Kloster Banz

Das politische Zentrum im Norden Bayerns liegt nicht in Nürnberg, Ansbach, Würzburg oder Bayreuth, sondern in einem Kloster. Einem ehemaligen Kloster. Ein Kloster mit einem Namen, der schon nach Macht klingt. Oder wie eine pompöse Automarke. Benz? Bonz? Banz! Das wars! Nachdem die Mietpreisbremse zu spät griff und Wildbad Kreuth wegfiel, ist es DER Ort, an dem sich die Staatsregierung zur Klausur zurückzieht. In den ehemaligen heiligen Räumen erhofft sie sich die Erleuchtung durch den weisen Ratsschluss des Allerhöchstens. Will man meinen.

Der pompöse Innenhof ist eine würdige Einfahrt für den Landesvater wie auch für weitere Duodezimalfürsten der Partei.

Der pompöse Innenhof ist eine würdige Einfahrt für den Landesvater wie auch für die Duodezimalfürsten der Partei.

Auf den ersten Blick ist der Biergarten der Hennenmänner und -frauen ganz nett.

Auf den ersten Blick ist der Biergarten der Hennemänner und -frauen ganz nett.

Bevor wir das Barockkloster der Hanns-Seidel-Stiftung besuchen, müssen wir uns erst einmal stärken. Ein Tippgeber hat uns den Ort Stublang empfohlen. In diesem Nest gibt es gleich zwei Brauereien, Dinkel und Hennemann, beide mit Brauereigasthof. Der Dinkel sieht uns von außen aber zu arg modernisiert aus (vor einigen Jahrzehnten), also fahren wir weiter. Der Hennemann ist allerdings nicht viel originaler, aber jetzt drehen wir nicht mehr um. Wir setzen uns in den Biergarten. Am Nebentisch sitzt ein Berliner Pärchen. Die fahren seit 30 Jahren in Bayern Kanu, auch in der Oberpfalz bei Falkenberg. Schnell stellen wir fest, dass wir dort die selben Leute kennen. So klein ist die Welt. Die Reisen ins gelobte Land haben die beiden jung gehalten, den Mann schätze ich auf irgendwas 60, derweilen ist er schon 83. Sauber.

Schön ausschauen tut's auf jeden Fall.

Schön ausschauen tut’s auf jeden Fall.

Weil es recht heiß ist und wir im Auto gscheid was rausgeschwitzt haben, greifen wir erst einmal zur Johannisbeerschorle. Die ist allerdings schon arg süß. Ein kleines Lager gönne ich mir zum Schluss, das ist ganz gut, etwas metallisch. Die Bedienung hat anscheinend viel zu tun, wir müssen doch einige Zeit warten, bis wir bestellen können. Das Essen kommt dann auch mit zeitlichem Unterschied an den Tisch.

Die Kartoffelsuppe geht eigentlich, sie ist nett garniert mit Kräutern, die Croutons darauf schmecken aber etwas nach Glutamat. Der Schweinebraten ist ordentlich, vier, bzw. fünf Scheiben Fleisch, davon sollte man satt werden. Auch hier ist er nett angemacht mit diversen, hm, Pflanzen. Das Bohnengemüse passt, mal eine schöne Alternative zu den oftmals immergleichen Salattellern. Im Knödel finden wir aber wieder die Croutons, die nach Glutamat schmecken. Selbiger Geschmack kommt auch in den Pfifferlingen mit Spätzle vor, sogar in den kleinen Melonenstücken, die freundlicherweise zur Garnierung gehören. Seltsam.

Eine ordentliche Portion, man hat sich beim Anrichten Mühe gegeben.

Eine ordentliche Portion, man hat sich beim Anrichten Mühe gegeben.

