Maxvorstädtische Exotik

München war schon immer ein Anziehungspunkt für Menschen aus aller Herren Länder, im 18. Jahrhundert kamen die Italiener, im 19. die Franzosen, im 20. die Preissn. Und heute labt sich die ganze Welt an bayerischer Gemütlichkeit und bringt ihre Spezereien mit. Wir haben uns einmal in Maxvorstadt und der näheren Umgebung umgesehen.

Hans im Glück?

Etwas dunkel, aber laut. Und man sieht den Burger vor lauter Birken nicht.

Etwas dunkel, aber laut. Und man sieht den Burger vor lauter Birken nicht.

Zuerst der oder das  Hans im Glück. Ein guter Name, der an deutsche Märchen, also auch an deutsche traditionelle Wertarbeit, eine schöne Kindheit und und und erinnern soll. Darum gibt es hier wohl auch Burger. Eisbein is aus.

Zuallererst sei gesagt: Reservierung ist dringend erforderlich. An einem Montag versammeln sich hier alle coolen Maxvorstädter und Schwabinger, und das sind nicht wenige.

Für das Interieur wurde offensichtlich ein Birkenwald gefällt, sieht aber ganz gut aus. Leider ist es auch etwas laut drinnen. Draußen sitzen zwei Raucher, allein und verlassen. Die Toiletten sollen laut Zeugenaussage etwas knapp bemessen sein, was ihre Quantität im Verhältnis zu den Gästen angeht.

Doch halt, da versteckt er sich.

Doch halt, da versteckt er sich.

Die Speisekarte ist aus festem Karton, erinnert an die Kinderbücher, die die Kleinen bekommen. Durch das ganze Buch ziehen sich biedermeierliche Zeichnungen aus der Geschichte von Hans im Glück. Ein Vorwort fasst das Fazit des Märchens zusammen: „Am Ende steht Hans mittellos da, trotzdem empfindet er pures Glück.“ Soll das das Motto des Restaurants sein? Ein Burger mit Heumilchkäse kostet 6,90, mit Grillsauce und Röstzwiebeln 7,80. Allerdings steht die Grillsauce schon auf dem Tisch, wir bleiben bei der günstigeren Variante. Ansonsten gibt’s natürlich Burgerarten in Hülle und Fülle, etwa mit Ziegenkäse und Feigensauce, mit Speck, und und und. Ein Beilagensalat kostet 3,50, Beilagenpommes 3,30. Die Halbe Bier 3,50. Heute gibt’s das Menu, d.h. man zahlt den Burgerpreis plus 7,50 und bekommt dafür einen Salat oder Pommes und einen Cocktail. Wenn man also nur ein Bier trinken würde käme man billiger davon, aber der Wiesenkräuter-Mojito weckt durchaus Interesse. Und der würde regulär 7,80 kosten. Tatsächlich sparen wir uns also Geld und dieser Wiesenkräuter-Mojito ist wohl der beste, den ich je probiert habe.

Was leisten nun die Burger? Die kommen auf einem recht schönen Teller, in einer Schale daneben der Salat. Nun, der Burger ist nicht schlecht, aber auch keine Weltsensation, den Heumilchkäse schmecke ich nicht besonders raus. Das Brot ist aus Sauerteig, ansonsten hätte man noch Vollkorn zur Auswahl. Die Grillsauce ist ordentlich, die orange Honig-irgendwas Sauce, hmmm, passt nicht zu diesem Burger.

Am Ende des Burgers ist noch etwas Hunger da, zum Glück ist noch der wirklich sehr gute Salat zum Verputzen. Danach sind wir gesättigt.

Fazit: Das Lokal sollte nicht mit den Burgern, sondern mit den Mojitos werben!

Good Morning Vietnam

Ja, das könnte früher mal eine echt originale Boazn gewesen sein.

Ja, das könnte früher mal eine echt originale Boazn gewesen sein.

