Der Münchner Hirschgarten

Keine Bladln an die Baam, aber soweit sticht die Sonn ja aa no net.

Keine Bladln an die Baam, aber soweit sticht die Sonn ja aa no net.

Wo war dieser Winter? Ich hab ihn nicht gefunden. Wohl aber Sonnenstrahlen, die einen Biergartenbesuch schon im „Winter“ ermöglichen. Da die Münchner die geldigsten und vielleicht auch geschäftstüchtigsten Bayern sind, haben hier die Biergärten bei der ersten Sonne geöffnet. Weil wir bisher winzige Biergärten Frankens besucht haben, klotzen wir jetzt mal richtig ran. Der Hirschgarten, der größte Biergarten Münchens. Angeblich sogar der größte traditionelle Biergarten der Welt.

Der Hirschgarten liegt im gleichnamigen Park, südöstlich des Schlosses Nymphenburg. Hier jagten die bayerischen Kurfürsten ihre königlichen Tiere. Heute gibt es ein mittelgroßes Gehege mit eher kleinerem rehartigen Vieh.

Im Park spielen Kinder, fast so viele wie im Prenzl-Berg. Dass sich so viele Münchner noch Kinder leisten können und wollen, verwundert mich, ist aber eigentlich ganz gut.

Die Parkplatzsuche ist bedeutend schwieriger als zu Kurfürstens Zeiten, die Seitenstraßen sind alle voll, der kleine Hirschgartenparkplatz ist schon kaum mehr passierbar. Schön, dass sich jetzt auch noch die SUV-Fahrer durchquetschen wollen. Schließlich finden wir einige Straßen und Nerven weiter vor einem Wohnblock ein einzelnes freies Plätzchen.

Ein Stammkunde meint, bestimmt ist der Biergarten nicht voll, einzige Ausnahme war bisher das Public Viewing während der WM, ansonsten findet man da immer einen Platz. Ja, tatsächlich finden wir einen Platz, müssen aber schon a wengerl suchen, aber weitaus weniger als nach diesem Parkplatz, huuhuu. Das Publikum sit äußerst gemischt, wir finden die Eleganten, die rauchende Oma, den Bajuwaren mit dem Muskelshirt über seiner ausnehmenden Wampen und den irgendein IT-Business-Zeug lernenden Nerd.

Erstmal was zu Essen kaufen! Wir stellen uns in die Essensschlange, vor dem Schweiners stehen nicht so viele Leute an. Nun, die Ripperln mit BBQ-Soße duften verführerisch. 9,20 Euro. Die halbe Haxn kostet nur 6 Euro. Die Haxe strotzt vor Kümmel, was ich sehr mag. Denn leider, leider gibt es keine Soße dazu und auch keine Knödel. Auf die hätte ich mich soooo gefreut. Also nehme ich den Kartoffelsalat. Der schaut auf den ersten Blick nicht schlecht aus. Tatsächlich lasse ich am Ende was von übrig, weil der wirklich nicht gut ist. Verkochte Kartoffeln in irgendeiner Pampsoße. Das nächste Mal nehme ich die Ripperln!

Nach dem Essen hat der Bayer Durscht, aber weil es Sonntag ist und der Samstag Abend von einigen Leuten recht wild begangen wurde, wollen wir was ohne. Also stellen wir uns in die Reihe an, wo wenig Leute anstehen. Das meistgetrunkene Getränk scheint mir im Biergarten ein Radler zu sein. Wir holen uns zuerst Halbe Krüge, waschen sie an dem Brunnen aus, dann erfahren wir: In der Reihe gibt’s nur Mass. Also holen wir uns Masskrüge, waschen sie aus, stellen uns wieder in die Reihe und erfahren: In der Reihe gibt’s nur Bier oder Radler. Wir wollen aber Spezi! Also müssen wir uns wieder in einer anderen, ungleich längeren Reihe anstellen, da geht’s langsam, aber stetig voran. Die Mass Augustiner aus dem Holzfass kostet 6,60 (gegen Aufpreis gibts Tegernseer), die halbe Spezi 3,80, ein Johannisbeerschorle 4,20 oder 4,30. Das Spezi kann echt was. Viel Cola drin. Jetzt haben wir natürlich keinen Sitzplatz mehr und müssen wieder suchen. Neben dem Stand mit den gebrannten Mandeln finden wir was. Huuuu, da duftet es verführerisch, aber auch da stehen immer Leute an, und ich hab etz echt keine Lust mehr auf Schlange Stehen.

Der Mann, der mit uns am Tisch sitzt, stört sich nicht an unseren heiteren, bisweilen äußerst deftigen Gesprächen. So gehört sich das nämlich im Biergarten, da lauscht man andächtig oder gibt seinen Weißwurscht-Senf dazu!

Die Sonne wärmt unseren wintergebleichten Gesichter, mei, was ist so ein Biergarten gemütlich. Auch wenns der größte der Welt ist.

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