100 Jahre

Schlau war er schon, der Strauß, oder wie man auf bayerisch sagt: A Hund war er scho

Schlau war er schon, der Strauß, oder wie man auf bayerisch sagt: A Hund war er scho (Quelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F023363-0016 / Gathmann, Jens)

Wer nach Passau hinein fährt, jener Stadt der politischen Aschermittwoche und niederbayerisch-nibelungenhallenhaften Rhetorikorgasmen (wir müssen uns ja an SEINER Sprachgewalt orientieren), der kommt an einer grau-braunen Betonbrücke vorbei. Massiv, gewaltig, brutal, voll Verkehr. Franz-Josef-Strauß-Brücke steht da drauf.

Während im Rest der BRD Konrad-Adenauer-Brücken stehen (auch in Bayern) hat man hier IHM, dem allerallergrößten und allerbestesten Bayern des 20. Jahrhunderts, ein Denkmal hingeklotzt.

Franz-Josef Strauß wäre am 6. September 2015 100 Jahre alt geworden. Grund genug für den BR, einen ziemlich braven Film über diesen Mann zu drehen. Grund genug für den Spiegel, uns Bayern auf dem Titelblatt zu Spinnerten zu erklären und mit der Erkenntnis aufzuwarten, Strauß höchstselbst sei korrupt gewesen. Ach was. Tatsächlich sind die Artikel im Heft selbst viel versöhnlicher und differenzierter, fast schon poetische Mausezähnchen als reißerisches Sturmgeschütz. Grund genug, dass alle Medien landauf landab über diese schillernde Politikergestalt berichten und seine hellen und dunklen Seiten aufzeigen.

In der Autowerkstatt meines Vertrauens meint der Chef, „den ham’s etz in der Reissn“, während der Angestellte, der gerade noch Mitleid mit den „armen Asylanten“ gezeigt hat, nun auch mit FJS Mitleid hat. „Den solln’s doch in Ruhe lassen, was der für Bayern getan hat.“

War das so? Zunächst die Kurzvita.

Geboren als Metzgerssohn in der Schellingsstr. 49. Auf Betreiben des Pfarrers, der seine Intelligenz erkannte, wurde er auf das Gymnasium geschickt. Bestnoten. Als er einmal als Kind NSDAP Propaganda verbreitet, fällt im katholischen Elternhaus der Watschenbaum um, mit solchen Leuten möchte man nichts zu tun haben. Ein Lehrer schrieb ihm ins Zeugnis, dass er einmal seine Ziele mit brutaler Rücksichtslosigkeit verfolgen würde. Eine halbjüdische Mitschülerin berichtet, dass er sich als einer von ganz wenigen schützend vor sie stellte. Mit 1,0 Abitur durfte er während des Studiums alter Sprachen und Geschichte im Maximilianeum wohnen. Einsatz im Krieg, allerdings die meiste Zeit an der Heimatfront in Schongau. Nach dem Krieg von den Amerikanern als Vize-Landrat eingesetzt, später Landrat. Auf dem Schwarzmarkt war er eine Größe, von da an sollte ihn eine zweifelhafte Haltung dem Gesetz gegenüber begleiten, Selbstbereicherung war keine Ausnahme. Dann als CSU-Vertreter in Bonn. Das Familienministerium schlug er aus, zunächst Minister ohne Aufgabenbereich, dann für Atomfragen, schließlich erster Verteidigungsminister. Aufrüstung und Wiederbewaffnung gegen alle Widerstände im Land. Wollte stets eigene, deutsche Atomwaffen haben. Der Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein betrachtete ihn deshalb als Sicherheitsrisiko und versuchte alles, um ihn von einer Kanzlerschaft fernzuhalten. Auch die Amerikaner dachten niemals daran, den Deutschen, gerade solchen wie Strauß, eigene Atomwaffen zu geben. Rücktritt im Zuge der Spiegel-Affäre, er hatte damals widerrechtlich einen Redakteur in Spanien verhaften lassen und dann vor dem Parlament nicht die Wahrheit gesagt. Wurde Parteivorsitzender der CSU, kam in der großen Koalition als Finanzminister zurück und hinterließ einen ausgeglichenen Haushalt, den letzten. Dann der Wechsel nach Bayern, gegen den Willen des auf Ausgleich bedachten Alfons Goppel. 1978 Ministerpräsident, 1980 Kanzlerkandidat, er verlor, damit war der Weg frei für seinen ewigen Rivalen Helmut Kohl. Der hatte gegenüber dem cholerischen Strauß einen Vorteil: Geduld. Er war der bessere Taktierer, Strauß hatte wohl die größere Weitsicht. Danach war Strauß der letzte König in Bayern. Mit dem Aufgreifen der Verleihung des Maximiliansordens griff er monarchische Traditionen wieder auf. Gegen Ende seines Lebens fuhr die CSU auch schlechtere Wahlergebnisse ein, Nachfolger bringen sich in Stellung, die Fraktion wählt ihren eigenen Vorsitzenden, Alois Glück. Zu dem Strauß hat seit der WAA ein eher gespaltenes Verhältnis, denn Glück sieht bereits das Ende der Atomenergie aufdämmern. Auch beim Streit um das Flugbenzin verweigert ihm die CSU die Gefolgschaft. Politisch war Strauß tatsächlich schon angezählt, auch und gerade in der eigenen Partei. 1988 starb er, unterwegs zu einem Jagdausflug mit dem Fürsten von Thurn und Taxis in Regensburg, exakt zwei Jahre vor der Wiedervereinigung. Die Bilder seiner Beerdigung habe ich immer noch, obwohl damals erst fünf Jahre alt, immer noch im Kopf. Kein Wunder: So eine Trauerfeier hatte es zuletzt bei Adenauer gegeben, sie hatte Ähnlichkeit mit der des letzten bayerischen Königs Ludwigs III. Die Ähnlichkeit war gewollt, nahm der Zug doch die selbe Richtung wie die der bayerischen Könige und der Münchner Erzbischöfe.