Das Ha Noi ist ein echter Geheimtipp, da jeder Mensch, der es nicht kennt, wohl vorbeigehen würde. Zugegeben: Die Front sieht nicht gerade einladend aus. Und dennoch bekommt man hier ausgezeichnetes vietnamesisches Essen, das so ziemlich jedes mir bekannte Asia-Restaurant in die Schranken verweist. Drinnen ist nicht allzuviel Platz, dafür sitzen auch an sonnigen Tagen im Winter die Gäste draußen an ein paar Biertischen. Im Fenster stehen Tetrapacks mit Kokosmilch, ein Thailand-Reisender meint, dass diese Marke von den Thais drüben bevorzugt wird. Ja dann…

Schmeckt leicht und bekömmlich.

Schmeckt leicht und bekömmlich.

Ich bestelle eine Suppe. „Und ein Bier“ ergänzt der Ober. Nein, nur Suppe. Nix zum Trinken. Der Kellner guckt etwas befremdet, akzeptiert meine Wahl aber. Besonders die Suppen mit Nudeln und Fleisch machen satt, aber nicht platt. Unten schwimmen gehörig viel Reisnudeln rum, um die in den Mund zu befördern, sollte man zumindest die Grundlagen des Stäbchenessens kennen.  Weil allein mit dem Löffel geht das nicht. Ein Limonenschnitzer liegt neben dem Suppenteller, zum Nachwürzen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist in jedem Fall die Bedienung. Der ältere Herr schaut nämlich die allermeiste Zeit die griesgrämig drein. Was er wohl für eine Lebensgeschichte hat?

Fazit: Kein gediegenes Lokal, aber erfrischende Speisen.

Koreaner

Wir bleiben asiatisch und gehen zum Koreaner. Der heißt auch so. Zum Koreaner. Einfach zu merken, oder? Der bedienende Koch ist sehr freundlich, das vergleichsweise günstige Essen kommt recht bald. Der Schweinebauch schmeckt recht deftig, gut für einen kalten Wintertag, im Sommer… Der Chinakohl, Kimchi, ist durchaus eine Empfehlung wert. Besonders schön: Das Fleisch bekommt unser Koreaner  von der Metzgerei Magg, einer kleineren Metzgerei-Kette aus dem südostbayerischen Voralpenland.

Fazit: Für schnell mal zwischendurch sehr zu empfehlen.

Peruanische Perfektion

Peruanisch? Kann man da was essen? Na freilich. Und wie schmeckts? Die peruanische Küche ist aufgrund der geographischen Lage (Küste, Gebirge, Regenwald) die vielfältigste Länderküche der Welt und laut irgendeinem Ranking die drittbeste. Völlig zu Recht. In München kann man entweder beim Mirador peruanisch essen oder beim Nasca. Nun trotz des Rechtschreibfehlers (es heißt Nazca) hat es mir da besser geschmeckt. Die Einrichtung ist gediegen, hier kann man auch die anspruchsvolle Dame oder einen wichtigen Geschäftspartner hinführen.

Allerdings sollte man sich dann auch den großen Geldbeutel mitnehmen. Je nun, für München normal, für den Oberpfälzer halt nicht. Die Anticuchos, gegrillte Rinderherzen, kosten 9,90, satt machen sie aber nicht, gibt auch die Bedienung zu. Bei der Ceviche, Fisch in Limettensaft, sollte man ebenso zur großen Portion greifen. Bei Aji de Gallina, einer Art Hühnerfrikasee in einer Chilli-Käse-Creme kann man nix falsch machen.

Das dunkle Cusquena-Bier sollte man sich leisten. 0,3 Liter für 5,50 Euro ist nicht gerade billig, aber man bekommt es sehr selten und es ist sein Geld wert.

Die Desserts haben wir nicht probiert, dafür den Pisco. Das ist ein peruanischer Traubenbrand. Dagegen kippt man jeden Grappa und Trester weg, das könnts mir glauben, so fruchtig!

