Ein wildes Jahr und der Weihnachtsfriede

Ich komme nicht mehr hinterher.

Nein, es war kein gutes Jahr. Und dabei denke ich jetzt nicht an irgendwelche verstorbenen Sänger, sondern eher an Aleppo und Co. Auch nichts Gutes in Deutschland. Anschlag in Berlin, Nafri-Diskussion, ein ganzes Jahr voller Fake-News, Populismuswahlen, Filterblasen, weiterer Anschläge, Reichsbürger…

Ich habe ganz bewusst nicht die Sondersendungen zum Anschlag angeschaut, weil ich mich nicht zum Facebook-Chor dazugesellen wollte, die die Medien dafür kritisieren, dass sie eh nix neues sagen können, das aber auf mehrere Stunden ausbreiten. Was sollen sie denn sonst sagen? Warum sich darüber aufregen?

Je suis Christkindlmarkt postete eine meiner Bekannten auf Facebook. Die Dame steht der AfD nahe (jawohl ich bin mit solchen Leuten noch auf FB befreundet, weil ich sie nicht in ihrer Filterblase mit ihren rechten Verschwörungstheorien allein lassen will) und bekam prompt von anderer Stelle was auf die Nase, wieso man den Anschlag sofort mit brauner Scheiße instrumentalisieren müsse. Nun, auch Rechten darf man ehrliche Trauer unterstellen.

Wohl kaum aber der AfD, die sofort mit einem 5 Punkte Plan daherkam, was denn nun alles zu tun sei. Mehr Videoüberwachung war nicht dabei, wohl aber sofortige Neuwahlen. Was Neuwahlen in so einer Situation bringen, ist mir schleierhaft, außer der Tatsache, dass diese Partei wohl aus einzige daraus Nutzen schlagen kann. Die Leichen sind noch nicht kalt, da wird schon politischer Nutzen und später ein bezahlter Posten im Parlament draus geschlagen.

Bemerkenswert auch, dass sich jetzt gerade die Leute über zu wenig Polizei aufregen, die früher immer gejubelt haben, als es darum ging, die „aufgeblähte“ Verwaltung einzudampfen. Dass bei der Verwaltung eben auch Polizisten und Richterstellen dabei sind, hätten sie sich wohl vorher überlegen sollen. Und daher können auch auffällige Asylbewerber nicht rechtzeitig abgeschoben werden. Andererseits sollte man doch meinen, dass Tunesien, Marokko oder Algerien doch etwas stärker von Deutschland oder gar von der EU abhängig sind als wir von ihnen. Es wird doch möglich sein, dermaßen Druck auf die Länder auszuüben, dass sie schleunigst ihre abgelehnten Landsleute zurücknehmen. Noch dazu, wenn diese für unsere Bevölkerung eine Bedrohung darstellen.

Tatsächlich muss der Staat Härte zeigen. Das gilt für arabische Clans in Berlin und in Bremen, deren Vergehen mit illegalen Autorennen mit Todesfolge anfangen und nach oben offen sind. Das gilt aber auch für Reichsbürger und unangemeldete Demonstrationen. Wie peinlich am Tag der deutschen Einheit, an dem sich gewählte Vertreter des Volkes und Repräsentanten des Staates mit Fotze anschreien lassen müssen und ausländische Botschafter mit Affenlauten begrüßt werden. Also zu Zeiten von Franz Josef Strauß hätte man so eine unangemeldete Zusammenrottung asozialen Gesindels mit dem Wasserwerfer von der Straße geputzt.

Populismus und seine Ursachen

Was nach dem Je suis Christkindlmarkt auf Facebook folgte war dann aber doch wieder Verschwörungstheorien. Die blühen ja jetzt auch dieses Jahr. Fake-News, also erfundene Nachrichten, werden im postfaktischen Zeitalter gerne geteilt. Lustigerweise genau von den Leuten, die ernsthaft recherchierende Medien als Lügenpresse bezeichnen.

