Leben wie Gott in Franken

Frühstück! Bevor wir uns einen Tee in der Teegießerei genehmigen, erst mal ein Croissant? Pfui, sowas nimmt der Franke nicht in den Mund! Der Franke isst natürlich ein Bamberger Hörnla. Nicht zu verwechseln mit den (Plural) Bamberger Hörnla. Das ist eine besonders wohlschmeckende alte Kartoffelsorte. Unser Bamberger Hörnla (Singular), das wir in der Früh essen, ist ein Butterhörnchen. Betonung liegt auf Butter. Denn seit dem Bamberger Hörnchenkrieg 1977 (nicht zu verwechseln mit dem Ismaninger Kraut- und Knödelkrieg 1550 – 1650) muss Butter drin sein, und keine Margarine. Und wohl kein anderer Bäcker tut so viel Butter in seine Hörnla wie der Seel. Darum schmecken sie herausragend und wahnsinnig saftig, aber sie sollten so bald wie möglich verspeist werden. Denn durch das viele Fett wird die Papiertüte schnell durchsichtig wie eine Glasscheibe und kann durchfetten.

Nun waren wir auch bei der Teegießerei und haben Hunger. Mittagessen! Wir gehen zur Metzgerei Hornung und probieren da die Pizzabrötla (also aufgeschnittene Semmeln mit Pizzabatz überbacken). Ebenfalls empfehlenswert die Wienerln und die Hackfleischküchlein. Die haut man als Hamburger auf den Grill, sie schmecken besonders gut, weil die Hornunger Petersilie mit reinmischen, ein Gedicht! Ein Gedicht ist ebenso die Dame hinter der Theke, Typ Oma-Verkäuferin mit einem herrrrrrlich rrrollenden frrrränggischen Rrrrr. Diese Hackfleisch-Kücherln habe ich einmal zu einer Grillfeier am Marienplatz mitgenommen. Eine wunderschöne großräumige Stundenten-WG mit kleinem Balkon, netten Leuten und sogar einem Mitbewohner, der als Straßensänger sein Geld verdient. Auf dem kleinen Balkon stand nun der Grill, und die Herren des Hauses schürten ordentlich ein. Mit Buchenholz. Nur leider wussten sie nicht, dass man Holz lieber trocken verheizen sollte. Unseres war feucht. Sehr feucht. Dementsprechend gab es eine gewaltige Rauchentwicklung. Und die Nachbarn drüber hatten gerade ihre Bettwäsche zum Lüften rausgehängt. Von was die wohl in der Nacht geträumt haben? Vielleicht von den Petersilien-Hackfleisch-Kücherln.

Wir ziehen weiter und kommen zum China-Fan Imbiss. Hier sind die gebratenen Nudeln zu probieren. Nicht weil sie besonders toll schmecken, das passt schon, das Gesicht glänzt nach dem Essen vor Öl, sondern weil You Xie, der Besitzer, mit dem Einkommen jahrelang die Zeitschrift European Chinese News herausgegeben hat. Der Laden ist in Bamberg einfach Kult! Außerdem setzt sich der chinesische Diplom-Germanist für Menschenrechte in China ein (ausführliche Geschichte folgt!). Dass vor einigen Jahren genau gegenüber ein anderer China-Imbiss aufgemacht hat, sehe ich mit Argwohn. Steckt hier der chinesische Geheimdienst dahinter? Beweise habe ich keine und ich will auch keine Gerüchte in die Welt setzen, aber man macht sich ja schon so seine paranoiden Gedanken.

Weiter, weiter! Wem der Sinn immer noch nach fleischlichen Genüssen steht, dem empfehle ich die Metzgerei Kalb in der Theuerstadt. Die bietet herausragende Süßholzbratwürste und Süßholzschinken an.

Den Freunden des Leberkäses sei dagegen die Metzgerei Liebold in der Sandstraße an Herz und Arterien gelegt. 2,50 Euro zahle ich für die Semmel, ein schon gehobener Preis. Der aber völlig gerechtfertigt ist. Also so ein Leberkas! Er ist mittelgrob, wunderbar saftig, der Metzger verwendet für das Grundbrät laut eigener Aussage reines Schnitzelfleisch. Und erst die Kruste! Die schmeckt wie bei einem richtig reschen Schweinebraten. Auch die Semmel, das Brötla, ist über und über mit Kümmel bedeckt, ein Traum. Wer keinen Kümmel mag, bekommt auch eine normale Semmel. Kurzum: DER Leberkäse!