Seine Reden

Hört man seine Reden an, denkt man, wow, der Mann hatte was drauf. Er konnte detailliert in die Tiefe gehen, auch in technischen Dingen, und dann wieder die Hörer mit klaren, kantigen Aussagen mit ins Boot holen. Auch in einigen Politikfeldern sollte er Recht behalten, wie der Ablehnung der Schuldenpolitik der sozialliberalen Koalition. Oder dass der größte Kommunistenfresser aller Zeiten auf einmal der DDR einen Milliardenkredit vermittelte. Wo gibt’s denn sowas? Tatsächlich stabilisierte Strauß dadurch die DDR. Was ihm in der CSU viel Kritik einbrachte. Dadurch sorgte er aber auch dafür, dass Selbstschussanlagen abgebaut wurden, dass es Reiseerleichtungen gab und weniger über den „Kriegstreiber“ im Westen gehetzt wurde. Ein weiterer Nagel im Sarg der Diktatur.

Die vielen Rüstungsfirmen, die sich während der letzten Kriegsjahre in Bayern angesiedelt hatten, und nun eher so dahinvegetierten, hatten auf einmal dank Strauß als Verteidigungsminister wieder volle Auftragsbücher. Deutsche, v.a. Bayerische Firmen durften den Lockheed Starfighter in Lizenz bauen. Das gab es großes Plus in Geschäftsbüchern und Forschungsentwicklungen. Eher ein Minus in der Staatskasse und im menschlichen Bereich. Von den 916 Maschinen (eigentlich sollten nur 250 besorgt werden) stürzten 269 ab, 116 Piloten verloren ihr Leben. Auch ein Minus: Lockheed zahlte Schmiergelder, aka Provisionen. Vom Prinzen der Niederlande bis zum japanischen Ministerpräsidenten wurden Bestechungen kund, nur nicht bei FJS. Hätte da was sein können?

Das bestreiten wohl die allerwenigsten.

Wirtschafts- und Machtpolitik

100 Jahre. Wie man wohl in 50 oder weiteren 100 Jahren auf ihn blicken wird? (Quelle: Gerd Aretz für das Bundesministerium für Post und Telekommunikation und die Deutsche Post AG)

100 Jahre. Wie man wohl in 50 oder weiteren 100 Jahren auf ihn blicken wird? (Quelle: Gerd Aretz für das Bundesministerium für Post und Telekommunikation und die Deutsche Post AG)

Und dann Airbus. Das Unternehmen wurde ja von Strauß mit aufgebaut, kam aber nicht so auf die Sprünge. Gerüchteweise brauchte es etwas Wahlkampfhilfe in Kanada, und schwupsdiwups bestellte das Land eine ganze Flotte bei dem Flugzeughersteller, von da an gings bergauf.

Tatsächlich interessierte Strauß der Mittelstand weniger, Großunternehmen waren sein Ding, besonders Luft- und Raumfahrt. Der Ausbau des Münchner Flughafens, die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf, Kabelpilotprojekte. Bayern zehrt wohl bis heute von damals getroffen Wegentscheidungen.

