Ein Heim für Studenten

Wer jung ist oder zumindest im Dunkeln so aussieht, dem empfehle ich die Studentenstadt. Leicht mit der U6 zu erreichen. Und man kann da auch noch das Auto abstellen.

In den Kellern der großen Wohntürme sind studentische Kneipen untergebracht. Diese sollten eigentlich nur von Bewohnern besucht werden, oder von ihren Gästen. Wir sind Gäste. Gäste des Hauses. Weil… wir hier einkehren. Ende der Diskussion.

Hoch hinaus

Im orangen Haus das Potschamperl, im grünen das Manhattan, und dazwischen die TriBühne. Am spektakulärsten ist sicherlich das Manhattan. Wir fahren im grünen Haus mit dem Aufzug nach ganz oben. Dort ist eine große Dachterrasse mit dem wohl besten Ausblick Münchens. Rechts liegt die Allianzarena, links die Münchner Innenstadt und natürlich bei gutem Wetter Alpenpanorama.

Cocktails und Bier muss man sich noch ein Stockwerk weiter oben holen, genauso wie das Essen. Die Cocktails fangen schon unter vier Euro an, unglaublich günstig. Das Essen ist genauso preiswert. Okay, geschmacklich ist durchaus Luft nach oben, obwohl man so hoch raufgefahren ist. Aber ich habe schon zu deutlich teureren Preisen schlechter gegessen und getrunken. Die Gäste sind durchweg im studentischen Alter und äußerst gutmütig.

Danach schauen wir kurz in der TriBühne vorbei, hier ist das Publikum gemischt. Es gibt zusätzlich zum normalen Menü jeden Abend ein günstiges Tagesessen, das durchaus dem Körper Energie zuführen kann. Das Bier (Fischer- und Bürger-Bräu) mundet.

Im Sommer sind um die anderen Studentenhäuser launige Sommerfeste. Wir setzen uns dazu, und laden eine kolumbianische Jura-Studentin mit auf das Fest ein. Wobei wir wohlgemerkt keinen einzigen der Gastgeber oder Gäste kennen. Aber dafür gehen wir am nächsten Tag mit der Kolumbianerin in die Neue Pinakothek. Kulturaustausch und so. Wir lernen von ihr einiges über Monet.

Bier im Nachttopf

Noch einmal ums Eck, runter in den Keller, ins Potschamperl. Der Name kommt vom pot de chambre, dem Nachttopf. Neben diesem Namen grinst uns die Figur eines Koches an. Oh, oh, wo kommt das Essen denn her? Wurscht. Die Baguettes sind hier die Empfehlung der Küche. Das Bier kostet 1,80 Euro und ist mannigfaltig, die Einkäufer haben viele kleine und gute Brauereien des Münchner Umlandes besucht und was Leckeres mitgebracht. Daneben gibt es auch einige Mischgetränke, von denen man tunlichst die Finger lassen sollte. Eine Dame mit einigen Spaniern o.ä. im Gepäck will uns dazu überreden, eine Irish Car Bomb mitzutrinken. Das ist ein Getränk aus Guinness, Whiskey und Baileys. Wer darauf steht, dass der Inhalt des Glases ausflockt, genauso wie anschließend der Mageninhalt, der kann zugreifen. Wir sind aber schlauer, und lassen uns gern der Weicheierei bezichtigen. Trotzdem prostet uns die Dame, deren Gesichtsfarbe immer bleicher wird, im Laufe des Abends immer noch freundlich zu.

Zwei Kicker stehen im Raum. Daran kann man sich gerne wagen. Die Spieler sind teilweise Anfänger, mit denen man sich leicht messen kann. Teilweise aber auch bajuvarische Urviecher, die wohl in Weihenstephan Brauereiwesen studieren und auf einem Kickertisch geboren wurden.

Die Beleuchtung ist recht schummrig, an den Wänden hängen schwarz-weiß Bilder von Prominenten, von Fassbinder bis Bonhoeffer. Hier kann der Abend beginnen und enden.

Ein Kumpel wird von einer hübschen Dame angesprochen, sie gingen jetzt hier noch auf eine Geburtstagsfeier. Ob wir nicht mitkommen wollten? Natürlich. Leider gehen die Damen ein paar Minuten vor uns, wir finden sie nicht wieder. Doch aus einem anderen Haus höre ich Musik, die Tür ist offen. Unten im Keller ist ein Partyraum. Doch anstatt der Mädels begrüßt uns ein Froschkönig.

Wie im Märchen

Es ist eine Geburtstagsfeier. Natürlich mit dem Motto Märchen. „Quak, quak, habts ihr einen Schlüssel? Wohnts ihr hier? Quak, quak.“ Der Hinweis, dass wir alle Gäste dieser Erde sind, zieht bei Lurchi Lurch nicht. Glücklicherweise kennt einer unserer Begleiter durch Zufall einen Partygast. Außerdem unterhalten wir uns sehr gut mit einer properen Madame, die uns sogleich für die Feier adoptieren will. Der Herrscher aller Amphibien hüpft hinter die Bar und beginnt Cocktails zu machen. Ein Freund ist ganz angetan vom Long Island Ice Tea, der ihm aber am nächsten Tag gar nicht gut bekommt. Ich unterhalte mich derweilen mit einer Studentin und Salsa-Lehrerin. Die verschwindet dann für einige Zeit auf der Toilette, sie hat anscheinend auch etwas vom Eistee genascht. Aber lässt sich bei der weiteren Unterhaltung nichts anmerken.

Irgendwann wackeln wir dannen. In der Gewissheit, hier die größte Anzahl authentischer und freundlicher junger Menschen getroffen zu haben, die München auf einem Fleck zu bieten hat.

Fazit: Für jeden Studenten zu empfehlen und für Leute, die genauso viel Geld haben. Oder diese Menschen einfach mögen.

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