Die Sandkerwa – Der Tag

Wer so gegen Mittags von den Strapazen der vorigen Nacht erwacht, der hat in und um Bamberg viele Möglichkeiten, sein Gehirn wieder auf Vordermann zu bringen oder einfach nur so Schönes zu erleben. Ob im Norden, Süden, Westen, Osten, zur Sandkerwa darf man nicht rosten. Entschuldigung, aber intelligenter werden die Sprüche an solchen Tagen nicht.

Die lokale Gesundheitsbranche stellt sich auf die Kerwabesucher ein.

Die lokale Gesundheitsbranche stellt sich auf die Kerwabesucher ein.

Zuallererst begeben wir uns aber in die Teegießerei. Dort wird dem körpereigenem Kessel wieder Energie in Form von Teein oder Koffein zugeführt. Frühstücken können wir kurz in der Bäckerei Seel. Da gibt’s die besten Bamberger Hörnchen, bitte nicht zu lange in der Tüte lassen, da die aufgrund des immens hohen Buttergehalts durchsichtig wird.

Danach richtig happa happa. Eine Möglichkeit wären die verschiedenen Bier-Keller in Bamberg und Umgebung. Leider hat unser präferierter Keller, der Spezi-Keller in Bamberg. Geschlossen. Um nicht zu sagen, man versagt uns das Getränk! Sonst macht er immer um drei auf, nun ist Punkt drei Schankschluss. „Mia gehn etzad auf die Kerwa.“ Ahja. Wer außerhalb essen möchte, etwa das wunderbare Schnitzel von St. Georgen in Buttenheim im Süden, dem sei gewahr: Oftmals haben solche Wirtschaften geschlossen, weil selbst Kerwa im Ort ist. Die Bier-Keller sind aber meist geöffnet. Da gibt’s dann zwar keine Schnitzel, wohl aber Ripperln oder Fisch oder Brotzeitteller. Ebenfalls empfehlenswert ist die Gaststätte Brütting in Friesen. Hier gibt es zu extrem günstigen Preisen ordentliche Hausmannskost.

Der wilde Osten

Auch die Dörfer um Bamberg feiern meist zur gleichen Zeit Kerwa.

Auch die Dörfer um Bamberg feiern meist zur gleichen Zeit Kerwa.

Was bisher immer offen hatte, ist das legendäre Schnitzelhausen, alias Zeegendorf. Das liegt im Osten. Den Namen hat das Dorf von einer Wirtschaft, die gigantische und wohlschmeckende Schnitzel serviert. Hier kommt jeder beim Essen ins Schwitzen. Eine Ruhepause danach ist sehr zu empfehlen. Gleichwohl sind die Braten ebenfalls vorzüglich. Köstlich ist auch das St. Georgen Kellerbier im Steinkrug, das wir aber nicht trinken. Sondern ein Spezi. Die Bedienung grinst und wünscht uns noch viel Spaß auf der Sandkerwa.

Auf dem Bamberger Michelsberg finden wir neben einer wunderbaren Aussicht auf die Stadt das Brauereimuseum. Die Eintrittskarte ist ein Bierdeckel, sehr originell. In den Kellergewölben des Klosters St. Michael hat ein fleißiger Verein alles aus der Bierbraukunst früherer Jahrzehnte zusammengetragen. Museumpädagogisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit, aber für einen verregneten Nachmittag ganz nett. Dann noch schnell nebenan in das Café St. Michael. Die dortige Torte des Hauses sollte man aufgrund ihrer Buttercremigkeit und Weißerschokoladigkeit nur mit gaaanz hungrigem Bäuchlein genießen.

Go West!

Welch Dorfidyll in Oberharnsbach.

Welch Dorfidyll in Oberharnsbach.

Ebenfalls eine Reise wert ist der Bamberger Westen. Wir sind auf dem Weg zur Weinprobe. Doch plötzlich stellen wir fest: Hunger!!!! Naja, bei dem Fressen letzte Nacht eigentlich nicht, doch für eine Weinprobe braucht man eine gute Grundlage. In Oberharnsbach, an der B22 gelegen stehen viele Autos vor einer Wirtschaft. Und das am Montag? Muss wohl ordentlich gut sein. Wir stellen den Wagen neben einem Bauernhof ab, ein paar Katzen und freilaufende Hühner und Hähner grüßen freundlich. Ein Mann ohne Hals kommt uns entgegen, er grüßt nicht. Wir gehen zum Wirtshaus, am Hintereingang gibt es ein merkwürdiges Open-Air-Waschbecken, ein Schild fordert auf, die Schuhe abzuspritzen.

