Der Biergarten

Der Biergarten ist Synonym für bayerische Freizeit-Aktivitäten. Während sich der Preiss in der heißen Sommer-Sonne mit allerlei unsinnigem Sport das Hirn verbrennt, plant der Bayer vor. Tag für Tag geht er in den Biergarten. Denn wie die fleißige Ameise legt er sich für den harten Winter einen Nahrungsvorrat an, den er dann praktischerweise gleich am Körper mit sich herumträgt. Und von diesem Speck zehrt er dann, wenns draußen bitter kalt ist. Zumindest bis die Weihnachtsfeiertage kommen.

Die schönste Aussicht diesseits des Rio Grande gibt's vom Spezi-Keller in Bamberg.

Die schönste Aussicht diesseits des Rio Grande gibt’s vom Spezi-Keller in Bamberg.

Der Oberbayer geht in den Biagoat’n, der Oberpfälzer in den Bäiagoat’n, und der Franke wohl in den Biergaddn? Nein, denn der Unterfranke geht eher in die Heggnwirrdschaffd (da gibt’s Wein) und der Oberfranke geht „aaf’n Keller“. Keine Angst. Die Oberfranken sitzen nicht auf einer betonierten Kellerdecke herum, sie laben sich auch unter schattigen Kastanien.

Nur: Unter ihren Füßen ist der Boden oft hohl. Denn woher kommen denn die Biergärten? In die fränkische Hügellandschaft trieben die Menschen vor Jahrhunderten teilweise bis zu kilometertiefe Gänge und Stollen. Ganz früher um Sand abzubauen. Dann kam man drauf: „Allmächt’ da drundn is fei ganz schö kald, allaweil die selbe Dembradur, des wär fei scho dibdob fürs Bier.“ Und weil auch der Franke ein frisches Seidla mag, lagerte man in diesen Stollen das Bier aus den nahe gelegenen Brauereien. Der Bierkeller war geboren. Auf die Erdoberfläche pflanzten die findigen Leute Kastanien, die mit ihren großen Blättern viel Schatten bieten und den Boden kühl halten. Außerdem beschädigen sie mit ihren flachen Wurzeln nicht das Mauerwerk der Keller. Und tada, schon ist der kleinere Bruder Biergarten auf der Welt.

So, nun liegt unten das Bier und oben der Schatten, eins führt zum anderen, die Brauerei-Besitzer waren jung und brauchten das Geld, kurzum: sie schenkten das Bier in ihren Biergärten aus. Natürlich mit einem Riesenerfolg. Innovationsmotor war damals München. Der Biergarten, die Killer-App des beginnenden 19. Jahrhunderts. Und was macht die Konkurrenz, also die kleineren Brauereien und die Gasthäuser? Sie riefen Wettbewerbsverzerrung und klagten vor dem Kartellamt. Das gabs aber damals noch nicht, und so wandte man sich an die damals weiseste und höchste Instanz: Den König. Der wäre sicherlich heute auch die weiseste Instanz, denn Max Joseph I. urteilte wie ein bayerischer Salomo: Bierausschank geht weiter (Biergärtner und Volk jubeln), den Biergärtnern ist es aber verboten, Essen zu verkaufen (normale Wirte und Volk jubeln). Denn nun dürfen sich die Leute selbst ihr Essen von daheim mitnehmen. Draußen kühles Bier genießen und selbstgemachtes Essen verputzen und dabei noch sparen: Da zeigen die Bayern wieder, was sie können.

1999 war der Biergarten der bayerischen Staatsregierung dann so viel wert, dass sie ihn kurzerhand zum Kulturgut erklärte. Manchmal können Politiker halt doch was. Und so erließ sie eine eigene Biergartenverordnung. Wer sich aus juristischer Hinsicht dafür interessiert, was genau ein Biergarten ist, kann hier nachlesen.

