Servus Benedikt, Grüß Gott Joseph

Jetzt ist der alte Mann weg und Bayern ist um eine Attraktion ärmer.

Kein Papstbier mehr, keine Papsttorte, keine eBay Versteigerungen von Papstgolfs oder Papstwohnungen und auch keine touristisch förderlichen Trachten-Aufmärsche in der Audienzhalle. Jetzt sind wir Bayern nicht mehr Papst. Ein letzter trauriger Tuba-Tusch wird gegeben und die Gebirgsschützen lassen es noch einmal krachen. Dann zieht man den Gamsbart-Hut. Eine leise Stimme verstummt. Vielleicht schreibt sie noch Bücher. Aber das kann man zum Glück weder touristisch vermarkten noch medial verheizen.

Der Papst wäre mit einer Welt zu Recht gekommen, die aufdeckt und beleuchtet, was viel zu lange verdunkelt wurde. Er wäre wohl auch mit einer Welt zu Recht gekommen, die Toleranz für andere Lebensarten einfordert. Auf Argumente hörte er (wenn sie an ihn herankamen), auch wenn er nicht alle Schlussfolgerungen teilte.

Aber er kam nicht mit einer Kirche zu Recht, deren Fliehkräfte nach vorn und nach hinten kriminelle Formen angenommen hatten, bis hin zu Verrat und Diebstahl (auch wenn es manche für das Beste für ihn hielten). Mit einer Verwaltung, die teils chaotisch, teils inkompetent, teils völlig uninformiert war (und wohl noch ist). Und deren Folgen des Schluderns er ausbaden durfte.

Er hätte von Anfang an mit eisernen Besen im Vatikan kehren müssen, aber dazu war er zu sehr bayerisch kultivierter Geistesmensch, und kein bayerisch trainierter Viehtreiber. Wer weiß, ob da unten jemals ein Papst durchsteigen wird.

Aufgewachsen in der einfachen, stillen Familienwelt des ländlichen Bayerns, die durch den Nationalsozialismus bedroht war. Studiert und doziert in der logischen, stillen Welt der Universitäten München-Freising-Tübingen-Regensburgs, die für ihn scheinbar durch die 68er bedroht war. Papst im chaotischen, vorgeblich stillen Vatikan, dessen Kirche scheinbar von außen, tatsächlich aber von innen bedroht ist. Wie Benedikt auch selbst öffentlich festgestellt hat.

Auf die so genannte Pogrom-Stimmung braucht man den Rücktritt jedenfalls nicht schieben. Wer weiß, ob der Papst etwas von der ach so angeheizten Stimmung in Westeuropa und Nordamerika mitbekommen hat. Die tatsächlichen Pogrome an Christen in islamischen und kommunistischen Ländern haben ihn wohl mehr getroffen. Und sollten auch die übrigen Katholiken wesentlich mehr treffen, auch Dich, Bruder Leiter der Glaubenskongregation. Eine Pipi-Bild in der Titanic ist etwas anderes als eine Bombe in einer Kirche in Bagdad oder Kairo.

Ein jetziger Papst braucht doppelt Kraft. Einmal um die Kirche zusammenzuhalten und den vatikanischen Laden in Ordnung zu bringen. Und dann, da war ja noch was, die Frohe Botschaft zu verkünden. Hoffnung zu geben und die Stimme der Unterdrückten in der Welt zu sein. Seine eigene erschien ihm, im Stimmgewirr von Kirche und Welt, dafür zu leise.

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