Stöhrenkeller

An der Verbindung von Moderne und Urigkeit muss der Stöhrenkeller noch etwas arbeiten

An der Design-Verbindung von Moderne und Urigkeit muss der Stöhrenkeller noch etwas arbeiten, was die Gäste betrifft passts wunderbar.

Der Stöhrenkeller ist eigentlich kein Biergarten, sondern ein Wirtshaus. Vielleicht hatten sie früher einen Biergarten, jedenfalls kann man im Sommer vor dem Haus unter einem schönen Rosenstrauch sitzen, der sich über einem Bankerl am Hause emporrankt. Weil er aber Keller heißt und weil Keller in Franken ja eigentlich Biergärten sind, hier der Test!

Vor einigen Jahren habe ich hier ein phänomenales Dosenfleisch gegessen. Außerdem sitzt es sich im Wirthaus recht gut. Grund genug, mal wieder herzukommen.

Durch einen Vorraum trete ich ein, das Publikum ist bunt durchmischt. Mehrere Studentinnen und ein Student kramen ihre Ordner und Bücher raus und besprechen wohl ein Referat oder planen eine Lerngruppe. Daneben sitzt ein älteres Pärchen, der Mann hat eine seltsame Kappe auf dem Kopf und erklärt seiner Begleitung eindringlich, dass er Zwiebelgeruch so mag. Und am Nebentisch sprechen drei mittelalte Gäste seit eineinhalb Stunden darüber, dass man nicht kommunizieren kann. Der Wirt hat Koteletten und sieht mit seiner Haarpracht aus wie ein englischer oder schottischer Stallknecht oder Seemann des 19. Jahrhunderts.

An der Wand hängen ein paar Gemälde, man nutzt das Etablissement, um Kunst auszustellen. Die Halogenlampen hängen recht tief, was nur die Köpfe beleuchtet, aber den Raum etwas im dunklen lässt, gut für die Urigkeit. Leider wurde die Wandvertäfelung grau angestrichen, wirkt steril.

Der obligatorische Brotzeitteller

Alles, was ein Mann braucht...

Alles, was ein Mann braucht…

Nun gibt es hier Bratwürste und Zwetschgenbames zu Essen, aber ich bleibe in Vorfreude auf das Dosenfleisch bei der Stöhrenkellerplatte für etwas über sieben Euro. Darauf finde ich nun luftgetrockneten Schinken. Der ist hauchfein geschnitten und schmeckt wahrlich gut. Daneben einen Käse, der in seiner Buttrigkeit etwas an Weihnachtsplätzchen erinnert. Die Sauergurkerln sind ganz passabel. Die grobe Leberwurst schlägt nicht unbedingt nach oben oder unten durch, da gibt’s bessere. Die Göttinger schmeckt recht würzig. Die Luft bleibt mir bisweilen bei der Salami weg. Die ist nämlich mit Chilli gemacht. Der Wirt kommt her und sagt mir, dass sie die derzeit ausprobieren und sonst eine andere haben. „Pass auf!“, warnt er mich noch vor dieser Chilisalami. In der Mitte thront eine aufgeschnittene Tomate. Sehr gut angemacht mit Kräuter, Salz und Pfeffer. Sogar der Strunk ist herausgeschnitten, das ist liebevolle Arbeit. Leider, leider haben sie beim Salzen wohl über das Ziel, bzw. über die Tomate hinausgeschossen und das eigentlich gute Dosenfleisch und Teile des Schinkens versalzen. Zumindest legen das die Spuren am Tellerrand nahe. Ansonsten müsste der Wirt mal ein ernstes Wort mit dem Metzger reden.

Hinter dem Tresen steht ein großes Fass. Erst mal die Getränkekarte gecheckt: Es gibt Keesmann-Pils und darauf weist der Wirt hin: Friedl-Bier aus Zentbechhofen. Das steht nicht auf der Karte, das gibt’s auch nur so lange bis das Fass leer ist. Das Bier ist hell, der Schaum feinporig. Beim ersten Schluck meine ich: Das ist das beste Bier der Welt. Uiuuiui. Die Meinung relativiere ich aber nach dem dritten und vierten Schluck. Der Schaum fällt schnell zusammen, das Bier schmeckt nun schal mit einem herben Nachgeschmack. Seltsam. Ab der Hälfte aber schmeckt das Bier recht passabel.

Ich bestelle mir noch ein kleines und komme endlich zu dem Schluss, dass es ein gutes, mildes Bier ist. Aber halt nicht das Beste.

Herr Ober?!

Auf der Karte stehen einige Brände aus alten fränkischen Obstsorten. Und Tonkabohnengeist. Aus einer fränkischen Brennerei. Die Tonkabohne kommt von irgendwoher, aber nicht aus Franken. Was soll den das? Laut Wirt hat das Getränk „einen ganz eigenen Geschmack, a bisserl wie Kokos“. Ich bestell ein Glaserl, nachdem der Wirt es einmal vergessen hat, kommts dann nach einer Zeit, die eigentlich in keinem Verhältnis zur Menge steht, die er einschenken muss.

Dieses Bier ist wahrlich nicht leicht einzuordnen.

Dieses Bier ist wahrlich nicht leicht einzuordnen.

Obwohl die Beleuchtung im Stöhrenkeller etwas steril wirkt, bemüht sich der Wirt mit allen Kräften, traditionelle oberfränkische Urigkeit aufkommen zu lassen.

Er setzt sich zu dem Pärchen, das neben mir am Tisch ist. Sie besprechen dies und das. Im Hintergrund blickt sich eine Studentin ständig nach ihm um, sie will zahlen. Sie steht auf, geht an den Tresen, versucht einen Blick in die Küche zu erhaschen, geht durch den Raum. Ich mache den Wirt darauf aufmerksam, dass die Dame zahlen will. „Ja, des is gut. Aber ich sitze gerade.“ Eine freundliche Bedienung in Oberfranken, ja wo kommen wir da denn hin? Vielleicht sollte man das Lokal auch in „Nicht-Stören!-Keller“ umbennenen. Der musste jetzt sein.

Fazit: Die Stimmung ist trotz der grauen Wände gemütlich, die Getränke gut und vielfältig. Die Hausmacherplatte ist für ein Wirtshaus recht gut, hat aber noch Potential nach oben.

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