Der Biergarten ist in einem Hof und auf den ersten Blick ganz putzig. Allerdings fällt auf, dass er mit allem möglichen Zeugs vollgestopft ist. Chinesische Krieger der Terrakotta Armee hängen an der Wand neben einem Netz voller Walnüsse. Ein alter Spruch ist an die Wand geschrieben, leider aber nicht vollständig lesbar. Ein Flachbild TV und eine Deutschlandfahne verdecken ihn. Daneben hängen seltsame Orchideenbilder mit dem Wort „home“ an der Wand, wie in einem „jugendlichen“ Beispielzimmer im Möbelhaus. Nenene, das wirkt einfach wie Kraut und Rüben. Irgendwie kommt es mir so vor, dass auch in anderen Gasthöfen die so „eingerichtet“ sind, gern zu Glutamat gegriffen wird. Also da sollte etwas striktere Linie gefahren werden.

In der Stiftungslobby wacht Christus persönlich über die Gäste.

In der Stiftungslobby wacht Christus persönlich über die Gäste.

So, jetzt aber auf nach Banz, die Führung beginnt um 14:00 Uhr, und die gibt’s nicht allzu oft im Monat. Das Kloster ist recht gut ausgeschildert, wir brausen den Berg nach oben. Dort ist der Parkplatz an Feiertagen, Samstagen und Sonntagen kostenpflichtig (1,50 Euro). Also wenn die Besucher kommen. Mei, was ist die Stiftung der Partei schlau!

Eigentlich müsste man unten im Museum beim Eingang zahlen für die Führung, weil wir aber so spät dran sind, ruft die Dame schnell oben im Haupthaus an, darum wird uns Einlass gewährt und wir können noch teilnehmen. Den Eintritt von 3,50 Euro pro Nase haben wir dann am Ende nachbezahlt.

Hier wissen Kanzler und andere Staatsgäste gleich, dass man sich den bayerischen Forderungen unterzuordnen hat.

Ein Bündnis von Thron und Altar? Die Kirche gehört tatsächlich nicht der Stiftung.

Hier wissen Kanzler und andere Staatsgäste gleich, dass man sich den bayerischen Forderungen unterzuordnen hat.

Hier wissen Kanzler und andere Staatsgäste gleich, dass man sich den bayerischen Forderungen unterzuordnen hat.

Graf Hermann von Habsburg-Kastl stirbt bei einem Turnier.

Graf Hermann von Habsburg-Kastl stirbt bei einem Turnier.

Im reich mit barockem Stuck und Deckengemälden ausgestatteten Kaisersaal erfahren wir die Legende und die vermutete Realität der Klostergründung. Legende: Ein Markgraf nimmt verbotenerweise an einem Turnier teil und stirbt. Der Leichnam darf daher nicht in geweihter Erde bestattet werden. So pilgert seine Witwe Alberada nach Rom und bittet den Papst, das Verdikt zurückzunehmen, was ihr unter der Buße einer Klostergründung gewährt wird. Das soll im Jahre 1070 geschehen sein. Die Realität schien wohl anders. Der Sohnemann des markgräflichen Paares brach im Eis ein und starb, die Tochter heiratete einen Ritter, also weit unter Stand und ging ihrer Ansprüche verlustig. Darum spendeten die Eltern den Besitz der Kirche. Das Kloster wurde in den vielen Jahrhunderten mehrfach zerstört, zeitweise verlassen. Seine jetzige Form im süddeutsch-böhmischen Barock fand es zu Beginn des 18. Jahrhunderts, erschaffen von den Gebrüdern Dientzenhofer, die ja auch das Kloster Speinshart gestalteten oder am Kloster Waldsassen mitarbeiteten. Den Stuck gestalteten die Vogel-Brüder, weshalb wir im reichen Rankenwerk zwischen all den Putti auch einige Vögel suchen und finden.

