Sehenswürdigkeiten

Hier ein Gastbeitrag eines Bavaritas-Mitkämpfers:

Alter Kiosk Straubing

Stellen Sie sich einen alten Kiosk vor. Ein alleinstehendes Gebäude – nein, eher eine Bude, mit polygonalem Grundriss. Darin steht der nette, alte Zeitungsverkäufer, mit welchem man samstagmorgens beim Erwerb der aktuellen Presse einen Plausch hält. Es eilt ja nicht. Außerdem trifft man immer gute Bekannte. Aus einem kurzen Einkauf wird ein – nicht ungewolltes – angenehmes Treffen. In Anbetracht dieser Tatsache ist die Samstagszeitung bloßes Mittel zum Zweck. Aber gerade aus jenem Grund sind solche Einrichtungen noch vielen Menschen gut in Erinnerung. Heute fehlt diese wohlige Atmosphäre beim Einkauf im Supermarkt, bei dem man das Tagblatt einfach hinter die tiefgefrorenen Hähnchen aufs Band legt. Daran verschwendet der Besucher eines oft inmitten eines Marktplatzes gelegenen Kiosks keinen Gedanken. Das Hauptgeschäft bildet der Verkauf von Tabak – und davon scheint der typische Verkäufer in solch einem kleinen Laden selbst Hauptabnehmer zu sein. Mit rauchiger Stimme bietet er die aktuelle Boulevardpresse feil, nicht ohne zu jeder Schlagzeile seine persönliche Meinung abzugeben. Urgemütlich, oder?

Der Kaffeekiosk liegt gegenüber dieses Turmes

Der Kaffeekiosk liegt gegenüber dieses Turmes

Nun stellen Sie sich eine solche Kioskatmosphäre vor – nur ohne Zeitungs- und Tabakwaren. Sondern als Café. Genau diesen Gedankengang hatten wohl die Betreiber des Alten Kiosk in Straubing, als sie jene Geschäftsidee verfolgten. Man soll sich gewollt oder zufällig zu einem gemütlichen Plausch treffen und dabei den vorzüglichen Espresso genießen. Dieser wird vor den Augen der Passanten mithilfe eines professionellen Siebträgers zubereitet. In den Sommermonaten sind fast alle Seiten des Vielecks offen – Anstehen entfällt so meistens. Im Winter muss man sich jedoch mit einem offenen Fenster begnügen, was verständlicherweise dem Halten der Innentemperatur geschuldet ist. Zeitweise arbeiten zwei Personen auf engstem Raum, um alle Kundenwünsche zu erfüllen. Ohne die nötige Harmonie nützt hier auch die größtmögliche Professionalität nichts mehr. Das Geschirr wird per Wagen angeliefert und weggebracht, da der Platz für eine Spülmaschine fehlt (von der logistischen Problematik des Zu- und Abwassers einmal abgesehen). An den Ecken des Polygons sind kleine Tischchen angebracht, auf welchen man sein Getränk abstellen kann. Diese Plätze sind schnell mit kleinen, sich eifrig unterhaltenden oder gediegen fachsimpelnden Gruppen besetzt, welche sich aus den unterschiedlichsten Personen zusammensetzen. Junge Leute sowie ältere Damen und Herren mischen sich unter die meist dreißig- bis vierzigjährige Kundschaft, die aus allen vorstellbaren Schichten kommt. Angesichts der sich angenehm unterhaltenden homogenen Masse ist von diesen Unterschieden nichts zu spüren. Somit ist der Alte Kiosk Treffpunkt für Menschen ohne Standesdünkel – und das ist leider selten geworden.

Im Winter wird man wohl eher den schnellen Espresso für 1,10 Euro bestellen. Dieser ist geschmacklich sehr gut und kann mit bereitstehendem Zucker nach Belieben gesüßt werden. Auch wenn sich diese Form des Cafés vor allem für einen flotten Kaffee zwischen zwei Terminen eignet, lädt doch die, durch viele Gäste entstehende, Geselligkeit zum Bleiben ein. Und genau das ist es doch, was wir an einem guten, alten Kiosk lieben.

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