Wer andern eine Gruam gräbt, trinkt noch a Halbe

Die Gruam ist eine Boazn mit einer hantigen Historie. Echt Münchnerisch, sie könnte genauso gut aus den „Münchner Geschichten“ stammen, und noch wahrscheinlicher kommt gleich die Paula aus „Zur Freiheit“ um die Ecke. Denn die Gruam liegt in der Nähe des Münchner Schlachthofs. Früher war das ein Heim für Metzger, Zuhälter, Prostituierte, Gangster, Halbstarke, Ganzstarke, Druffis, Schluffis, Nachteulen und Tagträumer.

Maria breit' den Mantel aus, die Patrona Bavariae wacht über das Partyvolk

Maria breit‘ den Mantel aus, die Patrona Bavariae wacht über das Partyvolk

Doch so wie München reicher und die wilden Viertel hip wurden, waren die Tage der Gruam scheinbar gezählt. Abseits der Partymeilen war kein Staat zu machen.

Doch im Jahre 2011 wurde ein Neuanfang gewagt. Untertitel: „Die Boazn deines Vertrauens.“

Inhaber ist Stephan Alof, dem im Glockenbachviertel die Eisdiele Jessas, das Café Maria und die Bar Josef gehören. Merkts ihr was? Genau, Alof ist nämlich auch Kirchenpfleger von St. Maximilian. Darum steht in einer Ecke auch eine Marienstatue mit zwei Kerzen daneben. Vielleicht um die wilden Geister der Vergangenheit zu besänftigen. Gedenke Mensch, dass du sterblich bist,… darum carpe diem! Alof ist schließlich noch Altenpfleger. Und weil er glaube ich an einer Bäckerei beteiligt ist, hat die Gruam besonders lange offen, damit nicht nur Studenten, sondern auch arbeitende Menschen vorbeischauen können. Doch Alof ist nicht allein, ein Team aus sehr engagierten Teilhabern schmeißt den Laden. Und dabei bleiben sie möglichst nah am Original. Die Gruam ist vielleicht hip und in, aber nur deshalb, weil die Gäste sie so mögen, wie sie ist, nämlich eine schrammelige Boazn mit einer Vergangenheit, die so einiges gesehen hat.

Und über der Bar tanzen die Puppen

Und über der Bar tanzen die Puppen

Die Juke Box spielt Electro und HipHop, im Laufe der Nacht füllt sich das Lokal immer mehr. Der Preis für ein Helles beträgt 3,10 Euro, der Cocktail schlägt mit 7 Eumeln zu Buche. Münchner Preise halt. Aber dafür schmeckts. Heißgetränke gibt’s leider keine, aber in der frühen Nacht oder am späten Abend Gerüchten zufolge Essbares. Welcher Teufel dem frommen Wirt geraten hat, Astra auszuschenken, weiß ich allerdings nicht.

Wer die Augen spitzt, entdeckt hinter der Bar, jenseits der Bombay-Saphire Glasbausteine, an der Wand noch einige Spezialflaschen. Etwa mit besonders altem und gutem Rum gefüllt. Die Toilettensituation ist der Umgebung angepasst, authentisch halt.

Die Gäste. Hmhm. Zwischen 20 und 45. Vereinzelt Snobs, aber dann zum Glück auch Metaller. Electronisten. Hippe Hopper. Junge Lehrerinnen, jung gebliebene Schädlingsbekämpfer, Molekularbiologinnen, Ameisenforscher, Theologen, Männer mit Bärten, Frauen ohne Bärte, Männer ohne Bärte, Frauen mit… Hut. Sogar Leute aus Augsburg.

Münchner Allerlei

Münchner Allerlei

Wer den Abend hier beginnen will, sollte etwas später kommen. Und wer den Abend beenden will, der sollte in der Früh kommen. Während des ersten Oktoberfestes 2011 waren die Öffnungszeiten noch 23 Stunden, jetzt rangieren sie zwischen 22:00 und 06:00 Uhr.

Fazit: Die Boazn deines Vertrauens? Doch, scho, ja.

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