Die Sandkerwa – Das Bier

Kein Traum, sondern Realität. Bayern, nehmt euch ein Beispiel!

Kein Traum, sondern Realität. Bayern, nehmt euch ein Beispiel!

Die Kerwa ist DAS Fest der bierreichsten Region der Welt, das macht das Probieren und darüber Schreiben zwar sehr schön, aber beides nicht gerade leicht! Wo soll man anfangen? Bloß ja nix vergessen! Also, tief durchatmen und den ersten Schluck nehmen.

Fangen wir da an, wo wohl jeder Kerwabesucher schon einmal war. Unter der Markusbrücke durch, an den Stand vom Löwenbräu in Buttenheim. Wieso hier? Weil hier allen Oktoberfest-, Gäubodenfest-, Rosenheimerherbstfest und Bergkerwabesuchern die Kinnlade herunter- und der Masskrug aus der Hand fällt. 3,80 Euro. 3,80 Euro. 3,80 Euro. Nein, ich habe mich nicht dreimal vertippt, und nein, hierbei handelt es sich nicht um den Halbepreis. Das, meine sehr verehrten Leserinnen und Leser ist der Masspreis. Und das auch erst seit 2013, vorher hat die Mass 3,60 gekostet. Mancher Bamberger mäkelt zwar über den Geschmack, aber das ist nun wirklich Kritik auf sehr hohem Niveau. Das Bier schmeckt etwas herb-würzig, aber nicht ganz so intensiv wie das St. Georgen Kellerbier, der Nachbar in Buttenheim. Manchmal muss man hier ganz schön anstehen, warum wohl???, doch die Schlangen lösen sich auch wieder auf und recht flott ist der Steingutkrug mit den blauen Löwen in der Hand.

Wenn die Mass wieder raus muss, gehen die Jugend und auch viele Ältere nebenan in den Garten des Stadtarchivs. Ob da irgendwann noch einmal Gras wächst? Dieses Jahr war der Garten abgesperrt, viele Männer verpissen sich dann einfach Richtung Regnitz. Darum immer Wohnung oder Zimmer in der Innenstadt nehmen, da ist es nicht weit auf den eigenen Lokuspokus.

Gute Preise – Gute Besserung – Besseres Bier!

Der Nachbarstand des Löwenbräus schenkt Weiherer Kellerbier aus, sehr würzig. Und noch eins weiter zahlt man je drei Euro für die Halbe aus der Brauerei Krug in Geisfeld und aus der Brauerei Büttner aus Untergereuth. Das Untergereuther Bier soll angeblich das beste der Sandkerwa sein. Naja. Also ich würde es unter die besten drei zählen. Fein mild im Geschmack, da kann man gerne bleiben. Brauerei Krug gibt’s auch im Griesgarten in der Nähe, ist etwas herber und kräftiger im Geschmack, nicht schlecht, ich bevorzuge aber die spielerische Leichtigkeit des Untergereuthers.

Wenn's auf der Kerwa mal regnet, was es recht oft tut, dann öffnen sich die Herzen mancher Wirte.

Wenn’s auf der Kerwa mal regnet, was es recht oft tut, dann öffnen sich die Herzen mancher Wirte.

Wenden wir uns weiter Richtung Kerwa-Zentrum, der Elisabethkirche. Hier finden wir den Stand vom Hausbräu Stegaurach. Ein gutes Bier, ja, zweifelsohne, mir aber einen Ticken zu hopfen- und hefebetont. Stattdessen greife ich, der ich fast niemals nie ein Weizen trinke, genau dazu. Denn das ist hier phänomenal. Zwischen Stand und Kirche spielt ab und an eine Blaskapelle, sehr schön. Gegenüber schenkt die Brauerei Hönig aus. Ebenfalls ein eher herberes, würzigeres Bier. Die Menschen da sind aber feine Leute. Eines Abends, geregnet hats, der Schankschluss nahe, wollte ich ein Bier von ihnen. Und siehe da, das Regen Seidla gabs für 1,50. Leute, das sind ja Preise wie am Oberpfälzer Zoigl!

Gleich daneben im Ausschank, das Bier der Brauerei Will aus Schederndorf. Die Leute im Ausschank sind recht gut drauf, mir ist das Bier aber etwas zu bitter. Ebenfalls viel zu hopfenbetont nach meinem Geschmack ist das Bier der Brauerei Beck aus Trabelsdorf. Die müssen sich nicht unbedingt am Pils ihres Namensvetters in Bremen orientieren. Der Stand befindet sich in der Nähe der Schranne beim Alten Rathaus.

Weiterhin müssen wir die Brauereien Hölzlein aus Lohndorf (eher herb), St. Georgenbräu aus Buttenheim (recht würzig), Otto Hübner aus Steinfeld und Huppendorfer (beide eher süffig) erwähnen.

Vor dem Rathaus Geyerswörth befindet sich ein weiteres meiner drei Lieblingsbiere der Kerwa, die Brauerei zur Sonne aus Bischberg. Dass manche Bedienungen hier bauchfrei rumlaufen, hat aber nix damit zu tun. Das liegt ganz allein am vorzüglichen Gebräu. Denn das schmeckt mild, fast ein wenig zitronig, hat nur einen Hauch von Hopfen, das ideale Bier für einen sonnigen Tag oder einen noch warmen Sommerabend.

