Requiem gegen die Studiengebühren

Bayern hat abgestimmt: Studiengebühren werden bald der Geschichte angehören. Das faule Studentenpack kann nun endlich wieder ausschlafen. Oder mehr Zeit haben, sich auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

 

Vor ein paar Jahren traf ich eine Studentin in Bamberg. Sie kam aus einem südosteuropäischen Land und studierte Kommunikationswissenschaften. Ziel: Journalistin. Mit 28 Jahren hatte sie noch kein einziges Praktikum absolviert. Schlecht. Ohne Praktikum in den Journalismus? Kaum vorstellbar.

Der Grund: Sie musste für ihren Lebensunterhalt arbeiten, die Eltern konnten ihr kein Geld schicken. Förderung gabs keine. Bamberg war damals noch eine extrem günstige Stadt. Trotzdem: Miete, Lebensunterhalt, und natürlich 1000 Euro Studiengebühren im Jahr. Würden die wegfallen, hätte die Studentin wenigstens ein oder zwei Monate Zeit, mal nicht im Café zu bedienen. Sondern ein schlecht- bis unbezahltes Praktikum zu absolvieren. Die Voraussetzung, später mal in Lohn und Brot zu kommen. Sicherlich: es gibt Leute, die sich das Journalistik-Studium mit Gebühren selber finanzieren und trotzdem Praktika machen. Geheimnis: Gut bezahlte Praktika und Studentenjobs. Beispielsweise beim WDR. Da kann man monatelang arbeiten und dabei gutes Geld verdienen. Aber der WDR hat leider kein Studio in Bamberg. Und ob der WDR alle deutschen Journalistik-Studenten ohne praktische Vorkenntnisse einstellt?

Die Medien, die in Bamberg angesiedelt sind, haben jedenfalls nicht ganz so viel Geld, um alle Studis beschäftigen zu können. Lange Jahre für ein Studium gearbeitet, das dann ohne Praktika genau was bringt? Es sind tatsächlich nur 1000 Euro. Für manche Menschen können sie der Unterschied sein, ob man später mit seinem Studium einen Beruf findet oder nicht.

 

Ok, die Gebühren haben tatsächlich zu einer Verbesserung der Lehre geführt: Mehr Tutoren, mehr Bücher, mehr Exkursionen. Und selbstverständlich sind Studiengebühren für ein Zweitstudium oder Langzeitstudenten durchaus akzeptabel und richtig. Doch wie ist die Erfolgsbilanz sonst? Mehr Professoren, mehr Räume? Fehlanzeige, es herrscht immer noch Platznot. Denn mit den Studiengebühren dürfen ja keine Dinge finanziert werden, die unter die Oberhoheit des Staates fallen. Zwar gab es eine kleine abschreckende Wirkung auf eventuelle Neu-Studenten. Aber leider nicht so groß, dass alle übrig gebliebenen Studenten endlich mal auf Stühlen sitzen können, und nicht hinter dem Prof auf dem Boden. Gut, die Gebühren sind auch viel geringer als in anderen Ländern. Genau, da starten die Menschen schließlich mit einem gewaltigen Schuldenberg ins Berufsleben. Bei uns ist’s nur ein kleiner. Jetzt kehren wir also wieder zur kostenlosen Bildung zurück. Kostenlos ähäm… halt nicht so teuer wie eh schon. Nix zahlen fürs Studieren, meiomei, ob das Zukunft hat? Wie diese Kostenlosmentalität funktioniert, sieht man an diesem so genannten Internet. Dessen Gratisangebote nutzt schließlich auch keiner. So wird sich das Internet nie durchsetzen.

Sollte kostenlose Bildung tatsächlich wichtig sein, haben die Bayern eine gute Entscheidung getroffen. Wer schuldenfrei gut ausgebildet ist und schon während des Studiums Zeit (und übriges Geld) für Praktika hatte, kann schneller im Beruf durchstarten. Einen eigenen Betrieb auf die Beine stellen und Arbeitsplätze schaffen. Selbst die CSU, die die Gebühren eingeführt hat, ist schon ganz begierig drauf, sie wieder abzuschaffen. Tempora mutantur, et nos mutamur in illis (Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen). Eigentlich bleiben die Zeiten gleich, die Politik passt sich nur endlich an. Denn das Volk hat gesprochen.

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