Das eigene Brauhaus

Tirschenreuth hatte früher mal ein Kommunbrauhaus, das stand am jetzigen Unna-Platz. Wo damals flüssige Nahrung für die Bürger hergestellt wurde, befindet sich nun ein Stein. In Steine Geld zu stecken bringt finanziell null-komma-gar-nix. Es ist an der Zeit, diese Fehlinvestition wieder auszubügeln. Aber es geht hier nicht ums Geld. Es geht darum, einen Ort zu schaffen, an dem die Bürger dieser Stadt zusammen kommen. Unter einem Dach gemeinsam etwas herstellen, was von herausragender Qualität ist. Ein köstliches Wir-Gefühl bewirken. Flüssigen Froh- und bajuwarischen Bürgersinn fördern. Die Kreisstadt  im Herzen der Zoigl-Region muss ihren Stammplatz in den Zoiglstuben wiederbekommen.

Kurzum: Hier ist ein 10-Punkte Plan, wie Tirschenreuth wieder zu einem Kommunbrauhaus kommt:

1. Zuerst gründen wir einen Förderverein „Kommunbrauhaus e.V.“, der die Organisation und Federführung übernimmt. Tirschenreuth hat so viele Menschen mit Vereinserfahrung in der Stadt, da findet sich doch bestimmt wer, der so ein Projekt anstoßen kann. Ich weiß, viele Köche verderben den Brei, aber damit die Finanzierung solide ist, könnte auch ein Vertreter der Stadt und der Sparkasse zur Kassenprüfung im Vorstand sitzen. Wenn der Mussl und der Baierl noch Braugeräte haben, muss man die unbedingt mit ins Boot holen. Wichtig ist aber: Der Verein organisiert nur, es soll kein kleiner monopolistischer Zoigl-Klüngel werden. Das Kommunbrauhaus ist für alle Bürger da! Vereinslogo kann das Stadtwappen sein, in dem der Abt und Turso sich zuprosten.

2. Als zweiten Schritt brauchen wir Tipps und Tricks von den Kommunbrau-Kennern. Also den Braumeistern der umliegenden Zoiglstädte. Die machen dann bei uns eine Bestandsaufnahme:

  • Welche Maschinen sind beim Baierl und beim Mussl noch vorhanden?
  • In welchem Zustand sind sie?
  • Wie lange braucht es, bis sie wieder produktionsbereit sind?
  • Und was wird das kosten?
  • Können sie den Ausstoß eines Kommunbrauhauses leisten?
  • Oder muss gar alles neu hergerichtet werden? Nicht sooo schlimm: Leere Häuser gibt’s in der Innenstadt ja genug.

Angst um die Stellung ihrer eigenen Zoiglstädte brauchen die Herren nicht zu haben. Denn Stuben wie Oppl, Hartwich und Kramer sind eh immer voll. Und ein weiterer Mitspieler auf dem Markt wird die überregionale Anziehungskraft eher noch verstärken. Auch für den laufenden Betrieb können wir viel von diesen Städten lernen. Die regionalen Brauereien sollen sich ebensowenig fürchten. Hier wird nur Zoigl gebraut. Weizen oder Pils (die sich ja immer öfter in Zoiglstuben finden) kaufen die Zoiglstuben dann bei umliegenden Privatbrauereien ein. Und die werden auch mehr Umsatz machen, denn die Zoigl-Geher schulen ihren Geschmack und lassen darum künftig Warsteiner und anderen Plempl links liegen und kaufen regional ein!

3. Dann sind die Stadtoberen am Zuge. Denn die waren ja in den vergangenen Jahren in der Anwerbung von EU-Subventionen recht erfolgreich. Sie sollten nun irgendein EU-Förderprogramm finden, das unser Kommunbrauhaus bezuschusst. Also Förderung der Nachbarschafts-Hilfe und der Bürger-Gemeinschaft, Erhaltung historischen und traditionellen Brauchtums, pipapo. A bisserl was geht immer! Das gilt auch für EU-Zuschüsse. Breiten wir die Schürzen aus für die Europa-Stern-Taler. Und sollte der Soli auf ganz Deutschland ausgeweitet werden, rufen wir ganz laut HIER!

