Der heilige Berg der Franken

DER Symbol-Ort der Franken ist weder die Nürnberger Burg, noch die Würzburger Residenz, ja nicht einmal die Bratwurst. Sondern der Staffelberg, der heilige Berg der Franken, der Wächter des Gottesgartens. Eine Morgen-Andachts-Wanderung da rauf im Sommer ist ein Erlebnis, an das man sich sein Leben lang erinnert.

Zu unchristlicher Zeit treffen sich Katholiken und Evangelische um 2 Uhr nachts in der katholischen Hochschulgemeinde in Bamberg. Ökumenische Aktionen verlegt man halt lieber in die Nacht. Kleine Äuglein überprüfen noch den Proviant im Rucksack. Im Kleinbus geht’s dann auf, Richtung Norden. Stockfinster-Zappenduster-hast-du-nicht-gesehn-weil-pechschwarze Nacht herrscht, als wir auf dem Parkplatz aussteigen. Wir gruppieren uns um die Leute mit Taschenlampen. Einen Trampelpfad geht’s bergauf.

Auf dem Weg halten wir mehrfach an. Kleinere Gebete werden gesprochen, Meditationen impulsiert, Lieder gesungen. Abwechselnd katholisch und evangelisch. Ich unterhalte mich mit einer Frau, die sich später als evangelische Pastorin herausstellt. So sehen die also aus (tatsächlich nicht anders als andere Leute, wer hätte das gedacht). Wurzeln und Steinen weichen wir im Lichtkegel der Taschenlampen aus und wandern immer höher. Den Großteil der Strecke sprechen wir aber kaum. Schweigend lassen wir die Eindrücke auf uns einwirken. Die Natur beginnt wie eine Symphonie ganz leise und spielt dann mit Pauken und Trompeten auf. Bäm, Naturschauspiel, huiui.

Langsam erkennt man Umrisse und Schatten, Zweige und Äste heben sich vor dem Himmel ab. Der ist mittlerweile schön satt blau. Die Sterne sieht man da immer noch funkeln. Das blau wird heller, malvenfarben, ein paar orange-gold-rosa Sprenkel zeichnen sich am Himmel ab, Jetstreams oder Wolken, die von der Sonne hinterm Horizont schon angestrahlt werden.

Bei der letzten Andacht vor dem Gipfels ist es schon hell, die Vögel begleiten zwitschernd unsere Lieder.

Verhinderte Sangesleut

Wir haben das Plateau des Tafelberges erreicht. Vor tausenden von Jahren stand hier schon ein keltisches Oppidum.

Die uralte Kapelle wird aufgesperrt, innen drinnen ist es frisch. Wir füllen zwei oder drei Bänke, man rückt zusammen. Die beiden evangelischen und katholischen Geistlichen halten eine kurze Morgenandacht. Währenddessen geht draußen die Sonne auf.

Wir verlassen das Kirchlein und setzen uns auf die Bänke. Direkt vor uns blicken wir auf die wunderschön verspielte Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Ein Glanzstück Balthasar Neumanns, dem wichtigsten Baumeister des fränkischen Barocks. Dorthin pilgern katholische Gläubige, betreut vom Orden der Franziskaner. Gegenüber davon Kloster Banz, ähnlich imposant. Da pilgern die Gläubigen der CSU hin, betreut vom Orden des Hans-Seidel (der übrigens mit dem Bier-Seidel nicht verwandt ist, auch wenn es Überschneidungspunkte gibt). Eine weltweit einzigartige Landschaft, jetzt verstehen wir, warum sie den Namen Gottesgarten trägt.

Wir breiten auf den Brotzeittischen unser Frühstück aus. Semmeln und Baguettes mit Wurst oder Käse, Wurst oder Käse, Teewurst, Leberwurst oder Käse (© Helge Schneider). Und Gemüsezeugs.

Bevor wir uns nach der Seelenstärkung dem Leiblichen widmen, wollen die Leiter das Frankenlied anstimmen. Eine gute Idee, denn das ist der Legende nach hier von Joseph Victor von Scheffel gedichtet worden. Doch leider kann keiner den Text. Auch nicht unsere Cheffes. Fürs nächste Mal also lernen.

Nach dem Essen gehen wir auf einen Felsvorsprung und blicken nach Süden. In der Ferne kann man Bamberg erahnen. Auf dem Weg nach unten beginnt es zu regnen, auch das ist eine Erfahrung. Am Parkplatz angekommen wartet schon der Bus und bringt uns wieder heim ins heimelige Bamberg, wo unsere warmen Wohnungen warten.

In der Zeit auf Erden geht man viele Wege, aber eine derartige Andachtswanderung ist vielleicht der schönste und eindrucksvollste, den man in seinem Leben gehen kann.

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