Die Panzerreiter

Es ist eine Geschichte von Tapferkeit, Ruhm und Ehre.

Was wäre ein Mittelalterfest ohne Ritter? Keine Ahnung, ich kenne keins. Darf ich vorstellen: die Turnierritter. Edle Herren im Harnisch genannt.

Hier kann nur mitmachen, wer ein guter Reiter ist. Ritter Michael, pardon, Graf Eberhard von Württemberg: „Bei mir war das Pferd vor mir in der Familie. Ich bin da quasi so reingewachsen.“ Schon Michaels Vater war Turnierritter. Doch nicht nur Familientradition nimmt ihn in die Pflicht. Sein Wappen zeigt seine Rolle: Eberhard von Württemberg.

„Das setzt mich auch unter einen Erfolgsdruck. Weil der damals im Mittelalter ein sehr erfolgreicher Ritter auf dem Turnierfeld war.“

Die Ritter müssen also mit Pferden umgehen können. Denn Pferde sind Fluchttiere, die lieber ausweichen, als mit einem klappernden Blechmann mit einem drei Meter langem Spieß direkt auf einen genauso klappernden Gegner loszureiten. Gewichtmäßig kommt auch einiges auf die Tierchen zu. 35 Kilo wiegt das Stahlkleid. Schicht um Schicht müssen sich die Ritter bekleiden. Dabei bekommt jeder Hilfe von fünf Knappen.

60 000 Euro kostet so eine Rüstung. Das muss ein Verein erst einmal stemmen, denn die Landshuter brauchen ja mehrere. Sechs Rüstungen gibt es, aber neun Ritter. Denn es kommt immer wieder zu „Ausfällen“. Finanziert wird das ganze Spektakel mit Mitgliedsbeiträgen, und natürlich den Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Damit viele Leute kommen, ist ein spektakuläres Turnier gefragt. Das aber ebenso sicher sein muss. Lange haben die Landshuter an der Konstruktion der Lanzen getüftelt. Sie sollen die Ritter nicht verletzen, aber möglichst weit spreißeln. Da lässt sich der Verein kaum in die Karten schauen. Wie in Hollywood machen sie es aber nicht. Für den Film „Der letzte Ritter“ verwendeten die Macher z.B. getrocknete Spaghetti als Lanzenende. Über solche kulinarischen Tricks lacht man hier nur.

Vor Knochenbrüchen und Tiefstichen wollen sich die Ritter mit mittelalterlichem High-Tech schützen. Auch heute noch würde man die Rüstungen so bauen, allerdings wohl aus Kohlefaser. Aber das Geschübe, also der Teil der Rüstung um die Beine, der sich flexibel verschieben kann oder die Tatze, der eiserne Handschuh, der die Zügel hält, genauso wie damals Dazu gehören außerdem die Tartsche, eine Art Schild und natürlich der Helm. Durch den man nicht wirklich was sieht.

Der Tag des Turniers. 2500 Mitwirkende und 6000 Zuschauer warten gespannt. Wird Michael seiner Rolle als erfolgreicher Turnierkämpfer Eberhard gerecht?

Die Knappen bereiten die Pferde vor, die unter eine Vielzahl der Reittiere ausgewählt wurden. Die Ritter lockern sich auf und gehen in sich, gleich heißt es volle Konzentration. Der Turnierer muss die drei Meter lange Lanze mit seinem Körper steuern, das 800 Kilo schwere Pferd an der Bahn halten und das Ziel treffen, dabei sieht er fast nichts. Das alles für wenige Stunden Adrenalin alle vier Jahre.

„Dieser Sport, es heißt ja nicht umsonst die Formel 1 des Mittelalters, ist so aufwändig und so teuer, dass man ihn ohne die Landshuter Hochzeit gar nicht ausüben könnte. Zumal es auch ein Sport ist, wo du nicht nur auf ein Ziel zielst, sondern wo du dir selber bewusst bist, dass du selber auch Ziel bist.“

Letzte Vorbereitungen vor historischer Kulisse der Stadt Landshut. Ein Kränzchen von der geliebten Edeldame als Talisman.

Dann der Einzug aufs Feld der Ehre. Die Gefahr reitet mit. Zuerst müssen die Recken Fairness schwören. Das gebietet der ritterliche Anstand.

Und dann geht’s los. Wer die meisten Lanzen am Gegner bricht, gewinnt. Es geht nicht darum, den Gegner vom Pferd zu stoßen. Ein Ritter zerbricht seine Lanze am Helm des Gegners. Wenn da kein Helm gewesen wäre… Aber zum Glück ist nichts passiert.

Auch Michael trifft einmal, doch dann erwischt er den Gegner nicht richtig oder sein Pferd weicht aus. Wenn die wuchtigen Tiere keine Lust haben, ist auch ein Panzerreiter machtlos.

Der Ausritt, das Turnier ist vorbei. Die Anspannung fällt ab.

Graf Eberhard zieht Bilanz: Ich hab einen sauberen Stich gesetzt, dann hat mein Pferd nicht mehr so richtig wollen, aber ich bin hochzufrieden. Alle sind gesund abgestiegen. Den Pferden geht’s auch allen gut. Damit wars ein erfolgreiches Turnier. Schweißtreibend, aber erfolgreich.“

Ja, so warn’s , die oidn Rittersleut‘. Die Sicherheit ist den Recken das wichtigste, wenn sie mit Mut und Stahl den größten Sport des Mittelalters zum Leben erwecken.

 

Moooment, Mooooooment, einer fehlt noch! Und zwar der Hofnarr. Im richtigen Leben Stadtplaner, spielt Manfred den Hofnarren seit vielen Jahren. Sich zum Narren zu machen ist ihm nicht peinlich. Wieso auch? Er bringt die Leute zum Lachen. Und ist er nicht der Vorläufer dieser Gaudiburschen, die uns allabendlich im Fernsehen unterhalten? Damals waren die Hofnarren nicht nur Spaßmacher, sie konnten geschützt durch die Narrenkappe den Mächtigen die Wahrheit sagen. Ganz wichtig. Er macht mit beim Fest- und Tanzspiel und beim Ringlstechen. Die größte Schwierigkeit bei der Rolle scheint aber das Handling seines Reittieres zu sein. Eine Eselin, die den Vorstellungen eines störrischen Tieres alle Ehre macht. Mal steht sie still, dann stapft sie einfach so los, Hofnarr und Eselsführer haben alle Mühe, die Dame im Zaum zu halten. Eine Gelbe Rübe, als Leckerli gedacht, schmeckt ihr durchaus, ist aber kein Grund, Folge zu leisten. Bei der Aufführung kennt sie ihre Rolle dann doch. Stars müssen eben manchmal Diven sein.

Die Gruppen sind das, was die Landshuter Hochzeit trägt, was sie so faszinierend, abswechslungsreich und bunt macht. Unsere verführerische Wirtin Vera aus dem Mummenschanz treffen wir im Lager wieder. Sie bringt es auf den Punkt:

„De oawan alle ehrenamtlich. Koana kriagt a Geld, aber alle kriagn so vui zruck.“

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