„Was der für Bayern getan hat.“ Den Spruch hört man oft, wenn man CSUler auf die Affären und Korruptionsfälle anspricht. Das scheint irgendwie zusammenzugehören. Schließlich haben auch andere Politiker zweifelhafte Geschäfte gemacht, sogar der auch bei Erzkonservativen beliebte Gregor Gysi, man denke nur an den Putnik-Deal. Gerhard Polt meinte einmal: „Eine Wirtschaft, die nicht geschmiert wird, läuft heiß.“

In Passau fiel mir das Buch „Macht und Missbrauch“ von Wilhelm Schlötterer in die Hände. Ein haarsträubendes Zeugnis, wie sich Strauß den Staat Bayern persönlich aneignete. Und wie dessen Klima der Angst bis heute wirkt.

Ja, mit der Wirtschaft, da hatte es Strauß. Ob Leo Kirch, der Bäderkönig Eduard Zwick oder der Wienerwald-Hendlgriller Jahn, alle waren sie seine Freunde. Er durfte mit ihren Jets reisen, durfte bei ihnen Urlaub machen, und vergnügte sich mit ihnen in diversen Etablissements. Und alle durften sie Steuern hinterziehen, dass es krachte. Dabei stellte sich Strauß in seinen Reden auf die Seite des kleinen Mannes, den man schonen sollte, und die „großen Lumpen sollte man schwerer aufs Hirn hauen“. Seine Spezln, obschon sehr, sehr große Lumpen, die blieben ungestraft. „Die Staatsanwälte liegen bei uns in Bayern an der kurzen Leine“, ein Wort von FJS. Strauss ging sogar soweit, dass er Zwick für das Verdienstkeuz 1. Klasse vorschlug. Der konnte den Orden aber nicht in Empfang nehmen, da er sich als größter Steuerschuldner des Landes auf der Flucht in der Schweiz war. Zum Glück für die Zwicks erließ ein folgsamer Steuerbeamter ihnen eine Rekordsteuerschuld von 63 Millionen Mark.

Moralisch war Strauß sicherlich kein Vorbild. Ich will hier gar nicht auf seine Affäre mit einer 17-jährigen Schülerin eingehen. Der streng katholische (und etwas königstreue) CSUler Alois Hundhammer zog den Kürzeren, als er Strauß seine Bordellbesuche vorhielt. Auch der hervorragende Kultusminister Hans Maier und der Justizminister Bruno Merk mussten weichen, da sie sich nicht einfach Strauß unterordnen wollten. Sie wagten sogar Widerworte. Und die konnte Strauß überhaupt nicht ertragen. Schlötterer meint, dass seine Intelligenz aussetzte, wenn sein Zorn ausbrach. Besonders beliebt war er nicht in seiner Partei, von 129 CSU-Abgeordneten wählten ihn nur 125 zum Ministerpräsidenten. Leute wie etwa Gerold Tandler waren vollständig von ihm abhängig, da sie kaum Rückhalt in der Fraktion hatten. Er hinterließ ein Klima der Angst. Statt von unten nach oben, also von kommunalen Abgeordneten bis zur Regierung, wurde die Partei nun von oben regiert. Wer nicht spurte, flog oder wurde geschurigelt, dass die Fetzen flogen. Strauß hatte in seiner Staatskanzlei Referenten, die ihm Informationen aus den einzelnen Ministerien zulieferten. So konnte Strauß die Minister mit winzigen Detailfragen auflaufen lassen, die sie unmöglich wissen konnten, und sie so vorführen und unter seine Kontrolle bringen. Max Streibl, den damaligen Finanzminister soll er sogar schon wegen eines kaputten Fensterscheibe im Keller des Hofbräuhauses (eigentlich dem Finanzministerium unterstellt) zusammengestaucht haben. Auch der Landtag verlor unter seiner Regierung an Bedeutung.

