3 Zentimeter Gott

Was Krippen uns heute erzählen

In der geschnitzten Krippe zeigt sich vielleicht am Schönsten, worum es bei Weihnachten geht. Und was das Besondere am Christentum ist. In vielen Weihnachtspredigten spricht der Pfarrer davon, dass Gott sich ganz klein gemacht hat für uns. Einen Gott, der nicht den großen Zampano raushängen lässt, sondern einen, der wie jedes menschliche Baby Windeln trägt.

Im Judentum und auch im Islam ist sowas undenkbar. Da darf man sich kein Bild von Gott machen, Gott ist allmächtig und zeigt sich nicht. Man ist ja schließlich Gott und kein C-Promi, der seine Nase in jede Kamera halten muss. Verständlich. Mose konnte Gott noch im brennenden Dornbusch sehen, er begegnet in der Feuersäule oder in einem leisen Windhauch. Das war’s auch schon, fürs goldene Kalb gabs ordentlich was auf den Deckel. Bei Mohammed schaut er gar nicht mehr persönlich vorbei, da ist es der Erzengel Gabriel, der dem Araber die Worte Gottes auf arabisch ins Heft diktiert. Die Frömmigkeit geht soweit, dass sogar South Park es nicht wagt, auch nur den Propheten Mohammed darzustellen. Man denke nur an den Fall der amerikanischen Lehrerin, die es gut meinte und einem Teddy den Namen Mohammed gab. In Deutschland nicht mal ein Fall für den Elternabend, etwas weiter südlich gabs dafür Morddrohungen. Ok, im 14. Jahrhundert hat man sogar in Afghanistan Mohammed bildlich dargestellt, aber damals wurde der Islam ja nicht von westlicher Kuschelpädagogik bedroht.

Und wie schauts bei uns aus? Das komplette Gegenteil. Da liegt Gott himself in jedem Haus unterm Christbaum, 1,5 mal 3 Zentimeter groß, hier lächelt er fröhlich, dort grinst er breit. Josef und Maria und ein Engel sind noch dabei. Im Umkreis die biblischen Geschichten: Die Beschneidung, das Lehren im Tempel und natürlich die Hochzeit zu Kanaan. Die erinnert uns daran, dass Gott nicht nur für unser täglich Brot sorgt, sondern auch einen gscheiden Wein auf den Tisch stellt. Das ausgelassene Feiern findet sich in allen Religionen, aber ich glaube, im Christentum hat es schon eine besondere Bedeutung, dass in der Kommunion Gott und Brot UND Wein leibhaftig anwesend ist.

Und dann geht’s schon los mit alpenländischer Idylle und mit bayerischer Volksfrömmigkeit. Wir finden den Goaßreiter, der vermutlich angeheitert versucht, auf einem Ziegenbock zu reiten. Wir finden den Jäger, der vor dem Hubertushirsch kniet. „Heute muss ich einen schießen, und wenn er das Kreuz im Geweih trägt,“ flucht der Jäger in der Sage. Da tritt ihm tatsächlich so ein Hirsch entgegen. Der Jäger fällt auf die Knie und bittet Gott um Verzeihung. Moral von der Geschichte: Der Mensch tötet Tiere, das ist der Lauf der Welt. Aber er soll dies immer aus Achtung vor dem Tier tun, und nicht aus der puren Lust am Töten. Wir finden den armen Hausierer mit seinem riesigen Buckelkorb, eine Mühle, das Wirtshaus, ein Fuchs fängt eine Maus, in Plößberg rennt einer gar eiligst aufs Klohäusl.

Gehen wir noch einen Schritt Richtung Heimat. Es gibt Krippen mit der Burg Falkenberg, mit dem Fischhof in Tirschenreuth, daneben steht der Hackerschmied und der Preisinger, der Mann von der Schels Lotte. In Hohenwald gibt es eine Krippe mit den Haastaaz Musikanten. Dabei fällt auf, dass sich eher dörfliche als städtische Szenen finden, Autos und Hektik fehlen. Die beschaulichen Krippen zeigen auch eine Sehnsucht nach einem einfachen, unkomplizierten und gemütlichen Leben. Was für Stunden und Stunden die Krippenschnitzer investiert haben, um das Weihnachtsgeschehen in ihre und unsere Lebenswelt zu bringen… Freilich: Das ganze figurine Brimborium kann schon etwas den Blick verstellen, weg von der Geburt Jesu. Aber sehen wir es einmal unter dem Weihnachts-Aspekt. Gott kommt als kleines schutzloses Kind in die Welt, weil er bei jedem von uns persönlich sein möchte. An Weihnachten kam Gott in die Welt, weil er sich mit uns auf Augenhöhe begibt. Kein Gott, der von oben nach unten seine Anweisungen gibt. Sondern einer von uns, mit dem wir per Du sind. Das ist zwar alles vor über 2000 Jahren irgendwo in Betlehem passiert. Doch das gilt nicht nur anno dazumal im Jahre Null in Judäa. Sondern genauso im Jahre 2013 im Tirschenreuther, Hohenwalder, Falkenberger oder Plößberger Wohnzimmer. In der Krippe und hoffentlich auch im Herzen.

Frohe Weihnachten!

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