Ein Stück Rhein in Bayern

Die Karte der bayerischen Rheinpfalz.

Die Karte der bayerischen Rheinpfalz.

Bayern hatte einst, wie mancher weiß, eine Grenze mit Frankreich. Im 30-jährigen Krieg kam die Kurpfalz zu Bayern. Das waren die Obere (heute die Oberpfalz) und die Untere Pfalz, damals auch Mannheim und Heidelberg. Im Laufe der Zeiten änderten sich die Gebiete etwas, die beiden genannten Städte fielen weg, Hauptstadt des Gebiets mit zahlreichen Eigenrechten wurde Speyer. Oggersheim gehörte übrigens auch dazu, wenn die Geschichte etwas anders verlaufen wäre, dann wäre mit Helmut Kohl tatsächlich ein Bayer Kanzler geworden. Nach dem 2. Weltkrieg besetzten die Franzosen das Gebiet, Rheinland-Pfalz entstand, eine Volksabstimmung in den 50ern für die Rückkehr zu Bayern scheiterte. Heute könnte sich wohl mancher Pfälzer bei dieser Entscheidung ans Hirn langen. Seitdem gibt es nur noch wenig, was an die jahrhundertelange Verbindung der Pfalz am Rhein mit Bayern erinnert. Da hätten wir einmal das Bistum Speyer, das kirchenrechtlich noch zur Kirchenprovinz des Erzbistums Bamberg gehört. So tut man sich heute wieder in der Priesterausbildung zusammen. Der alte Wandteppich im Maximilianeum zeigt die acht Wappen der Regierungsbezirks-Hauptstädte, darunter eben auch noch Speyer. Und dann gibt es in München, direkt am Odeonsplatz, in bester Lage, weil in der Residenz, die Pfälzer Weinstube.

Ein Relikt? Nun, wenn man sich die historisch-bombastischen Säulen und die Inneneinrichtung ansieht, schon a weng. Auch dass wir etliche Jahrzehnte unter dem Altersdurchschnitt der anderen Gäste sind könnte darauf hinweisen.

Allerdings ist dieses Relikt gut besucht, und in den oberen Stockwerken finden wir sogar jüngere Menschen, die auch schon auf den Geschmack gekommen sind.

Hier trinkt man Wein, und zwar keinen österreichischen, der ja schon seit langem als grausige mineralisch-staubtrockene Seuche meist in Gestalt einen Grünen Veltliners Münchens Lokalitäten versauert, sondern natürlich Wein aus der Pfalz. Wir verkosten, damit wir so viel wie möglich einigermaßen nüchtern testen können, nur 0,1 Liter. Und das bekommen wir in ganz putzigen Gläschen serviert, schön. Der Müller-Thurgau ist so lala, der Morio-Muskat dagegen duftet nach Rosen und schmeckt frisch und lieblich. Ein ziemlicher Hammer, auch was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, ist der Muskateller, der geht runter wie Öl. Sehr gutes Öl. Akzeptabel ist der Rosé. Sehr löblich finden wir die überaus fairen Preise. Und wenn man die Weine draußen trinken will, etwa an der Feldherrenhalle oder am Königplatz, dann bekommt man die Flaschenweine für die Hälfte mit. So erzieht man die Outdoor-Müncher zu einem guten Weingeschmack! Davon ausgenommen sind die Raritäten, das sind ganz besonders kostbare Weine, deren Restzuckergehalt durch die Decke gehen kann und jeden Diabetiker in gefährliche Ekstase versetzen dürfte. Besonders nett auch der Hinweis, dass Tafelweine „aus Prinzip“ nicht angeboten werden.

Im Angebot ist an diesem Tag die Scholle Finkenwerder Art, sie schmeckt dem Kollegen ganz gut, aber ein Highlight ist sie nicht.

Davon werden Pfälzer glücklich.

Davon werden Pfälzer glücklich.

Ich bestelle die Pfälzer Dreifaltigkeit: Das ist Pfälzer Saumagen, Leberknödel und grobe Bratwurst. Die Bratwurst ist OK, aber keine Offenbarung. Wie mag der Pfälzer Saumagen sein? Als Helmut Kohls Leibgericht war er neben Mercedes Benz, Löwenbräu und Hugo Boss ein Symbol für das wirtschaftlich starke Westdeutschland. Margret Thatcher soll er ja gar nicht gemundet haben. Der Saumagen ist mit Schweinebrät, Kartoffeln und Gewürzen gefüllt und schmeckt recht gut (In der Zwischenzeit habe ich einen im Rheinland in einem gehobenen Restaurant probiert, der in München war besser – und günstiger). Der Leberknödel kommt wie die beiden anderen Speisen auf dem passt schon Sauerkraut daher, ganz ohne Suppe. Er schmeckt würzig, wie echter Leberkäse. Dabei ist noch ein geriebener Meerrettich, da zieht’s einem alles zusammen, der ist schon ordentlich scharf.

Fazit: Wer Wein mag, der sollte hier unbedingt reinschauen. Wer vernünftige Preise mag, auch. Wer sich für bayerische Geschichte abseits der Theresienwiese interessiert, herzlich Willkommen!

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