Bei Schlötterer ist zu lesen, dass Strauß seinen Unternehmerfreunden dabei half, den Freistaat Bayern zu melken, dass Staats- und damit auch Volksvermögen zu Spottpreisen an die Spezln verhökert wurde. Sogar die CSU wurde geschröpft, so gibt es laut dem Steuer-Insider Hinweise, dass viele Parteispenden bei Strauß verblieben, statt in die Parteikasse zu fließen. Man schätzt sein hinterlassenes Privatvermögen auf bis zu 450 Millionen Mark. Etwas viel für das Gehalt eines Ministerpräsidenten… Beamte, sogar CSU-Mitglieder, die sich an Recht und Gesetz hielten, und gegen die Steuerhinterzieher vorgehen wollten, wurden strafversetzt, mit Disziplinarverfahren überhäuft, mundtot gemacht, ja man bedachte sie öffentlich gar mit Rufmord. Vor Gericht kam kaum etwas, da die Staatsanwälte ja von Seiten des Justizministeriums weisungsgebunden waren. Und auch die Partei kein Interesse hatte, dass unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht kamen. Der Staatsapparat war zum Werkzeug der Partei geworden. Der Partei? „Die CSU ist Bayern, ich bin die CSU“, soll Strauß einmal gesagt haben. L’état c’est moi.

Dazu passt die Anekdote der Staatskanzlei. Die war ja früher das bayerische Heeresmuseum, Als Kriegsruine fristete das Gebäude ein trauriges Dasein, niemand wusste, was da reinkommen sollte. Schon Ministerpräsident Hoegner regte an, das zum Haus für bayerische Geschichte wieder aufzubauen. Strauß griff den Vorschlag auf, und sicherte sich so die Zustimmung im Landtag. Dann gliederte diese Institution aber seiner Staatskanzlei an und setzte nun die Staatskanzlei in das prächtige Gebäude. Der Sonnenkönig hatte endlich sein passendes Schloss gefunden.

Zu den Steueraffären und dem Umgang mit Mitarbeitern muss man das Buch von Schlötterer lesen, um zu verstehen, wie es damals zuging. Für den Umgang mit Fremden, etwa dem Streifenpolizisten, der Strauß einen Strafzettel schrieb und den der dann vom Dienst abziehen wollte, für solche Geschichten kann man durchaus auf die Presse zurückgreifen. So war das damals. Damals?

Politisches Vermächtnis

Stoiber inszenierte sich zwar als großer Saubermann, aber das konnte er nur mit den Straußschen Methoden. Wer seine Karriere oder seinen Schein bedrohte, flog. Als Ende der 90er Jahre die Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft (LWS) hunderte Millionen Mark Verlust machte, wurde dafür der Justizminister Sauter verantwortlich gemacht. Und das, obwohl er den Laden auf Vordermann bringen wollte. Das Problem: Die LWS hatte sich mit ostdeutschen Bauprojekten gewaltig verspekuliert. Warum sollte sich eine bayerische Gesellschaft da einmischen? Weil Stoiber es so Jahre vorher gewollt hatte, völlig gegen den Rat der Fachleute, die davor warnten, dass die Gesellschaft dafür fachlich und personaltechnisch völlig überfordert war.

Oder der Fall Erich Riedl. CSU-Staatssekretär und Abgeordneter. Im Falle der Affäre um den Wirtschaftslobbyisten Karlheinz Schreiber ermittelte man auch in seine Richtung. Allerdings zeigte sich bald, dass er unschuldig war. Doch die bayerische Regierung forderte die Staatsanwaltschaft auf, weiterzuermitteln und das Verfahren offen zu halten. Sogar der Bundestag stellte parteiübergreifend seine Immunität wieder her, man hatte begriffen welches Spiel gespielt wurde. Aufgrund der nicht ausgeräumten Vorwürfe verlor Riedl sein Mandat bei der nächsten Wahl. Was war der Grund, dass die CSU-Landesregierung einen Staatssekretär und einen Sitz im Bundestag opferte, einen Unschuldigen gar? Wenn die Ermittlungen weg von Riedl gegangen wären, wäre der Strauß-Sohn Max in die Schusslinie geraten, und das wollte man vermeiden.

Und dann denke man an den Fall Monika Hohlmeier und die gekauften Stimmen der Münchner CSU. Die Strauß-Tochter wollte die Mitglieder des Münchner Stadtverbandes mit geheimen Dossiers erpressen. Ein Opfer damals: Ludwig Spaenle, heutiger Kultusminister. Hohlmeier musste weichen, doch, oh Wunder, sie ist wieder politisch tätig. Seehofer setzte durch, dass sie bei der Europawahl für die CSU als Spitzenkandidatin in Oberfranken antrat. Obwohl sie mit dem Regierungsbezirk überhaupt nichts am Hut hatte und obwohl abzusehen war, dass der Wähler so eine dubiose Geschichte in der Wahlkabine abstrafen würde. Warum nur hat Seehofer das gemacht? Ein Geheimnis.

