Der BR und die Oberpfalz

Hui, so eine Aufmarksamkeit hätte ich gerne einmal für die Beiträge auf dieser Seite. Die Zeitung schreibt darüber, Facebook ist voll davon, die über 60-jährige ehemalige Krankenschwester und die 20-jährige Produktdesignerin kommen darauf zu sprechen, und alle regen sich auf. Was ist passiert? Der Bayerische Rundfunk hat einen Beitrag über die „Schöne Oberpfalz“ gemacht. Drei Teile, der Norden, die Mitte, der Süden.

Schauen wir uns einmal den Beitrag über den Norden an, vom Autor Michael Zehetmair. Diese Rezension folgt dem Aufbau des Films, wundert euch nicht über Sprünge.

Das erste Bild: Eingefrorene Knospen. Aha, in der Oberpfalz ist es kalt. Brrr. Bayerisch Sibirien halt. Leider fragt man sich den gesamten Film: Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Hier oben wohl nie, wenn es nach dieser „Reportage“ ginge.

Schon die Sprecherstimme irritiert, also eine flüssige Satzfolge klingt anders. Viel Freude beim Vorlesen hatte der gute Mann wohl nicht gerade. Einen Großteil der Musikauswahl legte man wohl zu einer Zeit über Beiträge, als der TV noch Fernsehtruhe hieß.

Zum Glück steigen wir dann gleich in die spannende Story ein, furios geht’s los, mit – Dotsch.

Der „Dotsch“, ach du Schreck, was das bloß ist? Ahso, ein Kartoffelpuffer. Ja, wo samma denn? Beim Bayerischen Rundfunk sollte man so etwas doch wohl bitte mit Reiberdatschi übersetzen dürfen. Aber bald bin ich wieder versöhnt, das Wort Wammerl wird in einem freundlichen Tonfall ausgesprochen und nicht auf deutsch übersetzt.

Wir sehen einen Beitrag, den wir von Anfang bis Ende hinterfragen können: Warum ist der Dotsch denn „was besonderes, weil er so einfach ist“? Platte Aussage, Begründung fehlt. In jedem Schulaufsatz würde so etwas wohl angestrichen werden. Und auch in den Beiträgen anderer TV-Sender. Doch beim BR gehen die Uhren halt leider etwas anders.

Aber dann kommt eine Sachinfo: Wenn man Erdäpfel (also Kohlenhydrate) isst und sich danach nicht bewegt, nimmt man zu. Ach was. Danke für diesen seit Jahrzehnten bekannten Ernährungstipp.

Dafür sind wir jetzt in Pirk. Warum und weshalb weiß kein Mensch. Aber dafür liegt Pirk jetzt in der Gemeinde Falkenstein. Ok, Fehler passieren. Wenn es der einzige gewesen wäre, hätte ich diesen Artikel nicht geschrieben.

Dass es bei uns einsam ist, das ist nunmal so. Da braucht man sich nicht drüber aufregen, auch nicht dass, wir „nicht sehr reich“ sind. Das darf doch gesagt werden. Und dass man ein altes, hm, rustikales, Bauernhaus zeigt, finde ich auch nicht schlecht. Aber man darf, soll und muss sich über diesen Film aufregen.

Denn schon geht’s weiter nach Tirschenreuth. Da ist es auch kalt. Die reizende Miss Tirschenreuth erzählt uns, dass es im Sommer ganz schön ist. Aha, und warum filmen wir dann im Winter? Wo keine Leute da sind?? Warum holen wir keine Bilder aus dem BR-Archiv vom Sommer, wo das Gartenschaugelände bei jeglichem schönen Wetter enorm frequentiert ist? Jedenfalls weiß ich jetzt, dass der Marktplatz im Zentrum der Stadt liegt und man da auf Bänken sitzen und Eis essen kann. Das gibt’s nur hier, und nirgendwo sonst. Ok, vielleicht mit Ausnahme jeder anderen x-beliebigen Stadt.

Schön die Größenvergleiche mit Landkreisgröße und der Größe der Fischteiche, das wusste ich tatsächlich noch nicht. Ein „Hauch von Norden“, etwas Lyrik darf auch einmal sein.