Fazit: Großen Geldbeutel mitnehmen und sich durchprobieren.

Ostfriesen Witz

Der Preuße an sich hat ja wenig Qualitäten was die Gemütlichkeit angeht, doch da gibt es diese Inselgruppe, die sich zumindest dem Tee verschrieben hat. Eine Dependance findet sich in München, die Friesische Teestube.

Die Einrichtung ist gediegen, man fühlt sich fast in die Kaiserzeit zurückversetzt. Alte Sofas und Sessel finden sich hier, schöne Bilder hängen an den Wänden, Leute lesen Zeitung (am Abend!). Wir bestellen einen russischen Rauchtee. Der macht seinem Namen alle Ehre, husthusthust. Also gut ist anders. Dazu gibt’s Wodka mit eingelegten Früchten. Ja, geht so. Vielleicht hätte was anderes besser geschmeckt? Ich will es für die Lokalität hoffen. Etz muss ich am Ende noch pieseln und gehe aufs Klo. Und huch, also Leute, ich bin ja einigen Siff gewohnt, aber sowas, da sollten zumindest mal die Spinnweben von der Decke entfernt werden.

Fazit: Wegen der Einrichtung fühlt man sich wohl, die probierten Tees haben uns nicht vom Hocker gerissen. Die Toilette wurde hoffentlich seit unserem Besuch 2012 endlich einmal gereinigt….

Nachtrag: Sommernachtstraumhaftes Essen

Höchst wohlschmeckend!

Höchst wohlschmeckend!

Kurze Zeit später habe ich noch das Café Puck aufgesucht. Vom Namen her scheint es ja eine lange Historie zu haben, die Einrichtung versucht gemütlich zu sein, das Café ist allerdings etwas zu weitläufig, um richtig heimelig zu werden. Dennoch fühlt man sich wohl. Viele Zeitungen und Zeitschriften hängen aus. Vielleicht ist die Weitläufigkeit ja gewollt, damit der lesende Bohemian sieht und gesehen wird.

Im Angebot sind heute frische Ravioli gefüllt mit gebeiztem Lachs und einer Limettensoße. Also da muss ich echt den Hut ziehen. Donnerwetter, das schmeckt fei ganz fein. Und weil es Weißbrot dazu gibt, um die Soße aufzustrupfen, werd ich auch satt. Die Grapefruitschorle taugt genauso. Satt, aber nicht überfüllt gehe ich vergnügt in den Münchner Abend hinaus.

Fazit: Die fehlende Gemütlichkeit macht das Essen wieder wett.

Nachtrag 2: Gelato

Man kommt wenn’s um gutes Essen geht anscheinend nicht um Maxvorstadt herum… Auch wenn es um’s Eis geht. Den verrückten Eismacher in der Amalienstraße müssen wir noch besuchen, beim Ballabeni waren wir. Zu erkennen an der meilenweiten Schlange, auch im Herbst, vor dem Haus. Die geht aber aufgrund der Professionalität des Personals schnell voran. Ich probiere ein interessantes Zitroneneis mit Basilikum und eine hammermäßig üppig schmeckende Schokolade. Die Preise sind jenseits des Euros pro Kugel und eine besonders große Auswahl gibt es nicht. Aber was sie haben, da legt man die Ohrwaschel an. Positiv: Die Becher sind aus Waffelteig gemacht, d.h. da gibts weniger Müll, die isst man nachher einfach mit.

Fazit: Wer sich nicht scheut anzustehen, der bekommt äußerst delikates Eis serviert. Das auch bei kalten Außentemperaturen schmeckt.

Exkursion

Immer noch in Maxvorstadt, aber einen Extra-Artikel wert: Im Max Emanuel Biergarten und beim verrückten Eismacher probieren wir Obazdaschnitzel und Dönereis.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s