Kritik an Strauß ist nicht mehr erlaubt, das sieht man schon an den peinlichen Äußerungen von Generalsekretär Scheuer. Dabei täte das für einen transparenten und effektiven Staat bitter Not. Und dass gewisse Straußsche Methoden auch der CSU bei der Wahl Dämpfer beibringen, sollte ihr auch zu denken geben.

Es furunkelt also immer noch vor sich hin, wenngleich nicht mehr ganz so wüst und extrem wie zu SEINEN Zeiten. Tatsächlich tut sich die CSU immer noch schwer mit dem politischen, auch parteiinternen Vermächtnis des Übervaters. Klar, dass die Opposition dem Staatsempfang zum 100. fernbleibt. Aber dass die Bundeskanzlerin, die Kanzlerin der Schwesterpartei CDU, am selben Tag München besucht aber nicht zum Empfang kommt, das sollte zu denken geben. Sie hatte Helmut Kohl im Zuge der Spendenaffäre abserviert. Und in Sachen Affären, da stand Strauß Kohl sicher nichts nach.

Wie wird das nur unter einem möglichen Ministerpräsidenten Söder? Der warb ja schon früh mit dem Facebookpost für Strauß. Ein Foto von ihm aus den 80ern mit wirrer Frisur und Strauß Poster über dem Bett. Das wirkte schon sehr, sehr seltsam. Aktuell inszeniert er sich ja als neuer Sonnenkönigs-Kronprinz. Wie das wohl wird wenn er König, pardon Ministerpräsident wird…

Positives Vermächtnis

Strauß hat sich, so liest man bei vielen, niemals mit der bayerischen Landespolitik abgefunden. Das stimmt. Er regierte mit dem Blick auf Bonn. Er flog nach Moskau, traf noch vor Helmut Schmidt Mao Tse Tung zu einem mehrstündigen Gespräch, afrikanische Diktatoren gaben sich in Bayern die Klinke in die Hand. Natürlich wurden dabei auch Wirtschaftsverträge geschlossen. Strauß machte Politik. Deutschlandpolitik. Weltpolitik. Durchaus mit Weitsicht. Am bayerischen Wesen sollte die Welt (ideologisch) genesen, und an den Einkäufen der Welt sollte Bayern (ökonomisch) weiter genesen. Unser kleines Land, so groß. Toll. Und unser Freistaat, so eigenständig. Ich kenne Leute, die Franz Josef mit Vornamen heißen. Die wurden nicht nach dem Kaiser Franz Joseph benannt! Eine tief verwurzelte Europapolitik, kein routinemäßiges und abgehalftertes Brüsselbashing wie heutzutage. Seine fast schon prophetischen Aussagen zu China und zum Ostblock. Dazu seine Schlagfertigkeit, seine deftigen Reden, es gibt Strauß-Reden auf Youtube zu sehen mit weit über einer Million Klicks. Es besteht anscheinend heutzutage ein Bedürfnis nach klarer Aussprache statt nach Herumlavieren und Aussitzen. Dazu seine Forderung, rechts von der CSU dürfe es keine Partei groß werden. Das brachte die CSU zwar oft in die Nähe des Rechtspopulismus, doch blieb der Freistaat in den vergangenen Jahrzehnten von Wahlerfolgen von Parteien wie der AfD oder der NPD verschont. Und er betrieb eine sparsame Haushaltspolitik (musste er ja, wenn seine Spezln schon keine Steuern zahlten 😉

Wer nach München kommt, mit dem Flugzeug, der kommt an, in einem modernen, lichten, hellen Flughafen, einem Flughafen, ja, man muss sich in Deutschland über so etwas schon freuen und wundern, einem Flughafen, der eröffnet wurde. Der zu den besten Flughäfen der Welt gehört. Für den das Erdinger-Moos geopfert wurde, der bis heute im Streit um eine dritte Startbahn die Bevölkerung aufmischt.

Das sind wohl die zwei Seiten, einerseits die Hochtechnologie, an der Weltspitze teilnehmen, andererseits Flächenfraß, Betonwachstum, mitleidslose Parteipolitik und persönliches Machtstreben. Man sollte Strauß nicht so hochjubeln, wie es die CSU tut, bei einem moralisch doch so zweifelhaften Mensch ist das nicht angebracht. Andererseits sollte man ihn auch nicht völlig verwerfen. Was langfristige Politik, Weitsicht, Offenheit für Bildung und Rhetorik angeht, da lässt sich viel von lernen. Mei, er war halt ein Autokrat – und ein Ersatzkönig.

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