Heiße Jungs

Felix ist ein typischer Bayer. Er trinkt gerne Bier, schnabuliert umso gerner Obazdn und am gernsten spuckt er Feuer. Und das nicht politischerweise am Stammtisch, sondern echt. Etwas Dragonfluid in den Mund, und heraus kommt die feurige Pracht. Kein Wunder, dass er den Künstlernamen Hitzbart trägt. Willkommen bei der Gruppe der Jongleure und Feuerspucker. Die heizen auf der Landshuter Hochzeit richtig ein.

Diese Ansicht ist etwas irreführend, der höchste Backstein-Kirchturm der Welt wurde erst nach der Hochzeit fertiggestellt

Diese Ansicht ist etwas irreführend, der höchste Backstein-Kirchturm der Welt wurde erst nach der Hochzeit fertiggestellt. Kommst dir wohl groß vor mit deinen 130 Metern, was?

Auch mit dabei: Christian. Er wärmt sich derweil etwas mit Feuerschlucken auf. Christian kam über die Zirkus-Gruppe seiner Schule zur Landshuter Hochzeit und ist schon das vierte Mal mit dabei. Während er sich den brennenden Holzstock über den Arm zieht, fängt der auch leicht das Brennen an. Und sogar über die Zunge züngeln blaue Flammen. Es riecht hier zwar noch nicht nach Grillfleisch, aber gefährlich sieht das trotzdem aus. „Man sieht es immer wieder mal dass Verbrennungen da sind, aber das gehört irgendwie dazu. Du darfst dich nicht fürchten vor dem Feuer. Wenn du dich fürchtest, langst nicht gscheid hin und dann funktionierts  nicht.“

Vor Kurzem hat er sich den Daumen gebrochen. Fast hätte er nicht an dem Landshuter Großereignis teilnehmen können. Doch an dem Unfall sieht er nicht nur Negatives.„Man ist gezwungen, etwas Neues auszuprobieren und übt damit einfach auch immer andere Sachen. Und man lässt andere Leute vor, die dann mehr machen müssen als sonst. Von daher ist es gar nicht mal so schlecht gewesen.“

Wer mehr machen muss, ist sein Bruder Thomas. Er trainiert an den Fackelstangen. Die sind mit Lampenöl getränkt und brennen dementsprechend gut. Ihn treibt vor allem die Vorfreude an. „Am meisten freue ich mich auf das Umhertreiben von den ganzen Leuten, dass da so viele Landshuter in diesen Mittelaltergewändern durch die Gegend laufen. Dass die Stimmung so super ist. Dass jeder Landshuter a bisserl anders ist. Toleranter.“

Während die feurigen Männer flammend für Toleranz einstehen, trommelt auch einer dafür. Philipp liefert zu den Auftritten heiße Beats. Er hat vorher acht Jahre lang Schlagzeug gespielt. Ein Könner also. Dennoch muss er sich besonders auf das mittelalterliche Trommelspiel einstellen. „Wenn ich jetzt ganz normal zu Hause Schlagzeug spiele, spiel ich nach Ohren. Und hier spiel ich wirklich nach denen. Wenn die jetzt schneller jonglieren, muss ich schneller spielen, wenn Spannung aufgebaut wird, muss ich Spannung aufbauen.“

Spannung muss Philipp auch bei dem Trick aufbauen, für den sie ein dreiviertel Jahr trainiert haben. Auf den Schultern jonglieren. Thomas erklärt uns, woraufs ankommt: „Das Wichtige ist, dass der, der unten steht, wie ein Fels in der Brandung dasteht und sich nicht wirklich bewegt. Und der obere: Dass man gut auf den Schultern des anderen steht. Möglichst gerade, nicht umeinander wackeln. Was natürlich dann beim Jonglieren schwierig ist.“ Und schon lässt er die Fackel vor die Füße des unten stehenden Felix fallen. Bloß nicht nervös werden…

Am meisten muss aber der Feuerspucker aufpassen. Auf der Flasche des „Dragonfluids“ ist ein bunter Drache abgebildet. Da langt doch jedes Kind gleich hin. Doch darunter ist das wohl größte „X“ für gesundheitsschädlich aufgeklebt, dass man je gesehen hat. “Das ist schon sehr gefährlich das Mittel das man da spuckt. Das verklebt die Lungenbläschen. Das ist für den Mundraum gar nicht gut. Da muss man schon sehr kontrolliert sein, seinen Schluckreflex gut im Griff haben.”

Also Kinder, nicht zu Hause nachmachen! Felix spült den Mund zuerst mit Öl aus, damit möglichst wenig an die Schleimhäute kommt. Und nach dem Auftritt wird mit Wodka ausgegurgelt. Zum Desinfizieren. Noja, wenns hilft. Dennoch freut sich Felix der Hitzbart auf seine Auftritte. „Es ist schon ein gewaltiger Effekt, den du da mit deiner Lunge herkriegst. Das ist eine Hitze. Einfach aus dem Nichts heraus kommt da so ein Riesending. Das macht schon Spaß.“

Deftig ist das Mittelalter natürlich auch, etwa bei den Spielleuten, den Joculatores. Ihre Veranstaltung darf man nur Ü16 betreten.

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