Zack, aber mehr über Fische dürfen wir auch nicht lernen, sofort geht’s weiter zur Episode mit dem Herrn in seinem alten Benz. Ja, man will dabei die neuen Nummernschilder als Anlass nehmen, um über ein besonderes Bewusstsein im Altlandkreis Eschenbach zu informieren. Netter Einstieg, aber außer ein paar Sätzen vom Bürgermeister hören wir dann nichts mehr dazu. Hm, so what?

Wieder ein Sprung zum Liebensteiner Stausee. Der wird mir ständig empfohlen, weil er so schön sein soll. Asche auf mein Haupt, ich war noch nie dort. Nunja, nach den Bildern vom halbabgelassenen Speicher muss ich da so schnell auch nicht hin.

Die Stützelvilla in Windischeschenbach folgt, soll wohl so ein Beispiel für „aus schön alt mach sinnvoll neu“ sein. Na gut.

Interessant dagegen hätte der Abschnitt über die ATU werden können, ein wirtschaftliches Schwergewicht made in the Oberpfalz. Die Interviews sind meist mit unwichtigen Fakten und Sachinformationen zugeballert, etwas Emotion von den Protagonisten, ist das denn zu viel verlangt? Wir erfahren die Geschichte, wie das Unternehmen unter großem Fleiß von Peter Unger aufgebaut wurde. Dass es jedoch schon seit Jahren Finanzinvestoren gehört und arg kämpfen musste, diese wohl sehr wichtigen Infos mussten zugunsten der Vorstellung von Radio Ramasuri unter den Tisch fallen. Mei, so sehr Radio Ramasuri manchem gefällt, Regionalradios gibt’s überall in Bayern. Dass Ramasuri einen Studiohund hat, scheint der Grund für die teilweise sehr werblich getextete Szene zu sein, wie schön, dass man gar nicht mehr auf den Wauzi zu sprechen kommt.

Dann hören wir von roten Rindern, die in den 30er Jahren ausgestorben sind und nun wieder durch die Wiesen und Wälder streifen. Wow, ausgestorbene Nutztiere, eine spannende Geschichte. Aber natürlich erfahren wir nicht, wieso eine ausgestorbene Rasse hier umherziehen kann. Der Sprecher erzählt uns etwas über die Flussperlmuschel und der Protagonist spricht im nächsten Satz über das Wesen der Oberpfälzer. Was das eine mit dem anderen zu tun hat????? Die Hälfte des Beitrages ist nun rum, und mir geht langsam der Hut hoch. Wohin führt dieser Film?

Dann wieder ein Appetithappen, das einzige Klezmer-Schulorchester Deutschlands. Interessant. Gut, dass die Jugendlichen zu Wort kommen und erzählen, was sie daran so gut finden, schade dass der Sprecher das zwei Sätze vorher schon vorweggenommen hat. Hätte mich auch interessiert, wer auf die Idee dazu gekommen ist und wieso, und was die ersten Reaktionen darauf waren. Egal. Weiter hetzen.

Rüber zur Kappl und zu kleineren Kapellen. Witzige Geschichte, v.a. der Zusammenhang von Granit und dem Fortschritt der Ökumene. Auch gute Infos über die aufwändige Arbeit an der Kapelle in Thumsenreuth. Aber die logischen und emotionalen Fragen fehlen: Warum tut man sich so eine Plackerei an? Was bedeutet die Kapelle für die Menschen?

Dann sind wir in einer Zoiglstuben. Aber nicht in einer vom Kommunbrauer, sondern nur in Floss, also einem Ort ohne Kommunbrauhaus. Und zwei Fehler: Das Bier wird zu Hause nicht fertig gebraut, sonder fertig vergoren. Und schon wieder Falkenstein. Wie viel Mühe hat man sich eigentlich bei der Recherche und in der Abnahme gemacht?

Die Geschichte vom Zoiglbauern passt. Ich erfahre den Grund dieser Szene, nämlich ein Beispiel für ein expandierendes mittelständisches Nischenunternehmen. Schön, warum nicht gleich so?

Jetzt springen wir vom Zoiglbrot und Allergikerprodukten zum Kriegerdenkmal. Sonnenklar woher dieser Sprung kommt, die Worte Allergikerprodukte und Kriegerdenkmal enthalten beide die Buchstaben „A“, „E“, „I“, „R“ und „G“.

