Das St. Georgen Bräu in Buttenheim

Hinten links das Wirtshaus, hinten rechts die Brauerei, vorne links das Kreuz, in der Mitte der St. Georgs-Brunnen, vorne rechts die Bierbänke, so gehört sich das in Franken!

St. Georgen-Bräu in Buttenheim… Gab’s da nicht schon einen Artikel? Richtig, allerdings über den Biergarten. Jetzt besuchen wir den Brauereigasthof, der in der Innenstadt gelegen ist. Er grenzt direkt an die Brauerei (und den Brauereigasthof) des Löwenbräu, das wir ein anderes Mal besuchen werden. Ich habe dort vor einigen Jahren essen wollen, doch war die Bude derart voll, dass es kein Plätzchen gab. Es muss also einen guten Ruf haben.

Zurück zum St. Georgen Bräu. Wir sitzen zunächst draußen neben einem massiven Springbrunnen mit dem Motiv des heiligen Georg, den sich der Chef extra vor sein Wirtshaus hingebaut hat. Für die Kultur hat er sich nicht lumpen lassen.

Leberknödel als Entrée sind Pflicht.

Das Schnitzel ist hier kein Allerweltsessen sondern große Kunst.

Deftig wie es sich gehört.

Etwas leichter im Geschmack, aber nicht weniger gut.

Die Inneneinrichtung stimmt gemütlich.

Gleich nebenan das Löwenbräu.

Da es uns dann doch zu frisch wird, setzen wir uns rein in die Stube. Ist sie wirklich alt oder nur auf alt gemacht, fragt man sich, lässt aber bald die Überlegung sein und fühlt sich gemütlich. Die schönen blau-lasierten Steingutkrüge kann man käuflich für zu Hause erwerben, daraus schmeckt das würzige Kellerbier mit leichtem Brotgeschmack gleich doppelt so gut. Zuvor greifen wir aber zur etwas süßen Johannisbeerschorle. Die Bedienung merkt an, dass sie überhaupt kein Bier trinkt. Wir sind erstaunt, was der Chef denn dazu sage? „Den Chef freut’s.“ Hm, spart er sich halt Geld beim Eigenbedarf.

Die Kirche ist genauso wuchtig-gediegen-barock wie das Kellerbier.

Innen gibt’s hellen Barock.

Teile von Buttenheim sind in eher, hm, seltsamem Zustand.

Die Leberknödelsuppe hat große Nocken und Pfannkuchenstreifen, schmeckt nicht zu salzig und nicht zu würzig. Das Schnitzel, ohhhhhhhh, das ist top! Es hat eine wunderbar knusprige Panade, vielleicht aus Vollkorn?, und ist riesengroß. Der Kartoffelsalat ist auch recht gut. Als der Kollege nicht alles schafft und den Rest mit heim nehmen will, packt die Bedienung noch welchen dazu „dass es sich rentiert“. Ein Service!

Der Kalbsbraten ist sehr mager und zart, mit ganz milder Rahmsoße und würzigem Wirsing. Die Roulade kommt mit Senf, Sauergurken, Zwiebeln und etwas Speck daher, sie ist auch recht gut, aber deftig. Der Knödel geht so.

Die Ränzlein sind gefüllet, so lasset uns denn einen Verdauungsspaziergang durch den Ort machen. Wer noch mehr genießen will, der sollte sich das Fladenbrot mit Gewürzen in der Holzofenbäckerei Weinkam holen, und genau das tun wir auch, äußerst fein.

Das Schloss würde ordentlich was her machen, wenn’s denn renoviert wäre.

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An der Kirchenmauer liegen Leben und Tod nahe beieinander, Überrest eines Kindergrabes oder eindrückliches memento mori?

Buttenheim an einigen Stellen gar hübsch anzuschauen, wie die schöne Barockkirche, die richtig groß für den kleinen Ort ist. St. Bartholomäus geht zurück auf eine Kirche, die wohl Ende des 8. Jahrhunderts auf Befehl Karls des Großen zur Slavenmissionierung errichtet wurde, damals unter dem Würzburger Bischof. Ein Schüler Balthasar Neumanns baute sie von 1754 bis 1757 im Stil des Hochbarock um. Gleich um die Ecke finden wir ein Schloss, dass aber dann doch eher wie ein verfallender alter Kasten wirkt. Die Gegend gehörte lange Zeit den protestantischen Freiherren von Stiebar, das Schloss wurde von deren Nachfolgern von Seefried errichtet, denen es heute noch gehört. Der Turm dient als evangelische Pfarrkirche. Nicht nur das Schloss bedürfte einer Renovierung, an einigen Stellen dieses schönen Ortes stehen kaputte Bauten. Das Nebeneinander von Verhaut und Pompös hat einen ganz besonderen Charme.

Auf dem Rückweg wollen wir noch am Levi Strauss Museum vorbeifahren. Das befindet sich im Geburtshaus des berühmten Jeans-Erfinders. Wir bemerken es tatsächlich erst beim zweiten Mal, besonders auffallend ist es nicht. Den Besuch verschieben wir aufs nächste Mal, dann verbinden wir das mit einem Test des Löwenbräus.

Und bis dahin seien dem geneigten Leser Kellerbier und Schnitzel ans Herz gelegt. Einfach nur ausgezeichnet.

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