bridge riecht man es, und freilich auch im Golden Gate Park, gleich neben der früheren Hippie-Hochburg des Haight-Ashbury Viertels. Am dramatischsten ist es aber in Berkeley. In Reih und Glied, dann wieder durcheinander, liegen die jungen Leute auf dem Gehweg. Nicht alle sind Druffis, aber die drauf sind, geben kein gutes Bild ab. Absolut dicht schlafen sie da um ein Uhr nachmittags mit einem Pappschild „Marihuana is medicine“. Genau, das sieht man doch. Mehr tot als lebendig. „Sie müssten erlöster aussehen, damit ich ihnen glauben könnte,“ möchte rufen. Aber ob von denen jemand Nietzsche kennt? „Jesus was homeless, too.“ Das ist dagegen ein Argument,  leider steht der Spruch auf dem selben Pappschild wie der Marihuana-Spruch. In der ganzen Diskussion um die Legalisierung der Drogen ist es klar ein Argument, den Dealern und Drogenbossen dadurch die Grundlage zu entziehen. Aber dass dadurch die Lage der Süchtigen verbessert wird, bezweifle ich mal stark. Und ich bezweifle auch, dass alle diese Menschen nur wegen Bushs Wirtschaftschaos auf der Straße leben müssen. Die Stadt Berkeley geht mittlerweile soweit, Drogenkonsum in der Telegraph Avenue zu legalisieren. Die „Drug Free Zone“ Schilder (die natürlich alle überklebt oder übermalt wurden und jetzt „Drug Zone“heißen) an den Rändern der Straße lassen an „Hamsterdam“ aus „The Wire“ denken. Andererseits kritisiert aber die Obdachlosenzeitung, dass die Stadt nun das Herumlungern und die öffentliche Essensausgabe untersagen will. Ob das die Lösung ist?

Eine Straße, die Amerika verändert hat
Die Telegraph Avenue in Berkeley ist so etwas wie das Herz des 60er Jahre Aufbruch-Amerikas. Wesentlich authentischer als das schon touristisch-kommerzialisierte Hippie-Viertel in San Francisco. Mittlerweile gibt es auch einen Bestseller über diese Straße, der sogar in Atlanta in den Bücherläden zu finden ist. Eine Straße von nationaler Bedeutung sozusagen. Direkt neben der Uni gings hier rund, ein Besuch der Alt-Hippie Stände mit ihrem Esoterik-Kram und der beiden großen Plattenläden Amoeba und Rasputin lohnt sich auf jeden Fall. Auch wenn in ihrer Electroabteilung die Kalkbrenners  fehlen, aber dafür der Jamba-Frosch zu finden ist. Kein Wunder, dass die Amis immer noch v.a. Rock hören.

Etwas südlicher gibts auch in Berkeley ärmere Viertel. Ich gehe in einen BBQ-Laden. Eigentlich wollte ich einen Burger, aber der 2-Meter Muskelprotz klärt mich auf, dass dies ein Räucherhaus ist. Nur Spare-Ribs. Die besten die es gibt. Aha, das muss getestet werden. Und tatsächlich holt er live-geräucherte Ripperln aus einem schwarzgeräucherten gemauerten Ofen und hackt sie mit einem Beil entzwei. Die drei Brothahood Betreiber würden sowohl in die Football-Liga, als auch in einen Gangsta-Film passen. Doch keine Angst, kleine deutsche Besucher, die Bedienung ist absolut zuvorkommend, und die Ripperln sind tatsächlich phänomenal, genauso wie die Soße und der Kartoffelbrei. An der Wand hängt ein Obama-Plakat, ein anderes wirbt für Obama-Care. Klar, wer hier öfters isst, sollte gut gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen versichert sein.

Berkeley ist tatsächlich sehr sicher, im Vergleich zum nahe gelegenen Oakland. Das soll in der Kriminalitätsrate mittlerweile sogar Baltimore überholt haben. Mit dem BART fährt man sozusagen über Oakland drüber. Da sieht man dann die großen Hafenanlagen, und die Ghettos. Auf bayerisch gesagt, verhaute Viertel. Häuser, die früher mal was hermachten, und Häuser, die schon immer klein waren. Opfer der Krise? Aber die Amerikaner machen was daraus. In den „Gärten“ oder Hinterhöfen züchten sie Gemüse, und sogar Hühner. Die Rückkehr zur Subsistenzwirtschaft an den Rändern des High-Tech-Booms.

Zurück zu unserem „We now accept your Marihuana donation. This is Berkeley!“ Typen. Er scheint recht überzeugt von der Überlegenheit seines derzeitigen Wohnortes und seiner Umgebung zu sein, denn als seine Forderungen nicht erfüllt werden, setzt er noch nach, dass man ja hier nicht im „Orange County“ sei. Das ist hier der Inbegriff für eine biedere Landgemeinde. Es scheint, als würden die 60er wieder losgehen. Der kulturelle Aufbruch aber hat sich abgekoppelt von diesen Leuten. Reichtum und Innovation werden im Silicon Valley und in Palo Alto geschaffen, Kultur in San Francisco und in hochgerüsteten Uni-Kreisen. Die kleinen Leute bleiben auf der Straße.

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