Seine Witwe Alberada von Schweinfurt pilgert zum Papst

Seine Witwe Alberada von Schweinfurt pilgert zum Papst

Im Kloster, das immerhin eine Fläche von drei Hektar einnimmt, lebten aber bis zur Säkularisation nie mehr als 33 Mönche gleichzeitg. Die betätigten sich aber fleißig in der Wissenschaft. Die Wittelsbacher kassierten das Kloster ein und nutzten es als Sommerresidenz, auch Gäste wie die russische Zarin kamen gerne zu Besuch. Viktor von Scheffel dichtete hier 1859 das Frankenlied „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein“. Nach dem ersten Weltkrieg wechselte das Kloster die Besitzer und verfiel immer mehr. Die Ländereien blieben im Besitz der Königsfamilie und kamen durch Heirat in Besitz des Erbprinzen Alois von Liechtenstein. Weil sich keiner des Klosters annehmen wollte, konnte die Hanns-Seidel-Stiftung 1978 ein Schnäppchen machen und den Kasten für eine Mark kaufen. Freilich musste sie auch etliche Millionen in die Sanierung und den Erhalt stecken, aber dafür haben sie wohl die schönste Aussicht in Bayern nach Neuschwanstein bekommen. Dazu gleich mehr.

Die Bamberger und Würzburger Heiligen in trauter Harmonie mit dem Plan des Klosters.

Die Bamberger und Würzburger Heiligen in trauter Harmonie mit dem Plan des Klosters.

Das wurde wohl noch an die alte Adresse geschickt.

Das wurde wohl noch an die alte Adresse geschickt.

Neben dem Kaisersaal befindet sich das Fürstenzimmer. Auf dem Deckengemälde die einzige Darstellung des Plans von Banz und die Heiligen Heinrich und Kunigunde für Bamberg und Kilian für Würzburg. Die beiden Bistümer waren nämlich die Aufseher über Banz und stritten sich gerne darum, wer denn nun für den jeweiligen Neubau aufkommen sollte. Auf den Gängen wird Kaffee geboten, der ist aber für die Teilnehmer der Stiftungs-Seminare reserviert. Übrigens verleiht die Stiftung im Sommer auch Musikpreise, manche davon gehen auch an Liedermacher, die sich an der Politik der CSU in sehr bissig-satirischer Weise auf- und abarbeiten.

Zimer 209. Allerdings schrieb noch keiner der Gäste "Redrum" an die Wand. Bisher.

Zimer 209. Allerdings schrieb noch keiner der Gäste „Redrum“ an die Wand. Bisher.

Wir gehen weiter und stehen auf einmal vor dem Zimmer 209. Das ist im Hause so ein Tabu wie das Zimmer 237 des Overlook Hotels in „Shining“. Es ist seit einem Vorfall für Führungen geschlossen. Was hat es damit auf sich? Es ist eine Suite und für Größen wie Angela Merkel vorbehalten, die hier auf der Klausur Station machen. Doch auch Fürstin Gloria von Thurn und Taxis nutzt es gern, wenn sie hier an einem Seminar der Stiftung teilnimmt. Eines Winters wollte eine Führerin ihrer Gruppe die besondere Aussicht aus dem Zimmer zeigen und marschierte mit ihren 30 Leuten ins Schlafzimmer von Fürstin Gloria, die unbekannterweise schon eingecheckt war und sich dort hingelegt hatte. Quelle surprise! Seitdem ist es für Führungen verboten. Für immer und immer und immer!

Gegenüber in der Ferne das eingerüstete Vierzehnheiligen. Zu unseren Füßen der Gottesgarten.

Gegenüber in der Ferne das eingerüstete Vierzehnheiligen. Drumrum der Gottesgarten.

Ludwig I., einer der besten bayerischen Könige, war im persönlichen Umgang eher auf Sparsamkeit bedacht, doch für ein gscheides Gemälde muss man sich halt auch mal im Hermelin-Outfit präsentieren.

Ludwig I., einer der besten bayerischen Könige, war im persönlichen Umgang eher auf Sparsamkeit bedacht, doch für ein gscheides Gemälde musste er sich im Hermelin-Outfit präsentieren.