Der Biergarten hat Künstler inspiriert, von Max Liebermann bis Gerhard Polt. Der Biergarten hat die Leute entspannt, noch bevor die Leute zu Feng Shui und Yin und Yang griffen. Der Biergarten hat alle Bürger demokratisch auf seinen Bierbänken vereint, ob klein oder groß, noch vor Gründung der Bundesrepublik. Der Biergarten war schon immer eine grüne Lunge, noch bevor Städteplaner die Bedeutung der Natur in der Stadt überhaupt begriffen. Wo kann man sonst das bayerische „Leben und leben Lassen“ so begreifen als im Biergarten? Der Biergarten ist DIE bayerische Lebensart zum Anfassen und Erfahren. Das Zusammensein mit den Menschen sorgt für Emotion, die schattigen Bäume für Ventilation, und das kühle Bier für Inspiration. Während man in den Ländern außen rum nur die Transpiration kennt.

Biergärten gibts überall in Bayern, von Kempten bis Hof und von Aschaffenburg bis Berchtesgaden. Ob in Franken, der Oberpfalz oder in Niederbayern, es ist ein einfaches Erfolgsrezept. Die größte Brauereidichte der Welt findet sich nicht in Oberbayern, sondern in Oberfranken. Logischerweise müsste dann hier die Biergartendichte auch größer sein. Oder zumindest näher an die Brauereien gebunden. Schauen wir uns also ein paar Biergärten mal an, was sie taugen. Natürlich werden hier auch die Biergärten anderer Regierungsbezirke unter die Lupe genommen.

In folgenden Beiträgen kommen ebenfalls Biergärten vor, die wir getestet haben:

2 Kommentare

  1. Nicht nur im schönen Bayernland sondern auch ausserhalb seiner Grenzen findet man diese schattigen Erholungsoasen“ die Biergärtn“.Zum Beispiel auch auf der Insel Mallorca ,wo alles was weissblau ist ,an Bayern erinnernt,eine besondere Anziehungskraft auf Touristen und Spanier ausübt.Schon in den 70iger Jahren war eines der beliebtesten Treffpunkte der Urlauber,eine Lokalität, namens Bavaria..Danach kam das Oberbayern und feierte ein Comeback der deutschen Schlagermusik.Auch Biergärtn schossen zur damaligen Zeit wie Schwammerl aus dem Boden.Man nannte sie Peters oder Engels-Biergarten oder einfach nur Biergarten.Schon trat der erste Rechtsstreit auf „Betreff Biergarten“,ein spanischer Geschäftsmann hatte sich den Namen „Biergarten „schützen lassen,bekämpfte nun Alle,welche diesen Namen verwenden wollten..Meistens findet sich immer ein Hintertürl, was Bürokratie betrifft und in Mallorca wurde aus „Biergarten“ „Biergarden“ Bald darauf wurde der erste „Münchner Kindl“ Biergarten eröffnet .mit Restaurantlizenz und einer sehr reichhaltigen Speisekarte.Orginalgetreu werden Weisswürstl in blauweissen mit Rautenmuster verzierten Tiegeln serviert ,dazu Hendlmayer Senf und frische Brezeln.Dank eines Metzgers der vor etwa 40 Jahren ein Orginalrezept aus Bayern auf die Insel brachte schmeckt die Mallorca Weisswurst zum Teil besser wie im Freistaat Bayern selber.Traditionsgemäss führen die Söhne des mittlerweile 85jährigen das Geschäft fort und die Wurst ist immer noch erste Sahne..Auch Leberkäs,Schweinsbratn und Grillhaxn sind beliebt im Münchner Kindl,werden oft und gern bestellt.Allerdings wollte man sich nicht unbedingt nur auf bayrische Gerichte festlegen und produziert auch internationale Speisen,hervorragende Grillsteaks,Fischgerichte und Scampis.Mittlerweile gibt es 3 Münchner Kindl Biergärten ,alle an der selben Strasse..Besonders gute Stimmung herrscht in diesen Gärten, mittlerweile alle bestúckt mit überdimensionalen Leinwänden,bei Fussball Spielen, da man während diesen Live Übertragungen auch lecker und preiswert essen kann Die bayrischen Münchner Kindl Mallorca Biergärten sind mittlerweile Kult ,ja man könnte sagen sind sogar mit der Playa de Palma verwurzelt.Die Besitzer,eine Tirschenreutherin und ihr spanischer Mann Andres betreiben BiergartnGastronomie aus Leidenschaft und freuen sich zusammen mit ebenso motivierten Mitarbeitern auf jede neue Saison.

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