4. Und wie siehts mit den Bürgern aus? Das Braurecht liegt ja auf dem Haus. D.h. wer ein Haus mit Braurecht hat, dürfte eigentlich gleich loslegen. Aber gilt das für alle Häuser oder nur für die Häuser der Innenstadt? Wenn letzteres der Fall sein sollte, kann die Stadt oder der Förderverein das Braurecht gegen einen kleinen Obolus ausweiten. Also für die einmalige Zahlung von z.B. 100 Euro erwerbe ich mir für mein Haus das Braurecht. Allzuhoch sollten wir diesen Betrag nicht ansetzen, wir wollen ja möglichst viele Bürger mit einbinden. Die Obama-Wahlkampagne hat übrigens denselben Weg eingeschlagen. Statt sich nur auf Großspenden von Konzernen zu konzentrieren, warb man um extrem viele kleine Spenden. Und war damit höchst erfolgreich. Und sogar in Bayern finden wir ein Beispiel. In München gibt’s das Projekt Giesinger-Bräu. Da bauen sich ein paar Jungs ein Brauhaus und finanzieren das mittels Crowd-Funding. Auch von denen können wir einiges lernen, wobei die Kosten in der nördlichen Oberpfalz wohl deutlich niedriger sind als im Münchner Stadtgebiet.

5. Firmen wie Hamm oder Hatico und Vereine wie der ATSV oder der FC könnten die Patenschaft für eine Maschine übernehmen. Und dafür soundsoviel Liter im Jahr selber für ihre Weihnachtsfeier, Sommerfest,… brauen. Bzw. an besonders gute Kunden verschenken. Und unsere Partnerstädte wie Ville du Bois dürfen sich ebenso beteiligen. Damit die Franzmänner endlich auch amal a gscheids Bier bekommen und net allawal Wein trinken müssen.

6. Auch die Kulturszene kann was tun: Gruppen wie die Tirschenreuther Bejer Singers oder die Altneihauser Feierwehrkapelln könnten ein Benefizkonzert zugunsten der Geschädigten einer zoigl-losen Gesellschaft geben. Die Bejer Singers haben eh mal ein Album unter dem Motto „Durscht für den Frieden“ herausgebracht. Die Veranstaltung heißt dann „Unsere Kehlen für den Zoigl“.

Tirschenreuth hat noch viele kaum bekannte Gewölbekeller. Da lässt sich wie schon vor hundert Jahren prima Bier lagern. Denkt mal nur an die Augen der Touristen, die bei den Gewölbeführungen zwischen lauter Bierfässern herumkriechen dürfen. Also wieder ein EU-Förderprogramm für Tourismus.

7. Sogar die Kirche könnte eine Sonder-Kollekte veranstalten. Dafür würden dann 10 Cent von jeder verkauften Halben an die Kindergärten, an die Jugendhilfe oder an irgendein soziales Projekt in Zentralafrika gehen. Krombacher rettet den Regenwald? Pfff. Tirschenreuth trinkt für Afrika! Oder sonstwas karitatives. Schließlich kann die Kirche auch gegen Bierfrevel predigen, der in der heutigen Zeit wohl darin besteht, seelenlose Großbrauereien zu unterstützen.

8. Nun ist das Kommunbauhaus fast fertig. Die Stadt sollte sich mal anschauen, wie die anderen Zoiglstädte das mit Ausschank und Gastgewerbe für die privaten Zoiglstuben geregelt haben. Und eine ähnliche, möglichst unbürokratische Zoiglstuben-Verordnung erlassen. Immer dran denken: Zoigl ist ein Kulturgut und genießt darum besonderen Schutz, sollte es mal lauter werden. Doch neue private Zoiglstuben macht man nur mit den Anwohnern, nicht gegen sie!