Kriegerdenkmäler sind also „irgendwie typisch“ für diese Gegend. Keine Ahnung was „irgendwie“ bedeutet, jedenfalls gibt’s Kriegerdenkmäler auch in Dörfern anderer Regierungsbezirke. Dafür erfahren wir nun, dass es beim Reservistenverein eine Hauptversammlung im Jahr mit Kassenprüfung und Entlastung der Vorstandschaft gibt. Un-glaub-lich. Diese Oberpfälzer sind schon ein verrücktes Volk. Aber der Verein macht auch eine Jugendfreizeit, hallo, das ist interessant, fangt doch gleich damit an. Und 900 Euro für die Kriegsgräberfürsorge aus einem 1200 Seelen-Ort? Toll, woran liegt diese Verwurzelung in der Bevölkerung? Bitte nach-fra-gen!

Am Schluss kommt noch ein Polizist zur Sprache, der über die Bilder der A93 in der Dämmerung nochmal was zum Wesen der Oberpfälzer sagen darf, und dass es hier kalt ist. Wow, was für ein Ende.

Fazit: Ab und an schöne Bilder (die im Sommer 10 Millionen mal besser ausgesehen hätten) und bisweilen witzige oder interessante Sätze, die die jeweiligen Protagonisten sagen. Leider werden diese Menschen nie wirklich eingeführt und vorgestellt. Dass sie oft statt emotionaler Sätze staubtrockene Fakten von sich geben ist Anfängerniveau. Dass keine erkennbare Geschichte, kein roter Faden, keine Linie durch den Film geht, ist ein kapitaler Fehler, aber kommt beim BR leider öfters vor. Auch in Filmen über andere Regierungsbezirke. Wenn die These vom einsamen Landstrich verfolgt werden soll, dann richtet bitte den gesamten Film darauf aus. Und erklärt uns, warum das so ist oder warum es nicht so ist.

In der Facebookdiskussion wurde wiederholt die Südwild-Sendung angesprochen, die vor einigen Jahren bei uns zu Gast war. Nun, diese Sendung habe ich auch gesehen und so zum Abschuss würde ich sie nicht freigeben. Es ist nun einmal so, dass die nördliche Oberpfalz an Einwohnern verliert. Das ist ein Problem, das angesprochen werden darf und angesprochen werden muss, der BR würde sein Ziel verfehlen, wenn alles nur heidschibumbeidschi wäre. Freilich mag man sich von den Großkopferten nicht sagen lassen, dass es Probleme gibt. Das will der Bayer vom Preußen nicht hören und der Österreicher vom Bayern nicht, und der Oberpfälzer vom Münchner nicht. Darf aber gesagt werden, egal von wem.

Doch was dieser „Film“ vorstellte, das war ja nicht einmal Kraut und Rüben, denn die beiden Sachen würden noch aus dem Themenbereich „Nahrung“ stammen. Stattdessen wirres zusammenhangloses Hin- und Hergespringe. Die Geschichte von der angeblich einsamen Oberpfalz wurde nicht erzählt, wichtige Fakten wurden verschwiegen, spannende Geschichten nur angerissen und sofort wieder ignoriert, die Werbung für gewisse Firmen hätte nicht sein müssen und vielleicht auch in dieser Weise nicht sein dürfen, ja, nicht einmal der Titel wurde eingelöst: „Schöne Oberpfalz“. Also die Bilder sagen mir was anderes, vor allem, wenn man weiß, dass man zu einer anderen Jahreszeit wirklich was Schönes daraus hätte machen können. Ganz ehrlich: Für diesen Film ist die Note „Ou wäi“ immer noch zu gut.

Nachtrag: Mittlerweile war ich am Liebensteiner Stausee. Bei Schnee lassen sich dort durchaus schöne Bilder machen.

