Klein, fein, Passau

Druchaus ansehbar die Stadt

Eine schöne Aussicht…

Den Abend beginnen wir nach einem Flascherl Wein, a bisserl Vorbereitung darf schon sein. Immerhin war ich noch nie Passau, was mag da nur auf einen zukommen?? Unser erstes Ziel liegt östlich der Donau, der Hacklberger Biergarten. Der ist angeblich einer der zehn schönsten Deutschlands, schaumermal. Zunächst fällt das doch recht pompöse Äußere der Brauerei auf. Teilweise scheint das eher ein Schloss als eine Brauerei zu sein, eine Art Neobarock, ja früher waren halt die Industriebauten noch schöner. Die Einnahmen sollen dem Priesterseminar zu Gute kommen, da trinken wir doch gleich mal eines, um die Missionsarbeit beim wilden Bergvolk der Niederbayern zu unterstützen.

Eine so eine schöne Aussicht aber auch...

Eine so eine schöne Aussicht aber auch…

Aber erst einmal ein Platzerl finden. Das ist gar nicht mal so schwer. Der Biergarten ist groß und liegt unter hohen, schattigen Bäumen, sehr gemütlich. Wenn er auf einer Anhöhe läge, hätte man eine schöne Aussicht auf die Stadt, aber das ist schon das einzige, was wir zu kritisieren haben. Zuerst probieren wir das Helle. Schon recht gut. Dazu esse ich eine Portion doch sehr großer Ripperln (Selbstbedienung). Die Portion macht nicht nur satt und pappige Finger, sie mundet auch. Noch besser ist sogar der Kartoffelsalat, anders als in vielen anderen Biergärten besteht der nämlich nicht aus vorgekochten Kartoffeln, sondern scheint frisch gemacht, zumindest schmeckt er so. Eine Marke für sich ist auch die Bedienung, der Broadl. Der kennt jeden, und sollte er jemanden noch nicht kennen, dann lernt er ihn in Windeseile kennen, besonders die Damen. Ein stattliches Mannsbild in Krachlederhosen. Einheimische und zugewanderte Mademoiselles bestellen da gerne eine weitere Halbe. Wir tun das auch, allerdings aus Neugier, und zwar aus Bierneugier. Denn der Hacklberger hat auch ein Kellerbier im Angebot, das noch besser als das Helle mundet.

So, genug getrunken, weiterziehen! Wobei wir auch länger bleiben könnten, so manchem Hockenbleiber hat der Wirt schon den Ausschalter für die Lichterketten gezeigt, so eine spätabendliche Gemütlichkeit sollte man ja nicht unterbrechen. Sehr gut!

Das Kapfinger

Architektonische Schönheit kommt anscheinend auch dem Brauereihandwerk zu Gute

Architektonische Schönheit kommt anscheinend auch dem Brauereihandwerk zu Gute

Das nächste Ziel ist das Kapfinger Wohnheim. Party im Wohnheim? Skeptische Blicke auf den Bildschirm? Moment, Mooooment! Das Kapfinger (benannt nach dem Gründer der Passauer Neuen Presse) ist eine Institution in Passau. Denn das für diese Stadt ziemlich große Wohnheim verfügt über einen riesigen Partyraum. Gut, in den Zimmern möchte keiner wohnen, so versichern es uns alle Anwesenden, doch an diesem Tag ist im Partyraum High-Life. Wir waren an einem Dienstag da, und der Raum war ziemlich voll. „Heute ist hier wenig los, am Donnerstag sind doppelt so viele Leute hier,“ wird mit versichert. Noch mehr? Na sauber. Das Pils vom (Passauer) Löwenbräu ist recht ordentlich und kostet Studenten- und Menschenfreundliche 1,80. Später trinke ich noch einen okayen Gin Tonic für sagenhafte 2,50. So gehört sich das! Aber welche Kneipe soll dem Kapfinger denn Konkurrenz machen können, dieser Ort ist DER Treffpunkt nicht nur für Studenten, sondern für alle Junggebliebenen. Auch für Familienväter. Die halten sich an ihren Halben fest, ich fühle mich eher umschwirrt, der Raum ist voller hübscher Bayerinnen. Wen wunderts, dass der Broadl zu vorgerückter Stunde auch noch vorbeischaut, natürlich in seiner Lederhosen. So muss das sein. Man geht hin und weiß, da ist was los, da sind Leute die man kennt (wenn man ein einziges Mal vorher da war, ansonsten lernt man sich blitzschnell kennen), die Preise stimmen und die Musik ist auch nicht übel. Einziges Manko: Im Vorraum ist eine ziemlich steile Treppe, an die sollte man immer denken, wenn man etwas angeheitert mit den anderen Gästen diskutiert und dabei etwas vor- und zurückgeht.

Nun, irgendwann muss das Kapfinger schließen und alle dürfen gehen, wir auch, aber etwas später, schließlich unterhält man sich noch so gut mit den Bedienungen, die gleichzeitig die Wohnheim-Verantwortlichen für dieses Mekka sind.

Spätabends

Ob die Unschärfe des Bildes an der langen Belichtungszeit liegt oder am Bierpreis von 1,80?

Ob die Unschärfe des Bildes an der langen Belichtungszeit liegt oder am Bierpreis von 1,80?

So, wo geht’s nun hin? Tja, so nach halb vier wird’s da in Passau ganz schön schwierig. Wir steuern eine Tankstelle an und ich trinke einen Kaffee oder Espresso mit ca. sieben Doserln Kondensmilch. Irgendwas für den Magen braucht man ja, doch was den Bierhunger noch besser betreut, sind Rossknacker. Genau, die gibt’s in Passau nämlich hier an der Tankstelle! Richtig gute Knacker in einer etwas festen Haut, schmecken leicht würzig und weniger fett, kann man nur empfehlen!

Den Abend beenden wir dann bei Sonnenaufgang am Innufer, mein Kaffee hält dank der Kondensmilchinfusion a wengerl länger. Ein herrlicher Morgen ist das, was nicht nur am beeindruckenden Himmel, sondern auch an den Lokalitäten Passaus liegt! Man braucht nicht den allerbesten Insider-Club der Welt oder die hippste Bar diesseits von New York. Ein Biergarten, ein Studenten-Wohnheim und eine Tankstelle reichen schon. Weil die eben fleißig an ihrer Perfektion gearbeitet haben.

Der Heimweg durch die Stadt in der blauen Stunde zeigt, was für eine auch architektonisch reizvolle Stadt Passau doch ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

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