Bob Beaman oder eine Reise in die 80er

Im Bob Beaman herrscht meist ein roter Farbton vor

Im Bob Beaman herrscht meist ein roter Farbton vor

Der Abend beginnt mit dem Vorglühen, mit was sonst. Das nutzen wir dazu, herauszufinden, wo überhaupt das Bob Beaman ist und wie man da am besten hinkommt. Irgendwann lautet der Beschluss: Mit der Tram. Wir steigen ein und fahren durch das nächtliche Schwabing in die Maxvorstadt. Ja, das schöne München. Bei den Pinakotheken raus und erstmal im Unklaren, wo es weitergeht. Zum Glück reicht die Weghalbe noch aus. Auf einmal wird die Gegend steriler, wir stehen am Oskar-Miller-Ring.

Und sind gleich da. Wie kriegt man nun das übrige Bier weg? Zum Glück kommen zwei junge Studentinnen des Wegs, schon etwas sehr schlingernd. Sie nehmen sich des Problems an. 10 Euro Eintritt gezahlt und reingegangen. Da treffen wir auch schon die Studentinnen wieder.  Die größere Blonde studiert Theologie, evangelische, die kleinere ist zum Glück katholisch. Das Gespräch entwickelt sich ganz gut, denn noch ist die Musik nicht so laut. Allerdings meinen die Damen dann, sie hätten kein Geld mit und schauen uns fragend an. Ja, soweit kommts noch dass wir da jemanden den ganzen Abend getränkemäßig durchfüttern.

Denn das wäre in diesem Club nicht gerade billig. Ein Wodka Bull kostet 9 Euro. Allerdings nicht mit Red Bull sondern einem K1X genannten Energydrink. Der K1X schmeckt nicht besonders, wie soll man das denn überhaupt aussprechen? Kaeinsix? Käioanex? So ein Schmarrn. Als Wodka gibt’s Russian Parlament, naja. Ansonsten stehen hinter dem Tresen Rum, Gin und Jägermeister. Sehr übersichtlich. Irgendwann und nur für 2 Minuten taucht im gesamten Club eine Getränkekarte auf. Minifuzziwinzigklein geschrieben, es ist ja nicht so, dass die Beleuchtung schummrig wäre. Natürlich ist sie das. Jedenfalls hätte man auf der Karte auch 20 Schriftgrößen größer schreiben können, so viel steht jedenfalls nicht drauf. Wir bestellen ein Bier und zahlen vier Euro für ein 0,3 Tegernsee Hell. Je nu, das schmeckt so, dass ich daraufhin nur noch Wasser trinke. Wir überlegen uns noch, ob wir kurz auf einen Espresso woanders hinschauen, bleiben aber doch. Die Jacken abgegeben (2 Euro Garderobe) und ein schickes Zündhölzelschachterl mitgenommen. Wieder hinein, mittlerweile ist es doch recht voll geworden, auch die Musik ist lauter.

Die Decke ist teilweise abgehängt, große drei- und viereckige, meist rote Lichter bilden dort verschiedene Muster. Tatsächlich soll der Innenraum komplett auf die Akustik ausgerichtet sein, angeblich ist das Bob Beaman von diesem Gesichtspunkt her weltweit ganz vorne mitspielen. Das DJ Pult ist, so wird kolportiert, ein massiver Betonblock, um die Schallschwingungen fern zu halten. Die Wände sind in schwarz gehalten, alles wirkt ziemlich 80er-Industrial-mäßig. Die Anwesenden lassen einen noch mehr in den 80ern fühlen. Fast alle tragen Hemd, manche sogar noch mit einem Pullover drüber und zugeknöpft bis obenhin. Ein braver Scheitel oder eine Tolle und natürlich Röhrenhosen. Man möchte glauben, die Popper kehren wieder, diese Hamburger Gymnasiasten der frühen 80er, die sich vor allem durch Marken-Konsum definierten. Ein Junge trägt einen Hut und eine Weste und erinnert stark an Josef Beuys. Dazu noch ein paar Afrikaner in stylischen Klamotten, wie am Set eines Fassbinder-Films.