Was ebenfalls lustig ist, sind Fälle wie die Wahl Trumps oder der Brexit. Gewählt von denjenigen, die dem Establishment eins auswischen wollten. Und nun von mehr Lobbyismus, Establishment, Großkapital regiert werden, als jemals zuvor, im Fall von Trump. Beim Brexit kommen evtl. Steuerdumping und Bankenderegulierung, also Dinge, die den kleinen Mann ebenfalls verarschen. Nun sagt mancher: Diese Leute sind dumm. Naja, es war eine dumme Aktion, weltweit sind derart dumme Aktionen auf dem Vormarsch. Man denke nur an die knapp 50% der Ösi-Wähler, die Norbert Hofer wählten. Der für eine Partei steht, die es in ihrer kurzen Regierungszeit in einem popligen Bundesland geschafft hat, u.a. einen Bankenskandal ungeahnten Ausmaßes zu produzieren und deren ehemalige Lichtgestalt sich im Vollsuff aus einem Schwulenpuff kommend sich zu Tode gefahren hat. #Vorzeigefamilienmensch. Tja, die Lernkurve der Ösis scheint nicht sonderlich gut zu sein.

Von den Philippinen über die USA nach Europa, Populismus ist ein weltweites Phänomen. Einzig Südamerika erwacht gerade aus dem (links)populistischen Alptraum, sieht man auf die Abwahl des Kirchner-Clans in Argentinien und den Protesten gegen Präsident Maduro in Venezuela.

Aber ist es tatsächlich Dummheit, oder ist es vielmehr Verzweiflung? Konservative und neoliberale Autoren verweisen darauf, wie gut es uns doch allen geht. Aber: Ist das tatsächlich so? Immer mehr Menschen sind nur befristet angestellt. Viele Menschen müssen von Leiharbeit leben, die vor zehn Jahren noch fest in einer Firma waren. Kann ein Paketbote heute noch allein seine Familie ernähren? Bekommt er einen Kredit, um ein Haus zu bauen? Kann er sich das überhaupt noch leisten in einer Großstadt? Hahaha, wer kann das noch? Heute machen Onlinefirmen wie amazon den Einzelhandel platt. Doch die Jobs, die da verloren gehen, werden anderswo nicht aufgebaut. Der Arbeiter bei amazon verdient schlecht, der Paketbote auch, der Einzelhändler und seine Angestellten gehen pleite, nur Jeff Bezos lacht. Volkswirtschaftlich eine Katastrophe, aber Geiz ist nun mal geil. Und was kommt in Zukunft? Der Elektromotor droht ebenfalls ein Jobkiller in der deutschen Automobilindustrie zu sein, da er viel weniger Teile als ein Verbrennungsmotor benötigt (dass der Strom derzeit noch aus dreckigen Kohlekraftwerken kommt und die Entsorgung der Akkus für viel mehr Verschmutzung auf afrikanischen Schrottplätzen sorgen wird, verschweigen die Öko-Fritzen lieber). Algorithmen werden bei Angestellten und sogar Anwälten in einigen Jahren für einen Kahlschlag an Jobs sorgen. Manche Programme schreiben heute schon automatisch Fußballnachrichten. Ja, es geht uns gut, aber nein, wir haben keine Sicherheit. Und die Automatisierung wird kein Jobwunder bringen, sondern das Gegenteil. Darum klammert man sich an solche Schreihälse, weil sie versprechen, Jobs im Land zu sichern. Dass die Situation mit ihnen noch schlimmer wird, kann man von ausgehen.

Und warum gehen dann die Arbeiter und Angestellten zur AfD? Weil die SPD ihnen eine dämliche Riesterrente aufs Auge gedrückt hat und mit den Gesetzen zur Leiharbeit dem Lohndumping Tür und Tor geöffnet hat. Weil sie Politik im Hinterzimmer auskartet. Aber: Auch hier darf man nicht alle über einen Kamm scheren. Politik ist nun mal ein Geschäft der Kompromisse. Es geht nun mal langsam voran und es werden dabei auch falsche Wege beschritten. Und nicht alle Mitglieder der „etablierten“ Parteien machen das, um damit Geld zu verdienen. In der Kommunalpolitik gibt’s herzlich wenig zu holen, und trotzdem engagieren sich da Menschen, um ihre Gemeinde voran zu bringen.

