Der Spezi-Keller in Bamberg

Einer der schönsten Biergärten Bayerns, und damit von der ganzen Welt überhaupt, ist der Spezi-Keller in Bamberg. Eigentlich heißt er ja Spezial-Keller nach der gleichnamigen Brauerei, aber so viel Zeit hat hier keiner, die benötigt man für die Gemütlichkeit. Vom Spezi-Keller hat man eine wunderbare Aussicht auf die Hauptkirchen Bambergs und sitzt unter hohen, schattigen Bäumen, Straßenverkehr hört man gar nicht.

Alles auf einen (Aus)Blick: Rechts die Stephanskirche, dann die Obere Pfarre, der Dom und schließlich St. Michael.

Alles auf einen (Aus)Blick: Rechts die Stephanskirche, dann die Obere Pfarre, der Dom und schließlich St. Michael.

Dafür muss der Besucher aber erst einiges leisten. Von der Innenstadt kommend, gehen wir die Judenstraße entlang und am prächtig verzierten Böttingerhaus vorbei. Das entstand zwischen 1707 und 1713 und ist eines der bedeutendsten bürgerlichen Barock-Gebäude Süddeutschlands. Der Stuck stammt von Johann Jakob Vogel, den wir schon von unserem Ausflug nach Kloster Banz kennen. Bei der ersten Steigung lassen wir St. Stephan rechterhand hinter uns. St. Stephan ist die einzige heute evangelische Kirche, die von einem Papst geweiht wurde, Benedikt VIII. war das, im Jahr 1020. Von dieser Kirche ist nichts mehr übrig, die jetzige Form erhielt die Kirche über mehrere Jahrzehnte im 17. Jahrhundert.

St. Stephan ist außen katholisch-barock, innen evangelisch-nüchtern.

St. Stephan ist außen katholisch-barock, innen evangelisch-nüchtern.

Sehr gut, aber der Kloß möcht mehr Soß!

Sehr gut, aber der Kloß möcht mehr Soß!

Der Aufstieg geht weiter, wir kommen am Stöhrenkeller vorbei und wenden uns gegen das E.T.A. Hoffmann Gymnasium. Kurz davor ist hinter einer unscheinbaren Stahltür der Zugang zu den enormen Tunnelanlagen des Stephansberges verborgen. Die wurden im Mittelalter zur Gewinnung von Quarzsand angelegt, später zur Kühlung von Bier und im 2. Weltkrieg zur Waffenproduktion genutzt. Heute sind sie dank massivem Spritzbeton-Einsatz abgesichert und können ab und an besichtigt werden. Aber wir wollen nicht in den Keller, sondern auf den Keller. Gegenüber des Gymnasiums befindet sich der Eingang zum Spezi-Keller. Nach 150 Metern an einer Wiese entlang haben wir endlich die ersten Tische erreicht. Der Spezi-Keller hat normalerweise ab 15:00 Uhr geöffnet, allerdings nicht zur Sandkerwa, da ist vorher offen und ab 15:00 Uhr zu. Hat uns einige Jahre gekostet, das herauszufinden.

Der typische Baum auf diesem Keller ist die Platane.

Der typische Baum auf diesem Keller ist die Platane.

Klar, die Tische mit der allerbesten Aussicht sind entweder schon voll oder haben zu wenig Platz für unsere große Truppe. Die Bedienung braucht etwas lang, aber als sie dann kommt bestellen wir – ein Wasser. Ich weiß, das ist sehr traurig, aber es ist auch ein sehr heißer Tag. Wer was anderes trinken will, der merke jetzt auf: Wer hier ein Spezi bestellt, der bekommt ein Bamberger Spezi, und zwar ein Spezial-Rauchbier. Das ist das Rauchbier, das jeder normale Mensch trinken kann, und nicht den flüssigen Schinken, den der Schlenkerla im Angebot hat. Das Spezial-Rauchbier ist von der Farbe her kupferfarben, hat ein leichtes Raucharoma und schmeckt ansonsten wie ein mildes dunkles Bier. Wer ein Spezi trinken mag, also das im restlichen Bayern als Spezi bekannte Cola-Mix Getränk, bestellt ein Schlucki. So ist das hier. Da wundert’s nicht mehr ganz so, dass das Zitronenlimo Albrecht Dürer heißt.

Man spricht deutsch.

Man spricht deutsch.

Freilich kann man am Spezi-Keller Brotzeiten essen, in einem bestimmten Bereich auch die von daheim mitgebrachten. Wir aber haben einen gscheiden Hunger und liebäugeln mit den großen Speisen. Die wechseln je nach Saison durch. Ein gutes Zeichen. Die Entenkeule mit Knödel und Wirsing ist richtig gut, allerdings hätte man die Kiele besser entfernen dürfen. Der Wirsing ist würzig, den muss man halt mögen. Wer ihn mag, genießt ihn. Der Knödel ist ganz ok, etwas mehr Soße auf dem Teller wäre ganz nett gewesen. Das Lammhäxla mit Ratatouillegemüse des Kollegen war auch ganz fein, die Preise fair.

So sitzen wir gefüllt und zufrieden herum, allerdings brennt uns bald die Sonne auf den Pelz, weil die hochgewachsenen Platanen nur 80% des Platzes in den Schatten stellen.

Das berühmte Apfelweibla.

Das berühmte Apfelweibla.

Den Abstieg schaffen wir auch noch, wer beim Runtermarschieren in die Eisgrube abbiegt, der findet hier noch das Apfelweibla. Das ist ein Türknauf mit einem Frauengesicht. Berühmt wurde es durch die Erzählung „Der goldene Topf“ von E.T.A. Hoffmann, der ihn schon 1813 beschreibt. Das Original befindet sich im historischen Museum, derzeit ist am Haus Nummer 14 der Eisgrube eine Nachbildung angebracht.

Fazit: Der etwas anstrengende Aufstieg lohnt auf jeden Fall, mit dem Auto könnte man zwar auch hoch fahren, aber die Kalorien, die man hier aufnimmt, müssen ja erst einmal erarbeitet werden. Zweifelsohne gehört der Spezi-Keller zu den must-have-Zielen eines Bamberg Besuchs. Das Rauchbier ist bekömmlich, beim Essen macht man nichts falsch.

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