Zwangspause in Freising

Wer von einer Fernreise zurück nach Bayern kommt, landet meist am Flughafen München. Ah, endlich wieder daheim, woanders ists zwar auch schön, aber im Vergleich zu Bayern… naja.

Nach dem langen Flug ist man lädiert und will baldmöglichst heim, ein Besuch im Airbräu am Flughafen kommt also nicht in Frage. Wer nun nicht in die Stadt München muss, sondern in den Norden fährt, der hat zunächst auf den Bus zu warten, der einen nach Freising bringt. Denn von da geht der Regionalexpress Richtung Regensburg und weiter.

Den Heimkehrer grüßt der weiß-graue Himmel, immerhin gerahmt von schönen Gebäuden.

Den Heimkehrer grüßt der weiß-graue Himmel, immerhin gerahmt von schönen Gebäuden.

Nach etlichem Warten kommt endlich der Bus, für 2,70 Euro fahren wir nach Freising, und dort erleben wir am Bahnhof eine böse Überraschung: Der nächste Regionalexpress in den Norden kommt erst in zwei Stunden. In einer Stunde ginge zwar auch einer, aber der würde statt zweieinhalb dreieinhalb Stunden brauchen. Wahnsinn, diese Bahn. Damit braucht man nun für die letzten 200 Kilometer nach Hause halb solang, wie für die 11 000 Kilometer vorher. Was macht man denn nun in Freising?? Man schleppt ja immerhin einen Koffer und ein gehöriges Schlafdefizit mit rum, besonderes Sightseeing kommt demnach nicht in Frage. Der Bahnhof bietet nicht wirklich viel, außer einer Buch- und Pressehandlung mit allerlei Bayern- und Bierkrimis. Und Bayernmagazinen. Ganz nett, aber nix für zwei Stunden. Also rumple ich mit meinem Koffer Richtung Innenstadt. Es ist Mittagszeit, ein Schweinsbraten müsste sich doch ausgehen.

Vorher muss ich allerdings noch eine Sparkasse finden und ein Deo kaufen. Einheimische Währung ist fast nicht vorhanden, die Sonne brezelt vom Himmel und das 24 Stunden Deo kommt langsam an sein temporales Limit.

Also suchen wir dieses in der Innenstadt, was einige Zeit dauert. Das Kopfsteinpflaster nervt, der Koffer nervt, die Baustellen in der Stadt nerven, die Sonne nervt, die Bahn nervt, Freising nervt. Nachdem ich einige Zeit gegangen bin und immer noch keine Bank gefunden habe, frage ich Passanten. Einige sind auch Touris, eine Oma erklärt, dass es in meiner Richtung keine Sparkasse mehr gebe, die habe man dichtgemacht, stattdessen gebe es eine „weiter oben“ in der Stadt und am Bahnhof. Na toll, die habe ich nicht gesehen. Nervt. Und die Filialenschließung nervt auch. Endlich finde ich das Gesuchte und kann ausgestattet mit Moneten und eingeduftet Ausschau halten zum Essen. Allerlei Dönerstände? Nä. Französisch? Nä. Griechisch? Nä. Cafés? Nä. Was bayerisches!! Nervt schon wieder. Auf den Berg von Weihenstephan schlepp ich den Koffer nicht rauf, obwohl man da sicher was gutbayerisches kriegen könnte. Das Hotel Bayerischer Hof hat zwar eine ansprechende Karte, aber gehobene Preise, ich finde keinen Schweinsbraten und draußen sitzen scheint auch nicht zu gehen.

Doch da, tadaa, endlich, am Marienplatz finden wir das Café Marienplatz, welches aber auch als Restaurant fungiert und … Schweinsbraten im Angebot hat! Juhuuuuu!

Weil es noch frühe Mittagszeit ist, sind viele Tische noch frei. Ich nehme mir gleich einen in der ersten Reihe mit dem besten Blick auf den Platz.

Kann sich schmecken lassen.

Kann sich schmecken lassen.

Die unschönen Gerüstarbeiten auf dem Platz selbst stören nicht mehr gar so, die Speisekarte liegt auf dem Tisch. 8,90 kostet der Schweinsbraten, 3,60 die große Marajucaschorle gegen den Durst und 2,60 das kleine Helle (ohne Markenname, vermutlich vom Hofbräu Freising) für den Geschmack. Es dauert zwar etwas, bis die Bedienung kommt, aber von Bestellung bis Getränke und Essen auf dem Tisch geht es ratzfatz.

Dennoch habe ich noch die Zeit, die Aussicht auf den schönen Platz und die umliegenden Häuser zu genießen. Ein Glockenspiel lässt eine schöne, aber seltsame Melodie hören. Etwas später folgt das Mittagsläuten. Wunderbar. Hat vorher irgendwas genervt? Egal. Schon spürt man die Gemütlichkeit, der Grantler lehnt sich zurück und hat Pause.

Auch als ein paar Regentropfen daherkommen rutscht man halt etwas weiter unter den großen Sonnenschirm. Die Maracujaschorle ist schön dick, beim Schweinsbraten schmeckt man das Dunkelbier in der Soße raus. Er ist sicherlich nicht der beste, den ich bisher gegessen habe, aber gut. Der Semmelknödel passt schon, ein kartoffeliger wäre mir aber lieber gewesen. Der Krautsalat ist gut und schmeckt frisch.

Das kleine Helle mundet vorzüglich. Da merkt man, dass es anderswo zwar gutes Bier, aber nur in der Heimat sehr gutes bayerisches Bier gibt.

Auf den Nebentischen sind Touristen, insgesamt laufen auf der Straße viele Menschen mit Migrationshintergrund herum. Eine Bedienung könnte aus Russland stammen, eine andere vom Balkan. Eine Frau aus Nahost im Businesskostüm quert den Platz, vielleicht kommt sie von einem Vorstellungsgespräch. Wie die wohl die bayerische Kost wahrnehmen?

Ich jedenfalls kann mich nun überaus zufrieden auf den Weg zum Bahnhof machen. Im Zug nach Hause werde ich von einem älteren Herrn zur Deutschen Bahn befragt, er macht eine Umfrage zum Angebot auf den ostbayerischen Strecken für das Unternehmen. Na, dem konnte ich was erzählen! Allerdings sehr gelassen. Während die Deutsche Bahn im Menschen den Grant auslöst, sorgt die bayerische Kost für Gemütsruhe. Schrecklich wo Letzteres fehlt, vielleicht ist deswegen der Rest der BRD auch so unausgeglichen.

Was haben wir gelernt? Nicht nur der Weg ist das Ziel, auch Zwangspausen auf ebensolchem können lohnenswerte Erkenntnisse bringen. Und auf gute bayerische Kost muss man nach der Rückkehr in die Heimat nicht lange warten.

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