Man spricht deutsch

Von der CDU bis zum Postillon, die Republik mokiert sich über die Forderung der CSU, Einwanderer sollten nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Familie deutsch sprechen. Sogar die kabel eins-Nachrichten machen sich darüber lustig. Ich wusste gar nicht, dass kabel eins noch Nachrichten hat! Und natüüüüürlich, ein jeder lacht sich ins Fäustchen, dass die Bayern doch bitte erst einmal selber deutsch lernen sollen. Hahaha, Mia san mia, Oachkatzlschwoaf und Zuagroaste, wer so spricht, müsse doch bitte selbst erst einmal den Integrationstest machen, hahaha. Dank der erwartbaren Reaktionen auf den CSU-Vorschlag steht der bayerische Dialekt nun wieder da wie der letzte Depp.

Jo mei, die CSU fordert das jetzt nicht mehr, sie möchte dazu „motivieren“. Aber der Schaden ist nicht mehr gut zu machen. Dabei gibt es so manch ernsthaften Anlass: Oftmals können sich Frauen mit Migrationshintergrund nur deshalb nicht gegen extreme patriarchalische Gewalt zur Wehr setzen und Hilfe einholen, weil sie nach zig Jahren in Deutschland immer noch nicht die Sprache dieses Landes sprechen. Meist, weil man ihnen einredete, sie müssten oder dürften diese Sprache nicht lernen. Ob der CSU-Vorschlag in diese Kreise vordringt? „Ja gut, äh, nein“ würde da der Stoiber Edmund sagen. Also nur Publicity-Getöse, das nach hinten losgegangen ist? Hätte die CSU mal lieber weniger Klatsche und mehr Argumente geliefert. Und mehr Herz und Verstand! Und wo hängen Herz und Verstand? Natürlich am Dialekt!

Weiß die CSU denn nicht, dass dialektsprechende Kinder intelligenter sind und schneller andere Sprachen lernen, als hochdeutschsprechende Kinder? Auf gut bayerisch muss ich da sagen: Pardon, das war ein Fauxpas! Die CSU sollte nicht zum Deutschsprechen, sondern zum DIALEKTsprechen motivieren. Stellt euch nur einmal vor, gelungene Immigrationsbeispiele wie Django Asül würden hochdeutsch statt bayerisch sprechen. Aso ein Schmarrn, der wäre vielleicht noch lustig, aber sicherlich kein Original mehr. Ein Serdar Somuncu in dünn halt. Und wie viele wunderbare Fälle von Einwanderern mit Berliner Schnauze, kölschem Witz und hanseatischem ähm, Getüdel gibt’s noch dazu in der schönen BRD!

Der Dialekt kann für Menschen, die ihre Wurzeln in einer fernen Heimat aufgeben mussten, neue Wurzeln bilden. Also liebe CSU, bitte so umtexten: „Es wäre schön, wenn deutsch nicht nur im Sprachkurs, sondern auch zu Hause geübt wird. Besonders wichtig ist uns, dabei auch die Schönheit (bei schwäbisch eher „die Besonderheit“) regionaler Dialekte zu vermitteln.“ Vorher das alles mit Argumenten usw. anreichern. Das Motto: „Global immigrieren, lokal reden“ kriegts von mir gratis dazu (In der Werbekampagne, die wohl leicht surreal wirken könnte, treten dann Billy Mo oder Takeo Ishi auf). Aber muss man die Einwanderer dazu bringen, daheim ausschließlich deutsch zu reden? Ganz ehrlich, solange die Neubürger im Wirtshaus ihren Schweinebraten (oder meinetwegen die halale Rindsroulade) nicht mit Klößen, sondern mit Knödeln bestellen (in der Oberpfalz natürlich Spoutzn), kinnas dahamm redn, wia eana da Schnobl gwoxn is.

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