Von Karfreitag und Osterlachen

Pünktlich zu Ostern gehen die Diskussionen wieder los, warum darf man Karfreitag nicht tanzen, warum kaufen die Menschen am Samstag ein wie für die Zombie-Apokalypse, quengel, quengel, quengel. Die Beiträge darüber sind mal zornig, mal dümmlich und mal heiter. Nein, den freien Tag nimmt man mit, auch die Nichtgläubigen, aber weshalb man frei hat, das ist dann herzlich egal.

Fakt ist: Die Christen gedenken am Karfreitag dem Leiden und dem Tod Jesu. Einer der wichtigsten Gedenktage, für Protestanten angeblich sogar der wichtigste. Für die sollte an so einem Tag Party Off sein.

Fakt ist: Ein Drittel der Deutschen zahlt keine Kirchensteuer mehr. Wieso soll ihnen der Staat verbieten zu feiern?

In Kenia wurden diese Woche 170 Studenten erschossen, nur weil sie Christen sind. Der IS hat in Libyen 21 koptische Christen hingerichtet, die als Gastarbeiter im Land waren. In Syrien und im Irak geschieht das andauernd, in Nordkorea wird man interniert wenn man eine Bibel daheim hat, in Saudi-Arabien darf man mit so etwas auch nicht auf die Straße gehen. Mei, wem das wurscht ist naaaja, aber Christen sollten angesichts sowas tatsächlich einmal inne halten.

Nun ist es allerdings christliche Lehre, dass Jesus aber nicht prophylaktisch nur für die braven Christen weltweit gestorben ist, sondern für alle Menschen. Also genauso für die drei Muslimas, die vor Kurzem in den USA von einem selbsternannten „bewaffneten Atheisten“ erschossen wurden, für die Homosexuellen, die im Iran an Baukränen aufgehängt werden, für die Redaktion von Charlie Hebdo, die Passagiere in der Germanwingsmaschine und deren Angehörige, für die Ukrainer, denen der Russe auf den Pelz rückt, für die Russen, die Putin in einen unerklärten Krieg schickt, für Raif Badawi und und und.

Angesichts dessen wäre ein Tag der Stille durchaus wünschenswert. Ein Tag, wo eben mal keine Party ist. Aber Stille ist gefährlich. Stille ist nicht erwünscht. Das hat man beim Germanwings-Unglück gemerkt. Während die bösen Medien aus Südfrankreich, aus Haltern und vom Segelflugplatz des vermeintlichen Todesfliegers berichteten, haben wir uns in den sozialen Medien darüber aufgeregt. Und trotzdem jede Neuigkeit eifrig diskutiert. Nicht einmal die Verschwörungsjünger machen angesichts einer solchen Katastrophe Halt mit ihren dämlichen Theorien, aber warum sollten sie auch. Stilles Gedenken an die Opfer? Fehlanzeige. Doch die Stille würde uns dem Leid dieser Menschen näher bringen.

Die Kirchen sollten sich aber nicht hinter den staatlichen Ge- und Verboten verstecken à la „das steht aber so im Gesetz“, sondern klar machen, was an Karfreitag gedacht wird und ebenso den Nichtchristen eine Brücke des Gedenkens an die Opfer menschlichen Leids bauen.

Was stärker noch als die Trauer in Vergessenheit geriet, ist das Osterlachen. Ein uralter Brauch, den es früher auch und gerade in Bayern gab. Um den Gläubigen die Freude über die Auferstehung nahe zu bringen, erzählten die Pfarrer in früheren Jahrhunderten sogar derbste Witze oder spielten Sketche. Die Protestanten sprachen sich entrüstet gegen so etwas aus, und über die Jahrhunderte geriet der Brauch immer mehr in Vergessenheit. Mit der Folge, dass die Kirche zeitweise doch sehr bieder daherkommt. Erlöster müssten sie aussehen, meinte schon Friedrich Nietzsche über die Christen. Trotz des ganzen Leids auf der Welt haben die Christen ja Hoffnung und Zuversicht auf eine bessere Zukunft, auf Frieden und Gerechtigkeit. Weshalb denn sind die bayerischen Kirchen so prachtvoll und bunt ausgemalt? Also die Augen nicht vor dem Leid verschließen, aber auch etwas mehr die Freude des Ostertages leben! Christus ist auferstanden! Frohe und Gesegnete Ostern!

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