Fränkisches Fast Food im Mittags-Mahr

Ein niedriger Gang führt ins Wirtshaus.

Ganz schön niedrig, beeindruckend die Steinquadern am Fußboden.

Bei fränkischem Fast Food denkt man wohl zuerst an Nürnbergs Drei im Weckla oder an Coburger Bratwürste, der Kenner vielleicht noch an Hofer Batscherle. In Bamberg gibt’s freilich auch die ein oder andere Bratwurst, doch wer in der Mittagspause Hunger aber wenig Zeit hat, der kann sich in dieser Stadt sogar auf einen Braten einlassen.

Der Gasthof der Brauerei Mahr in Bamberg befindet sich im Stadtteil Wunderburg, der im 14. Jahrhundert entstand. Schöner Name für ein schönes Viertel der Domstadt. Gleich gegenüber dem Mahr ist die Brauerei Keesmann, aber die besuchen wir ein andermal.

Es regnet, also kein Biergartenbesuch, der sich direkt vor der Brauerei befindet. Unter einem vom Sonnen- zum Regen- umfunktionierten Schirm stehen allerdings ein paar ganz Harte und lassen sich den Biergenuss im Freien nicht verderben. Sind das vielleicht sogar die berühmten Stehgammler? Die gehören einem besonderen Stammtisch an. Die Stehgammler kommen aus verschiedenen Berufen nach Feierabend zusammen und trinken ihr Bier im Stehen. Logisch. Im Eingangsflur können sie ihre Krüge auf Seitenborden abstellen. Je nun, sowas gibt’s öfter. Aber im Flur des Mahr gibt es noch einen gemauerten Schrank, in dem jeder Stehgammler seinen eigenen Krug verwahrt. Scheidet einer aus der Gruppe aus, kann einer nachrücken, aber nur wenn er aus der Wunderburg stammt.

Scharrrrrrrf.

Scharrrrrrrf.

Der Ausschank.

Der Ausschank.

Ich trete in einen niedrigen Gang ein, rechterhand ist die Wirtsstube. Nochmal rechts in der Stube ist der Ausschank, er hat eine Durchreiche zum Gang. Das Bier kommt aus Eichenholzfässern, sehr klassisch. Die Tische sind alle belegt, sogar das Nebenzimmer ist mit Omas völlig ausgefüllt. Ich setze mich in der Hauptstube an einen Tisch mit dazu. Man hört fränkisch, italienisch, preußisch, viele junge Leute sind da, Touristen und Einheimische. Eine schöne Mischung. Bereits 1602 wird eine Brauerei auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei erwähnt, daher hat wohl auch das „Brenner-Stübla“ seinen Namen. Nach einem Brand wurde das Gebäude 1683 wieder aufgebaut, die Wirtsstube stammt wohl noch aus dieser Zeit. Die Innengestaltung ist jünger, aber immerhin vom Ende des 19. Jahrhunderts. Wir finden einen schönen Kachelofen und eine Wandvertäfelung, an die man sich anlehnen kann. Die Brauerei steht hinter dem Gasthof und wurde 1907 im Jugenstil errichtet.

Der Wirt kommt bald an meinen Tisch und fragt mich, was ich haben will. Zunächst natürlich einmal die Karte. Vorher aber will er wissen, was ich denn trinken möchte. Das muss ich jetzt aus dem Stegreif schon sagen, uffff. Zum Glück weiß ich das Helle zu schätzen, also bestelle ich ein kleines. Das kommt prompt und schmeckt ziemlich nach Kupfer, aber man kann es gut trinken. Die Karte besteht aus einem DIN A 4 Blatt auf einem Klemmbrett. Ja nicht zu viele Umstände machen.

Das Publikum ist bunt gemischt, obwohl das Mahr's nicht im Stadtzentrum liegt, scheint es auch für Auswärtige ein Tipp zu sein.

Das Publikum ist bunt gemischt, obwohl das Mahr’s nicht im Stadtzentrum liegt, scheint es auch für Auswärtige ein Tipp zu sein.

Es gibt Bratwürste, Schäuferle und auch Krenfleisch. Das ist eine Ochsenbrust in Meerrettich-Soße für 9,70 Euro. Die bestelle ich und kaum habe ich mich zweimal umgedreht, steht sie schon auf dem Tisch.

Hu, der Meerrettich ist schon arg scharf, aber das Fleisch ist zart und mit den Preiselbeeren ist die Schärfe erträglich. Der Knödel ist gut, besonders fein die Semmelbrocken innen drin, da schmeckt man das Angeröstete voll raus. Die Geschwindigkeit geht demnach nicht zu Lasten der Qualität. Der Mann gegenüber von mir am Tisch knipst sein Essen, ein Tourist. Ihm schmeckt es ebenfalls.

Weniger als eine halbe Stunde, nachdem ich das Lokal betreten habe, bin ich schon wieder raus. Der Mittagstisch im Mahr’s ist also sowohl zeitlich für eine Mittagspause super geeignet, als auch geschmacklich. Ein solch fränkisches Fast Food mit 400-jähriger Historie lässt jeden Schnellimbiss alt aussehen. Und die volle Bude beweist, wie gut die fränkische Küche für eine rasanten Zukunft gerüstet ist. Mahlzeit!

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