Wie anders sind doch da die Populisten. Markus Frohnmaier z.B., Vorsitzender der Jungen Alternativen, möchte gern Berufspolitiker werden. Da die AfD auf absehbare Zeit keine Regierungsverantwortung übernehmen will, heißt das: Genau wie Sahra Wagenknecht über Jahrzehnte viel Geld vom Staat einstreichen, ab und zu wohlfeile Reden zu schwingen und nullkommagarnix tatsächlich zu leisten.

Fake News

Manche wohlfeile Bildungsbürger meinen, es ist gut, wenn sie sich von diesen rechten Spinnern entfreunden. Nein, das ist nicht gut. Denn niemand darf sich in seine eigene Filterblase zurückziehen. Hier die linke Welt, in der alles gut ist, und dort die rechte Welt, in der jeder Flüchtling ein Vergewaltiger ist. Jeder Demokrat hat die Verantwortung, seine Facebook-Mitmenschen auf Fake-News hinzuweisen. Denn die bestimmen immer mehr unsere Wahlentscheidungen.

Da wir nun aber schon bei Verschwörungstheorien sind, hier mal eine, die wirklich logisch klingt: Lutz Bachmann postete zwei Stunden nach dem Anschlag bereits „Interna“ der Berliner Polizei, nach der ein tunesischer Moslem gesucht würde. Hat ein Polizist Beweismittel unterschlagen und sie nur an Bachmann weitergeleitet? Die Pegidisten wittern schon wieder eine Unterdrückung der Wahrheit, und fragen, weshalb denn ein Pakistani vorher verdächtigt wurde. Hm, selbst aus Sicht von Pegida macht das überhaupt keinen Sinn, da Pakistanis und der später kurzzeitig festgenommene Afghane wohl ebenfalls Moslems sind. Da ist es doch wurscht, aus welchem Land er kommt, Hauptsache ein Islamist. Es kann sein, dass die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zuerst eine falsche Fährte legte. In diesem Fall vielen Dank Herr Bachmann, dass sie die Arbeit der Polizei behindert haben. Aber seltsam nur, dass die Berliner Polizei angab, dass das Dokument erst am Dienstag gefunden wurde. Woher konnte dann Bachmann (verurteilt u.a. für zweifache Körperverletzung, 16-fachen Diebstahl, acht Mal Fahren ohne Führerschein, falsche Verdächtigung, Anstiftung zur Falschaussage, zwei Mal wegen Drogenhandel sowie nicht gezahlten Unterhalt für seinen Sohn) dann das VOR der Polizei wissen? Und wieso ausgerechnet nimmt ein Mensch, der gerade einen Anschlag plant, seinen Ablehnungsbescheid mit in die Fahrerkabine und lässt sie dort liegen? So dumm kann doch keiner sein?! Den hat man doch bewusst deponiert, so wie bei der 9-11 Verschwörung usw. usf. Hm, Bachmanns Stern ist am Sinken, die Dresdner Pegida Bewegung hat sich schon wieder gespalten, man wirft Bachmann Veruntreuung von Vereinsgeldern vor, die Teneriffa Episode war nicht gerade ruhmreich. Da muss was Großes her! Die Rechtsextremen haben schon vorher nicht vor Mord zurückgeschreckt, siehe NSU. Logische Schlussfolgerung: Bachmann und Co stecken hinter dem Anschlag!!11!! #WachtAuf #SchlaftweiterSchafe #Wahrheitssucher #RTdeutsch. Man sucht sich einen bereits auffälligen Asylanten aus, der ins Raster passt, deponiert Spuren von ihm und passenderweise seine Dokumente im LKW. Und der wird dann „zufälligerweise“ erschossen, ausgerechnet in Mailand. Denn da steht die Scala. Und Scala hört sich ähnlich an wie Scania. Ein LKW-Hersteller. Das kann doch kein Zufall sein!! So funktionieren Fake-News. Darum ist unser Hashtag der Woche: #LutzBachmannistderAttentäterFroheWeihnachten

