Schnelles Weckla in Nerrnberch

Durch das Königstor gelangt man vom Handwerkerhof in die Innenstadt.

Durch das Königstor gelangt man vom Handwerkerhof in die Innenstadt. Davor muss man sich noch durch unglaubliche Wörscht arbeiten.

Die Bahn! Ich fahre nicht immer Bahn, aber wenn ich es tue, dann hat sie Verspätung. Wenn man Glück hat, kommt der Anschlusszug ebenfalls nicht nach Fahrplan, so dass man ihn noch erreicht. Aber ab und zu fahren manche Züge dann doch pünktlich ab und können oder wollen nicht auf den verspäteten Zug warten. Was macht man denn, wenn man für 40 Minuten in Nürnberg gestrandet ist? Sich die Stadt anschauen? Hm, die kenne ich schon, und so schnell einfach nur durchlaufen? Den Presseladen am Bahnhof kenne ich ebenfalls. Nein, es muss etwas Gemütliches sein, damit man den Ärger über die Bahn schnell wieder vergisst. Und es muss nah sein, damit man keine weitere Verspätung selber verschuldet. Lösung: Der Handwerkerhof.

Der befindet sich gleich gegenüber des Hauptbahnhofs, von dort gelangt man unterirdisch fast direkt vor dessen Eingang. Allerdings ist der Teil des Bahnhofs, der dorthin führt, mit allerlei halbseidenen Gestalten bevölkert. Das macht mir jetzt nichts aus, ich bin so einen Anblick schließlich gewohnt, da ich derzeit außerhalb Bayerns lebe. Ein dunkelhäutiger Jugendlicher kommt mir entgegen, komplett im Zombie-Modus mit glasigen Augen, mei, der Bub. Ein kleiner Mann mit Schnauzbart steht da, muskelbepackt, Dealer oder Süchtiger? Oder clean? Oder Aufpasser?

Ob die Züge zu Kaisers Zeiten auch so viele Verspätungen hatten?

Ob die Züge zu Kaisers Zeiten auch so viele Verspätungen hatten?

Schon bin ich am Tageslicht und gehe eine Treppe hinauf, denn der Bahnhofsdurchgang liegt auf dem Niveau des Stadtmauer-Grabens. Durch ein Tor, und ich befinde mich im Handwerkerhof.

Da ich kurz vor meinem Besuch den Georg Lohmeyer Film „Der Pfandlbräu“ gesehen habe, möchte ich dessen eingedenk ein Dunkles trinken. Ich laufe durch den Handwerkerhof und suche also nach dunklem Bier. Nachdem ich einmal rundherum bin, setze ich mich in die Fränkische Weinstube in den Biergarten. Die Deko-Weinreben sind aus Plastik, ganz nett von fern, aus der Nähe kitschig. Dort gibt es Touristen, ich höre aber auch den fränkischen Dialekt. Das dunkle Landbier der Brauerei Veldensteiner kostet 4,20 Euro. Feine Röstaromen, leicht metallisch, etwas malzig, das kann ich mir wohl schmecken lassen. Für die Weinprobe mit sechs Frankenweinen habe ich leider keine Zeit, und vor allem einen viel zu leeren Magen.

Der Historismus der 1970er.

Der Historismus der 1970er.

Während ich mir die schönen Fachwerkhäuser so anschaue, bin ich mir nicht sicher, ob die wirklich jahrhundertealt sind. Tatsächlich wurde der Handwerkerhof erst 1971 eröffnet, früher war es der so genannte Waffenhof. Damals war das Dürerjahr, man feierte den 500. Geburtstags des großen Nürnberger Künstlers. Eine Messegesellschaft errichtete die Häuschen, um Einblick in die traditionelle Nürnberger Handwerkerkunst zu ermöglichen. Eigentlich wollte man das ganze Spektakel nach dem Jubiläumsjahr wieder einstampfen, es hatte aber so viele Fans gefunden, dass man den Hof weiterführte. Die Touristen scheinen es zu goutieren.

Ein Aufkleber in der Toilette der Fränkischen Weinstube weiß, worum es geht.

Ein Aufkleber in der Toilette der Fränkischen Weinstube weiß, worum es geht.

Nun, ich habe nicht mehr so viel Zeit, den Töpfern oder Puppenmachern über die Schulter zu schauen, Bier ohne Bratwurst bringt wenig. Also begebe ich mich ins Bratwurstglöcklein. Das hat täglich außer Sonntag geöffnet. Ein Augustinerbruder meinte einst, die Familie wäre besonders katholisch und würde darum auf die Sonntagsruhe achten. Na das wäre ja schön, ob die Geschichte stimmt? Er meinte auch, hier gäbe es die besten Nürnberger Bratwürste. Mit solchen Wertungen bin ich vorsichtig, da ich noch nicht alle Bratwurstbratereien der Stadt durch habe. Die Drei im Weckla kosten 2,50 Euro. Leider kommen sie nicht wie in der Regensburger Wurstkuchl mit Kraut daher. Senf habe ich nicht dazu genommen, ich will den Geschmack pur! Und der hat es in sich. Ein fantastisches Grillaroma, saftig, würzig, überhaupt nicht salzig, Wörscht zum Neileg’n! Bravo. Die Konkurrenz wird zeigen müssen, ob sie da mithalten oder gar übertreffen kann.

Ich schlendere zurück, am Bahnhof kommen mir gut gelaunte Polizisten mit blauen Handschuhen entgegen. Vielleicht gerade jemand erfolgreich vor dem Übel des Drogenkonsums bewahrt? Einige Druffies essen McFlurry. Vor dem Tabakgeschäft ist eine Schlange, wollen die alle Papers kaufen?

Meinen Zug, der diesmal pünktlich abfährt, erreiche ich natürlich locker. Bei der nächsten Verspätung, nach der man sich wohl leider die Uhr stellen kann, werde ich den Handwerkerhof wieder besuchen. Zwar ist die Tradition hier schon sehr aufs touristische ausgerichtet, aber immerhin schon seit den frühen 70ern. Und eine Abwechslung zur Großstadt-Tristesse des Bahnhofs ist der Handwerkerhof allemal.