Die Rocker

Sacha don Rodrigo Mendoza, James, Katryna die wallachische Nachtigall, Reinhard der tyrolische Leyrenkratzer und Stefan Gargantua Samson.  Fünf typische Niederbayern eben. Wo andere Gruppen das ehrenvolle, prächtige und ruhmreiche Mittelalter darstellen, sind sie die andere Seite. Joculatores, Spielleute, halb Gauner, halb Künstler, eine Mischung aus Heavy-Metaller, Comedians und Poeten – des Mittelalters eben. Ihre Texte haben sie angelehnt an die Monty Pythons – oder etwa von Francois Villon übernommen, eines mittelalterlichen Dichters, der durchaus deftig dichtete, bekannt vor allem „Ich bin verrückt nach deinem Erdbeermund“. Klaus Kinsky trat mit dessen Werken in den 70ern auf, und wurde als nicht mehr ganz dicht eingestuft. Ebenfalls kommen Werke des Mönchs von Salzburg auf die Bühne, der ein Bild seiner Zeit abliefert, in der es nicht nur die Vertikale der Dome und Burgen gab, sondern genauso die Horizontale.

Mächtig überstrahlt im dunklen Mittelalter

Mächtig überstrahlt im dunklen Mittelalter

Ort der Handlungen ist die Tavern in der Steckengasse, im alten Salzstadel. Ein uralter Bau mit seeeeehr viel Holz. Die Karten sind angeblich in 10 Minuten ausverkauft. Denn es gibt nicht nur Unterhaltung, sondern auch was zu essen. Gedön und Geschmaus, wie es dereinst genennet ward. Zunächst jedoch steigen die Joculatores launig ein, sie singen Lieder von fürchterlichen Schwiegermüttern, gehörnten Ehemännern, die dann ein furioses Trommelsolo hinlegen, von einem Mädchen, dass sich ihrem Liebhaber in einem Bett aus Rosen hingab (Sängerin Katryna entführt uns beeindruckend in ihre Welt aus Glück und Furcht, das „Tandaradei“ der Männer macht einen dann vollends platt) und von dem verarmten englischen Landadeligen, der eine Vorliebe für Frauenkleider entwickelt. Gespielt werden Fiedel, Schwegel, Landsknechttrommeln, Cister, Utz, Schäferpfeife und und und. Exotische Instrumente, klanglich zwischen Orlando di Lasso und ACDC einzuordnen.

Nach einer Parodie auf die zahlreichen Bläsergruppen der LaHo gibt es zunächst Brote mit Obazdem, Schnittlauchquark und Griebenfett, als zweiten Gang servieren die netten Bedienungen Schweiners und Hendls mit Speckkraut und Schuxn. Was es eben damals gab. In den Tonkrügen hält sich (farblich markiert) Weißwein, Rotwein, Wasser und wunderbares Bier kühl. Jeder darf soviel essen wie er will, selbiges gilt fürs Trinken. Zum Schluss gibt’s Schmarrn vom Kaiser mit Apfelmus. Doch die Joculatores singen weiter, zwei Zugaben machen sie noch. Die Vorletzte geht über die achso schlechten Zeiten, die letzte handelt von den Lästerzungen, die in gar grauslichem Saft schmoren sollen. Was das mit dem Essen zu tun hat?

Welch opulentes Mahl, pssend für runde Bäuchlein!

Welch opulentes Mahl, passend für runde Bäuchlein!

Die Musiker sind danach gelöst (davor herrscht bei manchem „immer“ Lampenfieber) und durchgeschwitzt, 2 Liter Wasser soll Sacha don Rodrigo usw.  pro Abend verlieren. Darum haben sie auch zwei Kostüme, bis das schwere Samt und Leder trocken ist. Aber sie haben der Landshuter Hochzeit, die von einigen bierernst (von vielen zum Glück auch bierselig) genommen wird, einen kleinen feinen Stachel eingepiekst. Dass das Mittelalter eben keine nur ehrenvolle und frömmelnde Zeit war, sondern eben genauso eine deftige und durstige. Nicht nur aufs Essen bezogen.

 

Mehr Musik? Mach Mummenschanz!

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