Wer dagegen das bislang beste von mir getestete Brot des Freistaates kosten möchte, dem sei die Bäckerei Schüller empfohlen. Die muss man etwas länger in einem Wohngebiet suchen, allerdings ist der Spaziergang jedem gedankt, denn er führt durch den Hain und am wunderschönen Staatsarchiv vorbei. Hier muss der Besucher das Kräuterbrot und das Sappelbrot essen. Das was? Sappelbrot ist ein flacheres Bauernbrot. Weil es wegen der Flachheit viel mehr Kruste im Verhältnis zum Volumen hat, schmeckt es viel würziger und intensiver. Außerdem hat es Demeter-Bio-Qualität.

Desserts

Achja, ein Dessert wäre nun auch nicht schlecht. Im Sommer natürlich ein Eis. Manche schwören auf das Bassanese, wer etwas verquere Sorten probieren will, dem empfehle ich das Riffelmacher. Das japanische Reiseis ist so lala, aber das Lavendeleis, huiiiii. Solltet ihr jedoch irgendwo Rauchbiereis finden, lasst bloß die Finger davon!!! Schmeckt so gräuslich wie das Schlenkerla Rauchbier, nur halt als Eis.

Ein Süßgebäck, von dem jeder schwärmt, sind die Schokoschnecken vom Kapuziner-Beck in der Kapuzinerstraße, gleich neben der Metzgerei Hornung. Die sind sooooooo saftig und schokoladig, unglaublich. Wenn die aus sind, was leider viel zu oft vorkommt: Die Rosinenschnecken probieren. Ganz toll bei diesem Bäcker: Man bekommt immer noch eine halbe Semmel oder ein anderes kleines Gebäckteilchen mit in die Tüte gepackt. Und die Kosten sind nicht allzu wild: in 10 Jahren hat der Kapuziner den Preis für die Schnecke von 1 Euro auf 1,05 Euro erhöht. Solche Preissteigerungen trägt auch ein Oberpfälzer Geldbeutel.

Für den Spargel kehren wir wieder in die Lugbank zurück. Neben der Bäckerei Seel gibt es Obstgeschäft, die äußerst delikaten Spargel führen. Der kommt allerdings nicht aus der Bamberger Region, da die hiesigen Spargels mir und der Verkäuferin etwas zu sandig schmecken.

Wer auf noch mehr Gemüse steht, der kann bei der Gärtnerei Niedermaier in der Gartenstadt einkaufen. Die ist Bioland zertifiziert und versucht, alte Bamberger Sorten wieder auf den Markt zu bringen.

Für weitere Spezereien wende sich der geneigte Leser an den Bauernmarkt, Samstag Vormittag in der Promenadenstraße. Da gibts köstliches vom Bauernhof, zum Beispiel überragende Sauergurken aus Röthlein. Die werden übrigens auch auf dem Würzburger Markt feilgeboten.

Die Bamberger haben das savoir vivre zu einem äußerst vernünftigen Preis. Hier lässt sichs leben wie Gott in Franken.

Selbstverständlich ist diese Liste noch lange nicht komplett und wird im Laufe der Zeit weiter vervollständigt.

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Ein Kommentar

  1. Nürnberch is ja a net zu verachten Im Frankenland kann man heimische altdeutsche Gerichte geniessen in historischen Gasthäusern.Urig gehts im Bratwurstglöckle zu wo man die orginal Nürnberger Würstla mit Kraut auf einem Zinnteller serviert bekommt.Wers eilig hat kann sich für nur 2.40 Euro,3 von den kleinen Würstla in a Weckla packen lassen und mitnehma.Für den grösseren Hunger gibts Wirtshäuser wo gut und gern Schäufala mit Knödla gessn werden und wennst dann noch als Vorspeis a Hochzeitsuppn bestellst dann bist aber satt mein lieber Schwan.In der Suppn is alles drin was ein Herz begehrt Leberknedla ,Griessnockerl und Pfannakouchn.Ein eigenenes Kapitel ist dann noch der Frankenwein .Ich hatte diesen als Sauerrampfer in Erinnerung musste aber dann feststellen ,dass es davon auch sehr edle und wohlmundende Weine gibt.Ja mei und dann is Nürnberch auch noch die Lebkuchenstadt obwohl Fürstin Gloria ja drauf schwört dass die besten Lebkuchen nicht aus Nürnberg kommen sondern in einer Waldsassener Backstube elaboriert werden .Aber darüber kann man streiten.Fest steht dass ich in Nürnberg eine Lokalität fluchtartig verlassen musste ,denn sonst wär ich wahrscheinlich geplatzt und das nachdem ich bereits auf ein Dessert verzichtet hatte.Fazit ,3 Tage Nürnberg 3 Kilo zugenommen Ich glaube kaum in einer anderen Stadt findet man so viel regionale Tradition in der Küche und dass bei sehr zivilen Preisen.

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