5 Kommentare

  1. Normaler weise gefallen mir Deine Kommentare. Diesmal aber glaub ich dass es bei Dir zu trost ist mit dem Wetter…und deshalb zuviel Zeit hast zum kritisieren. Die Opfalz besteht halt mal aus anderen Orten als TIR und W’sassen. Ich fand den Film gut gemacht, hat heimatliche gefuehle in mir erweckt (hab die Heimat ’72 verlassen und lebe seit ueber 35 Jahrn in USA). Na Gstaenkert hoat ma ja scho immer oft…ower……wenns Eich niat passt dann miassest selber besser machn. servuss und Hawedehre

    1. Ja wenn nur andere Orte drangekommen wären.
      Auerbach wurde im Internet Beitrag in den Süden verlegt, Cherry Tastaturen kennt man auf der ganzen Welt (anscheinend nur nicht in München) Erwähnt wurden sie in Beitrag nicht
      Kümmersbruck, Nabburg, Teublitz, …. alles Kommunnen mit zog tausend Einwohnern, existieren dem Bericht zu Folge gar nicht. Denn sie wurden nicht mal namentlich erwähnt.

      Die Seen wurden mehrfach vertauscht, Zuflüsse der Gewässer schlichtweg geografisch falsch zugeordnet.

      Das weltweit führende Betonwerk Godelmann (Pflastersteine) bekam zwar schon mehrfach bei Sendern wie Sat1, ZDF, Kabel1, TF1, Arte, CNN,… eigene Sendungen. Was sind diese Sender schon gegen den Weltbedeutenden Sender BR. Da wird so eine Firma noch nicht mal erwähnt.
      Obs wohl daran liegt, dass man in München auf solche echten Erfolgsgeschichten mehr als nur neidisch ist?

      Und, und, und, ….

  2. Hab diesen teilweise an der Wahrheit verbeigegangenen ,sowie oberflaechlichen Negativbericht ueber die Oberpfalz leider nicht gesehn um mir ein objektiveres Bild zu machen.In Mallorca lebend bin ich solche Schlagzeilen allerdings gewohnt denn staendig und seit Jahren wird die Insel ,uebrigens eine der schoensten der Welt, von irgendeinem drittklassigen Fernsehreporter nur als ein im Sterben liegendes Saeuferparadies betitelt.Dabei beschraenkt sich die deutsche Partymeile auf weniger als einen Quadratkilometer Wahrscheinlich werden in Zukunft auch Horden von neugierigen Touristen auf tauchen um die laut BR scheinbar noch auf Baeumen lebenden , Zoiglkrugstemmenden und vielleicht auch noch Fingerhakelnden Oberpfaelzer zu bestaunen. Natuerlich sind die oberpfaelzischen Kleinstaedte keine Weltmetropolen.Aber das ist auch gut so und hat auch seine Vorteile Zum Beispiel braucht man sich nach Feierabend nicht in eine ueberfuellte U-Bahn quetschen sondern man kann sofort durch ein wunderschoenes Teichgebiet radeln.Auch braucht man am Wochenende nicht erst im Stunden langem Stau stehn um aus der Stadt ueberhaupt herauszukommen.Spaetestens beim Nestbau merkt man gewaltige Unterschiede wenn man dann in Bayerns Hauptstadt 400.000 Euro fuer eine mittelgrosse Wohnung in lebenslaenglichen Raten abstottern muss und oben drein noch 600 Euro Nebenkosten bezahlen darf.Mieten von 1.700 Euro fuer eine zentrale 2 Zimmer Wohnung im schoenen Muenchen sind keine Seltenheit mehr Spaetestens dann stellt man fest dass die Oberpfaelzer doch die bessere Lebensqualitaet besitzen

    1. Gerlinde – in vielem hast Recht – ein Problem ist halt: Viele, darunter auch ich, müssen dahin ziehen, wo es Arbeit gibt! In der Opf ist es halt leider oft immer noch so, dass es für „Frau“ keine gut bezahlte und einigermaßen anspruchsvolle Arbeit gibt. Es gibt halt Provinz und ballungszentren – beides mit Vorteilen und Nachteilen! Jeder sagt – mei hast du es schön – du wohnst da, wo andere Urlaub machen! Bloß ich kann nicht mehr vor die Tür, weil alle Straßen verstopft, alle Biergärten überfüllt, alle Almen überlaufen und selbst die einsamsten bergsteige übervölkert sind! Nicht von Einheimischen oder Menschen die hier wohnen und arbeiten, sondern von Touristen aus dem Rest von Bayern und Deutschland. Seid froh, dass die Opf nicht so hoch gelobt wird – dann habt ihr wenigstens euere Ruhe!😊

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