Obazdaschnitzel und Dönereis

Hart an der Grenze zwischen Schwabing und Maxvorstadt befindet sich ein – für Münchner Verhältnisse – gar nicht mal so großer Biergarten. Benannt nach dem berühmten bayerischen Kurfürst Max Emanuel, ist er im Vergleich zu den anderen doch recht überschaubar. Man benötigt höchstens einige Minuten, bis man seine Bekannten gefunden hat.

Viel Platz hat man hier ja nicht zur Verfügung, mitten im Wohngebiet. Für die direkten Anwohner vielleicht nicht so toll, allerdings muss um 23:00 Uhr Ruhe sein, und hey, mal schnell in den Biergarten um die Ecke, das hat schon viel Schönes. Die Bäume sind hoch und alt, ach, München hat schon schöne Flecken, in Maxvorstadt und Schwabing gleich gar.

Satte 7,80 Euro kostet die Mass. Nunja. Löwenbräu. Nunja. Das erste ist durchaus trinkbar, beim zweiten greife ich dann doch lieber zur Radlermass. Ab 18:00 Uhr übrigens gibt’s gar keine Halben mehr, so gehört sich das. Außerdem gibt’s auch noch dunkles Radler, das ist schon recht süß und erinnert stark an Cola.

Freilich darf man sich in einem Biergarten auch selber was mitbringen, aber was gibt die Karte so her? Der Schweinebraten für 10,50 schaut gut aus, ich tendiere dazu, fürs selbe Geld was neues auszuprobieren, nämlich ein Brotzeitschnitzel. Panierter Leberkäse? Nein, sondern eine Art Cordon Bleu, nur statt Käse und Schinken mit Obazdem gefüllt. Hui, des is scho arg bayerisch! Der erste Bissen mit ordentlich Zitrone auf der Panade ist durchaus recht gut, allerdings schmeckt der Obazde dann immer bitterer. Das Schnitzel selber und die Panade sind eher passt schon, die Pommes so lala. Aber mei, sowas muss man ausprobieren und mit selber gemachtem Obazden könnte man ein durchaus Schnitzel nochmal probieren, z.B. in kleinerer Art für eine Party. Der Abend neigt sich und wir ziehen weiter. Zweimal ums Eck ist der verrückte Eismacher.

Der erinnert mit seinem Zylinder an den verrückten Hutmacher aus Alice im Wunderland und mit seinem rosa Kochanzug an, hm, Dirk Bach als Zirkusdirektor? Bekannt wurde der gute Mann durch sein Weißwurst- und Biereis. Biereis (als Rauchbiereis) war mir schon von der Bamberger Sandkerwa in schlechter Erinnerung, sowas brauch ich nicht mehr. Und Weißwursteis deutlich nach dem Mittagsläuten?

Wir treten ein, der Chef ist gar nicht da. Und Weißwursteis gibt’s gerade nicht, allerdings, man höre und schaudere, Dönereis. Ja, genau. Eis aus und mit Döner. Wir bestellen alle zwei Kugeln und jeder kriegt einen Probierlöffel. Da alle so schlau sind und nix vom Döner probieren, muss ich wohl dazu greifen. Zunächst aber bestelle ich mir eine Kugel Erdbeer-Basilikum-Balsamicoeis, unglaublich gut, das beste Erdbeereis meines Lebens, und eine Kugel Kinderschokoladeeis. Und das schmeckt echt wie Kinderschokolade, hu, so lecker und füllig, hmmmmm.

Aber ich muss ja forschen, für die Welt, für die Bayern, für die Leser. Wie schmeckt nun Dönereis? Wie gefrorener Döner mit Fett. Fettiges Fett. Und salzig. Kurzum: E-kel-haft. Ich bin dazu erzogen worden alles aufzuessen und normalerweise überwinde ich mich und esse auch die grausigsten Sachen auf, bevor sie am Teller liegen bleiben. Aber das kann ich hier einfach nicht. Auch wenns nur ein kleines Eisprobierlöffelchen ist, nochmal kurz dran geleckt, wuah, immer noch so schlimm. Ich kleckse das Stückchen auf dem Löffel auf den Gehsteig. Da ein Hund umherläuft, hoffe ich, dass der Lust drauf hat, hey Hund, das ist immerhin Eis aus Fleisch! Aber selbst der macht einen Bogen um dieses Zeug. Er fürchtet wohl einen Giftköder.

Nunja, der Wissen- und der Leserschaft wurde Genüge getan. Greift zu allem anderen, probiert aus, Angebote gibt’s in der Maxvorstadt genug. Mal erwischt man einen Gaumenkitzel, mal eher einen Schlag in die geschmackliche Magengrube. Aber langweilig wird’s hier nie!

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