Genusswürdigkeiten

Im Vergleich zu den süddeutschen Boomregionen kann Oberfranken mit Wirtschaft nicht punkten. Aber dafür mit erlesenen Gaumenfreuden zu Preisen, die sogar Schwaben erfreuen. Mittlerweile hat man sich selbst den Namen „Genussregion Oberfranken“ gegeben. Meiner Meinung nach völlig zu Recht. Eine Übersicht über die regionalen Spezialitäten findet man hier.

Die Teegießerei

Einen der besten Tees im Freistaat kann man in der mit Abstand schönsten Teestube Bayerns in der Teegießerei trinken. Wo? Natürlich in Bamberg. Freilich gibt es dort auch guten Tee im Mohrenhaus oder im Riffelmacher (hier unbedingt die monatlich wechselnden Eissorten probieren, es gibt welche die begeistern, und welche die entgeistern). Dort kann man sich den über die Obere Brücke flanierenden Menschen darstellen und die Bedienungen sind meist hübsch.

Für den echten Teekenner sind das natürlich Schmonzetten!

Vom Mohrenhaus und dem Riffelmacher Richtung Teegießerei muss man durch’s Alte Rathaus durch

Die Teegießerei liegt etwas abseits der großen Touriströme, aber immer noch im Zentrum, am Fuße des Dombergs, genauer am netten Pfahlplätzchen. Schon der Eingang ist gediegen, er wirkt fast altenglisch, aber weit entfernt von den kitschigen Englandläden, die in den Innenstädten sonst so sprießen. Untergebracht in einem ehrwürdigen Haus, gleich neben der ehemaligen Wirkungsstätte Georg Friedrich Wilhelms Hegels, hat die Teegießerei sehr hohe, stuckverzierte Decken. Das ist in Bamberg nicht ungewöhnlich, viele Studentenzimmerchen haben sowas. Aber die Einrichtung ist ebenfalls sehr gediegen und augenschmeichelnd. Die Wände in grün oder rot tapeziert, es gibt Ohrensessel und schöne Tische. Dazu liegen Zeitungen aus, damit der zwölfte Earl von Soundso und Max Mustermann stets über den Lauf der Welt informiert sind. Sherlock Holmes könnte nicht besser wohnen. Besonders lohnenswert ein Besuch während der Sandkerwa. Früher hatte die Teegießerei da geschlossen, aber seit sie unter neuer Führung ist, ist diese Unsitte Gott sei Dank vorbei.

Übertrifft das Adlon um Läääängen

Die Karte an Tees ist reichhaltig, und ja, es gibt auch Kaffee. Dazu natürlich noch Teegebäck oder Kuchen. Es braucht zwar einige Zeit, bis die Tees dann am Tisch stehen, aber dafür sind sie sehr schön angerichtet und jeder bekommt eine Sanduhr neben das Kännchen gestellt. Damit weiß man dann, wie lange der Tee noch ziehen muss. Sowas ist nicht selbstverständlich. (Sogar im ach so noblen Hotel Adlon wird einem nicht gesagt, wie lange der Tee noch ziehen muss oder wie lange er schon gezogen hat. Bei grünem Tee absolutes Geht-ja-wohl-gar-nicht! Die Bedienung war zwar nett, hatte aber eine Laufmasche und auf der Untertasse sind Fussel. Schön, dass man sich für so einen Tee dann dumm und deppert zahlen darf.)

In der Teegießerei sind die Preise akzeptabel und der Geschmack des Tees gut (nur noch übertroffen vom Dallmair in München, der ist aber weniger heimelig, oder der tadschikischen Teestube in Berlin, diese ist aber teurer). Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie eingeschworene Kaffeetrinker nach einer durchfeierten Nacht sich hier an den Fleischtöpfen (im übertragenen Sinne!) des Teeangebotes laben. Also: Wer in Bamberg ist und eine Auszeit vom Trubel der Sehenswürdigkeiten braucht, kommt an der Teegießerei nicht vorbei!

Öffnungszeiten Di bis So 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr.

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