Tatsächlich aber muss man sich schon fragen, wieso sich die Berliner so vehement gegen Videoüberwachung wenden. Immerhin wissen Facebook, Google und Apple mehr, als jede staatliche Überwachung jemals leisten könnte oder dürfte. Und das geben wir denen freiwillig. Sie verkaufen es ja nur an die Werbung oder Versicherungskonzerne. Aber so ein paar Kameras schränken die Freiheit ein?

Und dann die Nafri-Diskussion, oh Mann. Als ob die Linken noch niemals von Amis gesprochen hätten. Und wenn in der Kriminalitätsstatistik eine Gruppe häufiger auftaucht als andere und die Polizei sie darum mehr kontrolliert, dann ist das kein Rassismus, sondern eine logische Schlussfolgerung aus der Statistik.

Weihnachtsstimmung!

Jetzt habe ich tatsächlich viel mehr zu dem Komplex geschrieben, als ich eigentlich wollte. Denn statt mich stundenlang vor den Fernseher zu setzen und die Liveberichterstattung zu sehen, oder mich durch tausende von Facebook-Posts zu wühlen, wollte ich im Buch Oberpfälzer Weihnacht lesen. Mei, wer kennt denn heute noch die Bräuche zu Kathrein, als das letzte Mal vor Weihnachten getanzt wurde? Oder zu Andreas, als die ledigen Damen im Haus durch bestimmte Rituale einen Hinweis auf ihren künftigen Bräutigam erhofften. Tatsächlich aber bringt der Eskapismus in die traditionelle Vergangenheit keine Muße. Zuviel Alarmstimmung außen rum.

Am 23. haben wir die Weihnachtsfeier mit den Kumpels. Ein wunderbarer Abend, genauso wie das traditionelle Weihnachschlagerpartyvorglühen am 25. Aber das ist ein eigenes Kapitel. (Und die Feier zu Silvester, Geburtstage, Wanderungen, Besuchsfahrten,…)

Der Weihnachtsbaum wird am 24. aufgestellt, ich bin mit Schmücken dran, dann müssen wir ihn noch auf ein Podest stellen, weil er der Mama zu niedrig ist. Die Krippe stell ich auch auf, Besinnlichkeit und der vorige Abend bearbeiten mich wechselseitig.

Etwas später sitzen wir in der Kirche, es ist nicht unbedingt leicht, dem Gottesdienst zu folgen. Beim Einzug mit dem hölzernen, lachenden Jesuskind, gut, da kommt etwas Stimmung auf. Aber dann Evangelium, Predigt, Kommunion, oje, Unkonzentriertheit ist wohl die Folge eines wilden Abends. Dann das letzte Lied, Stille Nacht, die Lampen werden ausgeschaltet, nur die Kerzen am Altar und die Lichter am Weihnachtsbaum leuchten. Bei der ersten Strophe wird es wohlig, aber noch nicht das Gänsehautgefühl, dieser Floweffekt wie sonst immer. Jetzt muss doch langsam Weihnachten sein?! Anstatt nach dem Weihnachtssinn zu suchen, konzentriere ich mich bei der zweiten Strophe dann doch lieber auf den Text. Und dann, zack, bei den Worten „Christ der Retter ist da“ löst sich alles. Ja, das ist es. Ganz einfach. ‚Nuff said. Wir sind ja schon gerettet. Flow Effekt, Gänsehaut, wunderbar. Der vorweihnachtliche Stress, der Feiertagsteufel, der ganze Mist von Islamisten und Pegidisten, alles weg. Freilich wird man sich bald wieder darum kümmern müssen, aber im Moment möchte man denen frei nach Homer Simpson zurufen: „Machts gut ihr Idioten.“ Und willkommen 2017!

Ein Licht in der Welt.

Ein Licht in der Welt.