Aufbau

Nun, die Getränke machen also nix her, das Publikum ist eher jung und modisch eher streng. Dann muss die Musik doch was Wildes rausreißen. Na, ein bisserl. Aber auch erst recht spät. Mr. G und Thomas Herb sollen auflegen, die sieht man aber kaum. Stattdessen legen abwechselnd ein DJ mit schwarzer Brille, Typ selbstgerechter Hipsterschnösel auf, der im Club als einziger zu seiner Musik abgeht. Die ist eher loungeartig, richtig krachen tut sie aber nicht. Krachen tun stattdessen die Ohren, die Pegel bewegen sich zwischen 98 und 114 db. Ich habe Filter drin, trotzdem am nächsten Tag noch Druck im Gehör. Meine filter- und stöpsellosen Kollegen jammern noch mehr. Vom Bass flattert sogar die Hose. Das schlimmste am DJ ist aber, dass er raucht. Und zwar im Club und so das Rauchverbot untergräbt. Bald haben einige auf der Tanzfläche die Fluppe drin und machen das Atmen schwer. Außerdem muss ich immer aufpassen, dass sie mir kein Brandloch in die Kleidung oder in die Haut brutzeln. Verkrachte Existenzen und traurige Gestalten sind das, aber ich will den Leser nicht mit wissenschaftlichen Fakten langweilen.

Nach DJ Schnösowitsch legt ein voluminöserer Mann auf, so ab 150 Kilo aufwärts. Der hat viel Rhythmus im Bauch und da schwingt man dann schon leichter das Tanzbein. Weil das Frauen/Männerverhältnis 1 zu 10 ist, wende ich mich meinem Tanz-Workout zu, das so lange funktioniert, wie DJ Buddha am Plattenteller steht. Die Krönung dieses 80er-Jahre Abends ist schließlich ein düsterer, harter, in die Länge gezogener Remix von Major Tom. Hatte ich schon erwähnt, dass mir alles etwas 80er-Jahre mäßig vorkommt?

Ausklang

Irgendwann um 5 purzelt die operierte Botox-Fraktion herein, ein leichter Schauer überfällt einen. Die Studentinnen des Anfangs sind mittlerweile bei den dritten oder vierten Gesprächspartnern des Abends angelangt. Anscheinend haben sie diesmal Glück, die Herren dürfen sie mehrfach von der Tanzfläche zur Bar und wieder zurück begleiten.

Gegen sechs verlassen wir das Bob Beaman, es hungert. Also Taxi genommen und zum Stachus gefahren. Warum gibt es um diese Uhrzeit keinen vernünftigen Burger- oder Bratwurstladen? Wir müssen also ins Mac und stopfen dort übergroße Fettburger in uns rein. Am Nebentisch versuchen zwei Mittvierzigerinnen, vier Männer vom anderen Ufer zu sich rüberzuziehen, was ihnen aber nicht gelingt.

Zurück geht’s mit der Tram. Ein Mann, vermutlich Student oder Künstler, erklärt uns noch, was wir tun sollen, wenn wir beim Schwarzfahren erwischt werden. Aha. Ich zumindest habe ja meine Streifenkarte brav gelöst. Endlich fallen wir ins Bett und werden wenige Stunden später durch die Vorstellung von Schweinebraten aus dem Bett getrieben. Besonders hungrig sind wir nach den Burgern ja nicht, aber was solls. Wir fahren ins Café Schwabing, doch da gibt’s keinen Schweinsbraten. Keinen Schweinsbraten!!! Wir essen dann eben Schweinenackensteak mit Bratkartoffeln, net schlecht und trinken alles zwischen Mangoschorle und Spezi. Und hier sitzen dann durchaus einige sehr hübsche Damen, allerdings von uns getrennt durch mehrere Meter Entfernung, die Unwilligkeit aufzustehen und die anarchische Kreativität des Nullniveaus, ausgelöst durch Schlafmangel. Und das sollen die Madames bloß nicht mitkriegen! Ja, hier beim Mittagessen ist der menschliche Geist seiner Fesseln befreit und springt zwischen Decke und Boden hin und her. Insofern war der Besuch im Bob Beaman doch nicht schlecht, weil er uns ein gar lustiges Mittagessen bescheret hat.

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