Zum goldenen Löwen in Dörflas

Das Anwesen war früher Wohnsitz eines Adelsgeschlechts.

Das Anwesen war früher Wohnsitz eines Adelsgeschlechts.

Wer an denkmalgeschützte Gasthöfe in Oberfranken denkt, dem kommen wohl zuerst Bamberg und die Orte drumrum in den Sinn. Tatsächlich aber gibt’s auch im Marktredwitzer Ortsteil Dörflas ein wunderbar altertümliches Wirtshaus, das sich optisch wie schmausig zu besuchen lohnt. Während Marktredwitz früher böhmisch war, gehörte Dörflas zum Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Heute gehört beides zu Oberfranken und damit zu Bayern. Ha, alles kulinarisch Gute der Welt möge Bayern untertan sein!

Heint gibt's a Rehragout - unter anderem.

Heint gibt’s a Rehragout – und nu wos dazou.

Im oberen Saal grüßen Ludwig II.

Im oberen Saal grüßen Ludwig II. und Co.

Direkt hinter dem KEC, dem Kösseine Einkaufszentrum (abgekürzt mit C, geschrieben mit Z, naja, da hat wohl wieder ein Marketing-Fachmann Überstunden gemacht) geht es links über eine Brücke und schon befinden wir uns vor dem Gasthof zum goldenen Löwen. Der war früher der Sitz der Sparnecker, wie das Buch Genuss mit Geschichte hinweist, das Wappen mit Jahresangabe 1609 befindet sich über der Tür. Nach dem 30-jährigen Krieg zogen die Adeligen ab und aus dem Haus wurde eine Brauerei.

Ein stimmungsvoller Abgang zum Keller.

Ein stimmungsvoller Abgang zum Keller.

Der Biergarten draußen ist gut besucht, der eine Baum muss noch etwas wachsen, weshalb wir unter einem Sonnenschirm Schatten finden. Wir blicken einige Zeit auf das schöne Fachwerk des Gerberhauses, bis wir endlich die Bestellung aufgeben können.

Zunächst kommt die Haussuppe, die einem Eintopf ähnelt. Gemüse, Schweinefleisch und Reis ist drin, sie schmeckt, ist aber recht dick und daher füllend. Der Schweinebraten für 7,90 Euro ist sehr zart, hat eine gute Soße, die Knödel passen schon. Das Rehragout für 9,90 mit Preiselbeeren kommt in einer etwas zu würzigen Soße und Butterspätzle daher. Die Ochsenbrust ist richtig zart mit mildem Meerrettich. Insgesamt ist das Essen sehr zu empfehlen.

La soupe de la maison.

La soupe de la maison.

Deftig kommt das Schweiners daher.

Deftig kommt das Schweiners daher.

Bunt die Ochsenbrust.

Bunt die Ochsenbrust.

Die Aussicht aufs Gerberhaus.

Die Aussicht aufs Gerberhaus.

Am Ende bekommen wir noch einen Espresso aufs Haus, weil wir keinen Schnaps getrunken haben. Achso, ja, klar, wie soll es auch anders sein?

Innen finden wir eine schöne Stube, aber das hell erleuchtete Schild der Nothafft-Brauerei stört etwas. Die alten Bilder der Vorbesitzer schauen gut aus, es gibt jedoch auch kitschige Figürchen, die nicht jedermanns Geschmack sind. Die Decke mit den großen Balken stammt aus der Renaissance. Eine Uhr in der Wand wird auf 1820-40 datiert.

Ein Kleiderhaken gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Ein Kleiderhaken gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Als ich fotografiere, fragt mich die Bedienung nach dem Grund. Danach verweist sie mich an eine ältere Dame, die mit einem ebenso alten Herrn in der Ecke sitzt. Sie hat kurze graue Haare, wirkt aufgrund ihres Schmucks und ihres Auftretens wie eine grande dame und stellt sich als Vorbesitzerin heraus. Sie hält viel vom neuen Pächterpaar, und erzählt allerlei zum Haus und zur Wirtschaft. Etwa dass vor Jahrzehnten die Tische aus Ahornholz noch jeden Montag ordentlich mit Seife abgeschrubbt wurden. Außerdem verweist sie auf den Tag des offenen Denkmals, an dem man viel mehr vom Haus sehen könne.

Dabei habe ich vorher schon Mäuschen gespielt und mich durch eine Türe über eine Treppe aus dem Barock nach oben in den Saal geschlichen. Der ist am Vortag wohl für eine Hochzeit genutzt worden, es stehen noch diverse Warmhaltepfannen rum. Die Wände sind voller König Ludwig und Prinzregenten Bilder, sehr schön. Die Nebenräume sind leider gerade eine Baustelle und entkernt.

Die Inneneinrichtung ist weitgehend urig, manch modernen Kitsch könnte man aber weglassen.

Die Inneneinrichtung ist weitgehend urig, manch modernen Kitsch könnte man aber weglassen.

Das Gewölbe wirkt schon kühl, hinten im Eck geht ein halb verschütteter Gang tiefer rein ins Erdreich unter Dörflas.

Dem Gewölbe fehlt etwas Behaglichkeit, hinten im Eck geht ein halb verschütteter Gang tiefer rein ins Erdreich unter Dörflas.

Auf den Hinweis der früheren Eigentümerin lässt uns die Bedienung in die Weinstube. Das ist ein Tonnengewölbe, dahinter finden wir eine Halle mit Gründerzeit Säulen, vielleicht ein Rest der früheren Brauerei. Dann gehen wir hinunter in einen Keller, wo eiserne Tische herumstehen. Eigentlich ein ganz uriger Raum, aber die Tische wirken kalt. Da könnte man schon etwas draus machen.

Im Moment wirkt der goldene Löwe als Wirtshaus gut besucht, als Gesamtkomplex jedoch noch etwas verschlafen. Die Küche und die Gaststube legen schon ordentlich vor. Sobald die oberen Räume fertig renoviert sind und auch der Keller etwas gemütlicher wirkt, sollte man da nicht nur für ein gepflegtes Sonntagsmahl hinfahren.

 

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