Einige weitere halslose Menschen weiter, und wir sitzen im Wirtshaus auf den Plätzen. Ohhhhhh, Kerwa is! Auch in Oberharnsbach. Wir bestellen gleich mal lecker Ente, wirklich gut. In der Speisekarte stehen ebenso gebackene Karpfen und der Grund für das Verschwinden den Hälse in Oberharnsbach: Schweinshaxen. Je nu, das gibt’s öfters. Schon, aber in diesem Ort wird die Haxe zusätzlich paniert oder frittiert. Krasses Essen für krasse Menschen. Das erste Mal, das wir uns gesünder ernähren als der Rest. Wir nehmen uns noch ein Kücherl mit, also einen Krapfen wie man hier sagt. Das ist erstens ein Riesenteil und zweitens unglaublich fantastisch gut. Ein wunderbar weicher Teig mit ordentlich Puderzucker drauf.

Der Franke an sich isst gern Wirsing als Beilage.

Der Franke an sich isst gern Wirsing als Beilage.

Das nächste Jahr wollen wir wieder dort essen, leider ist kein Gast da. Nanu? Die Wirtin erklärt uns, dass sie nie zu Mittag auf hätten. Und letztes Jahr? Ja, da war gleichzeitig deren Kerwa, dieses Jahr aber nicht. Also raus aus Ohnehalsbach und ab ins nächste Dorf, Grasmannsdorf. Denn da is auch Kerwa. Weltmeisterkerwa in schwarz-rot-gold in der Brauerei Kaiser. Die Suche nach einem Tisch gestaltet sich etwas schwierig. Endlich sitzen wir, und nur eine Stunde später kommt das Essen. Die Entenbrust ist wirklich fein mit toller Rosmarinnote, die Soße hätte etwas weniger Salz vertragen können. Der Sauerbraten spielt ganz, ganz vorne in der Liga, die Roulade ist ein Gedicht. Der Käsekuchen dagegen geht so, der Krapfen ist recht hart, also da haben wir schon viele bessere gegessen.

Kultur en masse

Auf dem Weg weiter zur Weinprobe kommen wir an der Zisterze Ebrach vorbei. Die ehemalige Zisterzienserabtei ist mittlerweile ein Jugendgefängnis. Hier können sich die Jugendlichen mittels landwirtschaftlicher Betätigung auf den großen Ländereien resozialisieren. Die Kirche selbst und der Park ist zu besichtigen und wunderschön. So eine Kirche auf dem Land gibt es wohl kein zweites Mal, der Bau kann locker mit den berühmten französischen Kathedralen mithalten. Die riesige Rosette strahlt in den buntesten Farben, trotz der Pracht kann hier auch die Seele zur Ruhe kommen. Eine Weltkarte mit Stecknadeln zeigt uns, dass hier schon die ganze Welt zu Gast war.

Auch im Westen, aber viel viel näher: Bischberg. Hier treffen wir im Brauereigasthof zur Sonne einen Exilfranken, der seine Familie in Leipzig mit einem Familienausflug nach Bamberg beglücken will. Die Leberknödelsuppe ist die beste der Welt überhaupt, die Schnitzel stell ich eher hinten an. Obwohl das Sonnenbier recht fein ist, trinken wir alle schön brav Spezi bis Apfelschorle.

DAS Meisterwerk barocker fränkischer Baukunst darf bei einem Kerwa-Ausflug nicht fehlen!

DAS Meisterwerk barocker fränkischer Baukunst darf bei einem Kerwa-Ausflug nicht fehlen!

Fehlt noch der Norden. Dorthin fahren wir zu fünft in einem Kleinwagen, um die hochberühmte Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen zu besuchen. Vorbei am Staffelberg und Kloster Banz. Zu Recht nennt man diese Gegend den Garten Gottes. Den Rest der Strecke gehen wir zu Fuß, und bewundern das helle, lichte Meisterwerk Balthasar Neumanns. Auf der Rückfahrt bleiben wir auf der A73 in einem Stau stecken. Die Zeit zieht sich, wir wandern etwas über die Autobahn und kaufen bei einem freundlichen Busfahrer weiter vorn Getränke. Auch tagsüber den Flüssigkeitshaushalt immer im Auge haben!

Achja, und wer ganz fleißig sein will, der geht in die TB1. Die Teilbibliothek 1 ist die wohl schönste Bib der Bamberger Uni. So stellt man sich eine ehrwürdige Universitäts-Bibliothek vor, mit hohen Decken, einer Galerie, einem Kellergewölbe und viiiiiiieeeeeel Holz. Hier gibt’s genügen theologische und philosophische Literatur, um neue Perspektiven zu bekommen, einmal über den Sinn des Lebens nachzudenken, innezuhalten, und sich von ganz tief drinnen über die Kerwa und ihre Menschen zu freuen.

 

Vorher haben wir das Essen und das Bier getestet. Hier gehts weiter zur Kerwa-Nacht.

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