Rockin‘ München

Interessante Tapete

Interessante Tapete

Eine Institution, ja, da gibt’s in München viele. Clubs, Bars, Restaurants, Personen. Viele streben es an, viele wären es gern, einer ist sicherlich auf dem Weg, eine Institution zu werden: der Schwarze Hahn. In der Rockabilly-Fraktion ist er das sicherlich schon. Früher konnte man die Luft drin schneiden, jetzt halten die Gäste und der Wirt brav das Rauchverbot ein und die Stimmung ist noch besser. An der Wand hängen Filmposter von Trashfilmen der 50er bis 70er, wenn man gerade niemand zum Reden hat, lohnt sich das Studium der Plakate. Die Gäste sind normal gekleidet. Normal aussehende Menschen in normaler Kleidung! Und das in München!!! Wer sich von dem Modegehetze und dem permanenten Stylingdruck eine Auszeit gönnen will, der ist hier gut aufgehoben.

Leider etwas unscharf, dafür aber umso besser im Geschmack

Leider etwas unscharf, dafür aber umso besser im Geschmack

Der Tresen ist umstellt, trotzdem komme ich bald dran und bestelle erst einmal eine Johannisbeerschorle. Schmeckt hervorragend, erste Liga!

Aber was ist das da im Kühlschrank? Tatsächlich, Giesinger Bier. Das Projekt von ein paar Münchner Heimbrauern, die sich über Crowdfunding eine eigene Brauerei finanziert haben. Das Bier hat etwas über fünf Prozent und schmeckt echt süffig, allerdings auch sehr süßlich. 3,10 Euro kostet die 0,3 Liter Flasche, die recht putzig aussieht. Danach bestelle ich mir ein krass designtes Bier, das aber anscheinend kaum bestellt wird. „Das Helle“ steht vorne drauf und ist von irgendeinem Tillmann gebraut. Aha. Geschmacklich kommt’s bei mir aber nicht gut an. Es ist mir zu — klobig. Ja, so könnte man es beschreiben. Klobig.

Ein sehr nettes Detail am Klo im schwarzen Hahn

Ein sehr nettes Detail am Klo im schwarzen Hahn

Dazu haben die Leute noch Crew Republic im Angebot, ebenfalls von einer Münchner Kleinbrauerei, und davon gleich mehrere Sorten. Da habe ich aber leider kein einziges probiert. Ganz geschickt vom Wirt, man muss also öfters kommen… Ganz unten in Kühlschrank steht Astra Bier. Ja geh pfui. Ahso a Preissnplempl. Für so etwas geb ich kein Geld aus.

Merkwürdiges Gefäß, merkwürdiger Geschmack

Merkwürdiges Gefäß, merkwürdiger Geschmack

Jemand kommt mir mit einem seltsamen Gefäß in der Hand entgegen. Was das denn sei? Eine Lynchburg Lemonade. Aha. Also Jack Daniels mit Sprite, Limettensaft und Triple Sec. Normalerweise würde ich niemals, never ever Jack Daniels trinken, aber das seltsam geformte Glas macht mich doch neugierig. Bestellt und probiert, hmmm, ein seltsamer Geschmack. Nicht unbedingt schlecht, erinnert an die Kindheit. Nein, ich habe in meiner Kindheit nicht Jack Daniels getrunken. Sondern anderen Bourbon. Aber darum geht’s jetzt nicht. Es schmeckt fast genauso wie diese Leck-Muscheln oder Leck-Ufos, die es früher beim Bäcker für ein paar Pfennig gab. Ob da auch Jack Daniels drin war?

Trotz wohl gefüllten Magens wirkt diese Limonade schnell und ich presse mir noch eine Johannisbeerschorle rein.

Langhaar-Schuppen

Dieses Bier ist so manches, aber sicherlich nicht großartig.

Dieses Bier ist so manches, aber sicherlich nicht großartig.

Hernach ist Alternative Indie-Musik angesagt. Wird zumindest angesagt. Die Rockabilly-Leute des Schwarzen Hahns müssen schließlich adäquat weiterfeiern. Wir fahren ins 8Below. Doch hier zeigt sich statt Pomade wallende Männermähne. Metall!!! Den begleitenden Mädels fällt die Kinnlade herunter, mir auch. Metall in München, meine Herrn, sowas habe ich ja noch nie gesehen. Ist nicht Metall etwas für Dorfjugendliche, die damit noch Omas erschrecken können? Oder für Hipster, die aus Retrocharme nach Wacken fahren? Mitnichten und mitneffen! Wie herrlich stampfen sich die Klänge in meinen Gehörgang. Und wie putzig schauen die Münchner Metaller beim headbanging aus. Allerdings möchte ich nach jedem dritten Lied den DJ stilecht mit der Kettensäge die Flötentöne beibringen, denn permanent streut er zwischen den stählernen Krach schwülstigen Teenage-Rock à la Blink 182 ein. Da grunzt kein Metaller, da pfeift höchstens mein Schwein.

Fürchterlicher als diese Musikwechsel sind allerdings die Cocktails. In schwarzen Jack Daniels (schon wieder) Plastikbechern bekomme ich einen grausigen Cuba Libre serviert, Entschuldigung, was kann man denn da falsch machen? Hernach bestelle ich ein Bitter Lemon und bekomme einen Wodka Lemon. Der scheint zwar mit Getränken von Markenqualität gemixt zu sein, schmeckt aber nicht wesentlich besser als die Vorgängerplörre.

Anders als erwartet befinden sich die Toiletten aber in einem hervorragend sauberen Zustand, das hätte ich an so einem Ort mit dunklen Gestalten nicht erwartet.

Goldsophies Weinschorle ist sicherlich härter als hart, denn allzuviel Alkohol könnte in der mit allerlei Pflegespülungen liebkosten, wallenden Metallermähne ja zu Spliss führen.

Goldsophies Weinschorle ist sicherlich härter als hart, denn allzuviel Alkohol könnte in der mit allerlei Pflegespülungen liebkosten, wallenden Metallermähne ja zu Spliss führen.

Jedoch möchte ich wiederkehren. Denn überall wird hier auf die „Hyper Hyper“ 90er Jahre Party hingewiesen. Das muss endgeil werden, denn mit Trash kennt man sich ja hier schon aus.

Anschließend quengeln die Begleitungen. Der Bierhunger knurrt. Von einem Niederbayern erfahre ich, dass man nun „donisln“ müsse. Um diese Uhrzeit (in der Früh zwischen drei und vier) bekomme man in Deggendorf noch einen Schweinsbraten. Ohoo, denke ich mir. Ein neues Wort und einen kulinarischen Tipp gelernt. Das wir aber jetzt noch nicht gleich stilecht einlösen können. Denn in der Nähe vom 8Below gibt’s, wie könnte es anders sein, nur den Schnellfraß mit den gelben Buchstaben. Unter seufzen und ja mei, es hilft ja nix, stopfe ich mir so ein Menu hinein. Und höre, dass es im Glockenbachviertel einen Schweinebratenimbiss geben soll, der auch des Nachts so allerlei zu bieten hat. Aber weil unsere Münchner Rockabillys nun müde sind, wird das – eine andere Geschichte.

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