Wochenend‘ und Sonnenschein

Im zweiten Innenhof vom Rathaus Geyerswörth finden wir die Brauerei Kraus aus Hirschaid. Deren Bier ist mir zu herbwürzig. Da muss man echt in Stimmung sein dafür, vielleicht so als erstes Bier des Abends, wenn man so richtigen Bierdurst hat und etwas Kräftiges will. Aber schon bald zieht es sich am Gaumen und man sehnt den Boden des Kruges herbei. Die Bamberger holen sich hier gerne noch ein zweites, die Oberpfälzer trinken das Nächste woanders.

So, was fangen wir denn nun mit den Bamberger Brauereien an? Die schenken ja auch auf der Kerwa aus. Etwa das Schlenkerla, da is ja immer alles dicht. Also vom Platz her. Die Menschen wohl auch. Die Bamberger Brauereien sind aber einen gesonderten Bericht wert (die kann man ja in Bamberg immer trinken).

Natürlich ist man in einer Universitätsstadt auch der Kultur verpflichtet, der literarische Genuss mundet vorzüglich!

Natürlich ist man in einer Universitätsstadt auch der Kultur verpflichtet, der literarische Genuss von „der alte Mann und das Bier“ mundet vorzüglich!

Eine Ausnahme mache ich mit dem Hemingway-Pils vom Mahrs Bräu. Das Hemmingway’s (tatsächlich so geschrieben) ist eine Innenhofbar in der Sandstraße, die nur zur Kerwa offen hat. Das Pils haben wir aber im Bolero getrunken, einem spanischen Restaurant, an den Ausläufern der Kerwa nahe der Schranne gelegen. Was das mit Kerwa zu tun hat? Endlich Kerwa spielt hier! Die Kultband! Peter Wackels Hit „Aber scheiß drauf, Malle ist einmal im Jahr“ ist ein Cover von „Aber scheiß drauf, Kerwa ist einmal im Jahr“ dieser fabulösen Band. Das Original ist natürlich um Lääääängen besser, wie man an den großen Textunterschieden sieht. Aber zur Abendgestaltung kommen wir noch. Wir waren beim Bier. Das Hemingway Pils trinkt man aus der 0,3er Flasche, eine ungewöhnliche Größe für ein Kerwa-Bier. Auch hier herrschen wie bei den meisten fränkischen Pilsenern eher milde Noten vor, das allzustark Hopfenbetonte norddeutscher Pilssorten sucht man hier zum Glück vergebens. Durchaus angenehm.

Dazu gibt’s noch einen Zimtlikör, der überraschenderweise gut schmeckt und an den Big Red Kaugummi erinnert.

Zum Schluss wollen wir eine Brauerei ganz besonders hervorheben, weil sie meiner Meinung nach das beste Bier der Sandkerwa braut. Hört hört! Für mich auf jeden Fall. Wenn ihr auch die Konkurrenz durch Sonne und Untergereuth dicht auf den Fersen ist. Dennoch ist sie stets ausgegrenzt vom bunten Treiben des Kerwa-Zentrums, jenseits der Markusbrücke. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Brauerei aus Forchheim kommt, und Bamberg die Konkurrenz aus der anderen Hauptstadt der kleinen Privatbrauereien fürchtet. „Wer probt, der lobt“ ist das Motto dieser Brauerei. Zwei Herren mittleren Alters schenken hier das Bier aus, irgendwie scheint man ihnen die Nähe zu Mittelfranken anzuhören. Der Name? Achja, Hebendanz. Nicht leicht zu merken, der Name, das Bier aber bleibt im Kopf. Nein, nicht im Schädel. Sondern am Gaumen! Es ist wie das Untergereuther und das Sonnenbier sehr mild und der Schaum bleibt ewig lang bestehen. Man kann den Krug durch die ganze Kerwa vom Markusplatz bis zum Rathaus Geyerswörth tragen, der Schaum hält! Das Hebendanzer hat aber neben leichter Fruchtigkeit noch einen kleinen, winzigen Tick Würze mit drin. Ein Bier also, das nicht ab irgendeinem Zeitpunkt die Geschmacksknospen einbappt und sich endlos hinzuziehen scheint, sondern unaufdringlich ist. Bescheiden bleibt und dennoch mit großartigem Geschmack punktet.

 

Übrigens: All diese Sorten wurden natürlich nicht an einem Abend durchprobiert, sondern in jahrelanger Arbeit einzeln durchgetestet. Und diese Tests werden natürlich auch die kommenden Jahre weitergehen. Denn tatsächlich gibt es jedes Jahr neue Sorten zu entdecken. Die Spannung hört nie auf, auf diesem bunten Bierfest im barocken Bamberg. Brrrr, mit so einem platten Alliterationsreigen in B-Promi-Qualität mag ich jetzt nicht aufhören. Was würde wohl ein Bamberger in so einem Moment sagen? Ach ja: Brosd!

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2 Kommentare

  1. solche Test bedürfen dringend einer Unterstützung.Bestätigung oder Widerspruch können natürlich einige Zeit in Anspruch nehmen,sind aber der Objektivität geschuldet.Bier bekommt man solange man noch Bier sagen kann. Glückliches Oberfranken-Gott erhalte alle kleinen Brauerein und die köstliche Vielfalt ihrer Genussbiere!!!

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