Die Biertracht

Gottfried und Andreas an ihrer betagten Stanzmaschine

Gottfried und Andreas an ihrer betagten Stanzmaschine

Brezn, Weißwürscht und ein paar Mass, um das Ganze runterzuspülen. Morgens, halb zehn in Bayern. Aber schon nach den ersten Schlucken stellt sich die Frage: Wem gehört welches Bier?

Ob am Oktoberfest oder irgendwo anders, wo man „nur mal schnell“ Tanzen, Essen Holen oder Pieseln war: Man kommt zum Tisch zurück und jetzt hält irgendjemand anderes seine “Fettfotzn” (Günter Grünwald) in die eigene Mass. Oder zumindest in die, von der man gedacht hatte, dass es einmal die seine war. Die Verwirrung ist groß, der Frühschoppen ruiniert.

Eine Situation, wie sie täglich tausende Male in Bayern geschieht. Und niemand hilft. Niemand? Zwei oberbayerische Tüftler haben die Lösung! Die Biertracht. Namens Mei Bier.

Arbeitsplatz ist ein altes Pumpenhaus der Saline zwischen Bad Reichenhall und Rosenheim

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Damit liegen sie voll im Trend. Vom Surfbrett bis zum T-Shirt, alles was jung und hipp ist, wird personalisiert. Folglich auch der Masskrug. Und zwar Lederhosen-Style! Awesome Oida! Die Biertracht bringt die beiden Dinge zusammen, die dem Bayern am Liebsten sind: Die Freude am Trinken und die Freude, sein Eigentum abzugrenzen.

Grundlage ist Hirschleder, wie bei der originalen Lederhose auch. Das ist robust und gleichzeitig geschmeidig und kommt aus der Region. Mit einer alten Stanzmaschine stanzen sie die Form der Masskrugtracht aus.

Sechs komplette Hirschleder brauchten Gottfried Garnreiter und sein Freund Andreas Hareter, bis sie das Produkt perfekt hatten. Den Tierschützern sei gesagt: Hirschleder wird meistens weggeworfen, die Leute essen mehr Hirsch als sie Lederhosen tragen. Außerdem kommt das Hirschleder aus der Region, doppelt nachhaltig.

Retro-Stickmaschine

Stich für Stich vernäht Gottfried das Hirsch- auf Kunstleder

Stich für Stich vernäht Gottfried das Hirsch- auf Kunstleder

Eine gebrauchte Stickmaschine nimmt den Trachtentüftlern einige Arbeit ab, immerhin braucht ein Logo rund 2000 Stiche.

“Theoretisch kann man alles aufsticken. Man kann Namen, man kann Logos raufsticken. Wichtig ist uns, dass es schön ausschaut, weil wenn es nicht schön ausschaut auf unserem Produkt, dann machen wir es nicht, “ meint Gottfried Garnreiter. Die Stickmaschine haben sie von eBay gekauft, neu könnte man sich sowas nicht leisten. Die Infos bekommt die Maschine, die neben englisch auch auf japanisch beschriftet (Takeo Ischi lässt grüßen) ist, von einer 3,5 Zoll Diskette. Spätestens jetzt sollten alle Hipster überzeugt sein.

Die Bierflaschentracht ist die neueste Entwicklung

Die Bierflaschentracht ist die neueste Entwicklung

Für den besseren Halt am Glas näht Gottfried das Hirschleder auf Kunstleder auf. Dadurch behält die Tracht ihre Form und verrutscht nicht, wenn der Masskrug einmal überläuft. Das Nähen kann er schön seit früher Jugend. Seine Mutter wollte ihm nämlich keine Aufnäher auf seine Westen draufnähen. Darum lernte er es selbst. Anschließend schneidet seine Freundin Peggy die Rohlinge in Form.

“Meine Männer, was haben sie sich eigentlich dabei ausgedacht, hab ich mir gedacht. Aber es ist eigentlich eine geniale Idee. Der Gottfried und ich hatten eigentlich immer so einen kleinen Lebenstraum hatten und da haben wir uns gedacht: Wenn wir nicht damit eine Million verdienen, mit was dann?” Ok, der Millionentraum ist eigentlich ein richtiger Urlaub räumt sie ein. Aber die Begeisterung für die Biertracht bringt die aus Berlin stammenden Wahlbayerin ziemlich überzeugend rüber.

Andreas Hareter darf auch noch einen Teil an der Millionenidee arbeiten. Er verpasst den Trachten noch einen Klettverschluss, damit man das Leiberl vor dem Waschen auch abnehmen kann. Allerdings gibt er zu, dass das Handwerkliche weniger sein Metier ist. Gottfried und Andreas hoffen, die nächsten Jahre noch unbehelligt von China-Plagiaten werkeln zu können. Das Geschmacksmuster haben sie sich schon patentieren lassen. “Ich glaube, dass wir ein bayerisches Produkt haben, und dass wir das als Bayern am besten vertreten, verkaufen und herstellen können. Ich glaube, dass wir das glaubwürdig rüberbringen können.” Bei dem Produkt Made in China sei das wohl weniger der Fall.

Flirten leicht gemacht

Die Biertracht gibts in acht Farben, mit der Aufschrift Mei Bier kostet sie für den Masskrug 27,90, mit dem eigenen Namen 29,90. Seit September ist die Biertracht auf dem Markt, seitdem haben sie rund 500 Stück an den Krug gebracht.

Neben Schlüsselanhängern haben sie nun seit Neuestem den Besitzanzeiger für Bierflaschen. Meiner Meinung nach noch wichtiger als die Tracht für den Krug. Denn wie oft hat man schon auf Grillfesten o.ä. Seine Flasche irgendwohin gestellt, und keine zwei Sekunden stehen im Umkreis von 3 Millimetern 27 ähnlich volle Flaschen daneben? Ständig.

Bevor die beiden Tüftler auf die Idee mit dem personalisierten Bierkrug kamen, mussten sie erst einmal auf den Hund kommen. Vorbild für alles war ein selbst designtes Trachten-Hundegeschirr.

Hübsche Masskrug-Trachten für hübsche Mädels

Hübsche Masskrug-Trachten für hübsche Inhalte (und natürlich umso hübschere Mädels!)

Vom Hund ins Wirtshaus! Wie kommt die Biertracht am Biertisch an? Der Freundeskreis durfte die Prototypen ausprobieren und ist begeistert. Kathrin und Michaela bekamen ihre beiden Exemplare gerade rechtzeitig zum Oktoberfest: “Wir haben es bei der Wiesn dabei gehabt, auf der Bierbank war es schon sehr praktisch.” Ein Freund mite in paar Jährchen mehr hat die Bierkrug namens Unikat: “Am Herbstfest is natürlich ideal. Weil wennst einmal pieseln gehst, findest du deinen Masskrug nimmer. Und so weiß man genau, wer einem gehört und was einem gehört.” Und die zwei Mädels fügen noch hinzu, dass die Kontaktaufnahme auf der Bierbank dank des Hinguckers und des Namens deutlich schneller geht.

Also nicht nur Eigentumsschutz, sondern auch noch Flirthilfe. Das Bayernland ist gerettet!

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