Stattdessen schauen wir uns die Maintalterrasse an. Oh wie schön ist Frankonia! Eine Aussicht, fantastisch. Zu unseren Füßen der so genannte Gottesgarten, das Maintal zwischen Banz und der berühmten Rokoko-Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen auf der anderen Seite. Daneben sehen wir den Staffelberg, den wir ja schon einmal besucht haben. Etwas weiter noch ist der Veitsberg mit der größten freistehenden Ansammlungen von Lindenbäumen in Europa. Ahja. Theroretisch könnte man auch nach Coburg sehen, aber da versperren Bäume die Sicht.

Jetzt wird’s weniger romantisch, wir sind nun im abhörsicheren (Stand 1983) Konferenzraum. Wurde hier schon die Zukunft der freien Welt verhandelt? Es gibt sogar Kabinen für Dolmetscher. Als der Vertreter des eher unfreien Osteuropas, Viktor Orban 2015 zu Gast war, verlagerte man die Pressekonferenz jedoch in den Kaisersaal. Da durfte das ungarische Alfamännchen auch auf einem Podest stehen, der Größenunterschied zu unserem Landesvater war dann doch zu gewaltig.

Der massive CSU-Barock der 1980er Jahre. Irgendwo soll es auch noch ein Schwimmbad geben.

Der massive CSU-Barock der 1980er Jahre. Irgendwo soll es auch noch ein Schwimmbad geben.

Zum Schluss der Führung besuchen wir dann noch das Museum. Hier finden wir einmal eine Petrefaktensammlung, also Fossilien, wie den mit 2,10 Metern größten Kopf eines Fischsauriers in ganz Europa. Den konnte ein fossilienbegeisterter Pfarrer im Anfang des 19. Jahrhundert sicherstellen. Und die Orientalensammlung von Herzog Max von 1838, dazu gehören unter anderem ein vier Meter langes ausgestopftes Nilkrokodil und eine ägyptische Mumie.Bemerkenswert die ungewöhnliche nicht symmetrische Handhaltung der im 7. Jahrhundert vor Christus gestorbenen Frau.

Die Klosterkirche beeindruckt ebenfalls durch ihren Barock, wobei sie innen gar nicht mal so groß ist wie man es für die riesige Klosteranlage vermuten würde. Sie gehört aber der Gemeinde und nicht zur Stiftung.

Die Klosterkirche von außen.

Die Klosterkirche von außen.

Und von innen.

Und von innen.

Ein Bild wie Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts.

Ein Bild wie Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts. Der Bauzaun ist eine Leihabe des beginnenden 21. Jahrhunderts.

Jetzt sind wir aber wirklich durch, die Füße tun weh und heiß ist es immer noch. Da lockt das Klosterstübla. Die Maracujaschorle ist hervorragend, das Essensangebot sehr anregend, der selbstgemachte Apfelstrudel wurde durchaus als schmackhaft bewertet. Und: Man sitzt unter schattigen Bäumen, neben einem Brunnen, vor einem herrlichen Barockkloster, also recht lauschig. Auf dem Herren-Klo findet sich neben zwei Deos eine Dose ultrastarker Haarlack. Wahrscheinlich, damit sich die CSU Granden vor ihrem Presseauftritt noch einmal stylen können.

Jeder weiß, dass die CSU Leichen im Keller hat, diese stammt sogar aus dem 7. Jh. vor Christus.

Jeder weiß, dass die CSU Leichen im Keller hat, diese stammt sogar aus dem 7. Jh. vor Christus.

Vierzehnheiligen oder den Staffelberg zu besuchen, das schaffen wir heute leider nicht mehr. Aber liebe Leute, wer immer auf Besuch nach Bayern kommt, fahrt nach Banz und macht auf jeden Fall die Führung mit! Denn das Kloster ist nicht nur für hochbrisante CSU-Entscheidungen bekannt, es ist einer der schönsten Orte Bayerns! Und mit der Aussicht von der Mainterrasse kann sich sicherlich auch ein Gegner der Staatspartei anfreunden.

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