9. Wer braut denn jetzt überhaupt? Zunächst mal sind wir wieder auf die Hilfe unserer Freunde aus den umliegenden Zoigl-Städten angewiesen. Doch bald sollten sich braukundige Bürger finden, die Otto Normal-Brauer an den Brau-Tagen unterstützend unter die Arme greifen.

10. Jetzt läuft die Sache an, alle freuen sich und Tirschenreuth hat eine weitere, enorm nachhaltige und weit ausstrahlende Attraktion. Um die Kenntnis um den Zoigl und die Verankerung in der Bevölkerung weiter zu vertiefen, kann nun die Volkshochschule Braukurse für die Bürger anbieten. Vielleicht sogar für langgediente Touristen.

Und wenn jemand mäkelt: Wir befördern hier nicht den Alkoholismus. Ganz im Gegenteil. Wir wecken das Bewusstsein für gezielten Genuss und Tradition. Das ist kein blindes in sich Hineinschütten. Dafür ist der Zoigl zu kostbar. Bevor die Leute bei sich zu Hause einen Kasten Oettinger saufen, können sie in der Zoiglstube der Einsamkeit und Anonymität entfliehen. Das sind schließlich die Hauptfaktoren für Alkoholismus. Zwei Halbe Zoigl unter neuen Freunden sind gesünder als eine Flasche Billig-Fusel, die man allein in sich reinkippt.

Soweit alles klar?

Dann auf die Plätze! Fertig! Prost!

7 Kommentare

  1. bedauere lieber verfasser-du hast null ahnung.fehler reiht sich an fehler ach so bei durchdachten vorsclaegen-zum beispiel wie die kommunbraugesellschaft in kulmbach- waere ich sofort dabei!!!

  2. Gut gemeint, aber nicht zielführend: Selbst wenn die Anlagen noch da und betriebsbereit wären, würde die Größe der Anlagen (und damit verbunden der Bierausstoß pro Brauvorgang) Hobbybrauer wohl überfordern. Aber der Ansatz ist gut und in der Praxis wäre Punkt eins der Liste wohl ausreichend: Brauen darf mittlerweile jedermann für den persönlichen Bedarf (ab einer gewissen Grenze möchte allerdings Vater Staat beteiligt werden) und selbst hochwertige Anlagen für z.B. 50-200 l pro Brauvorgang wären für einen Verein vermutlich erschwinglich. Der Verein würde die Gerätschaften finanzieren, die Stadt (die ja durch den Abriss des Kommunbrauhauses bei den Bürgern was gut zu machen hat…) stellt die Räumlichkeiten und jedes Mitglied kann sein Bier selber brauen. Problematisch könnte dann nur der Ausschank werden, aber dafür lässt sich sicherlich ein Weg finden – spätestens, wenn Juristen und Behörden bei einem echten Tirschenreuther Zoigl zusammensitzen.

    1. Die Größe der Anlagen kenne ich nicht, das war ja nur eine Vorschlag. Darum steht ja in Punkt zwei, dass sich die Brauer aus Mitterteich oder Windischeschenbach mal die Anlagen anschauen sollten. Und wenn die sagen, zu groß oder zu veraltet (ich denk wohl eher zu veraltet), dann kann man ja immer noch auf die neuen Hobbybraueranlagen umschwenken. Aber interessanter Gedanke, dass die Stadt was gut zu machen hat! 😉

  3. Richtig.Die Bürger as Dirschnrath solltn für ihr eigenes Kommunbrauhaus plädieren und sich für ein solches einsetzenMit einem fachkundigem Braumeister einen Vertrag abzuschliessen dürfte doch nicht so schwierig sein und leere Häuser mit interessanten Kellergewölben gibts tatsächlich genug in Tirschenreuth.Ein Gasthaus welches sein eigenes Bier braut ist auf jeden Fall interessant,da ein hauseigenes Zoiglbier einen einzigartigen typischen Geschmack hat ,einen niedrigeren Einkaufspreis und das Erlebnis bietet ,das Gebraute direkt an der Produktionsstätte zu drinken.Als optimaler Platz wäre ein recht zentral gelegenes bereits bestehendes Objekt ,optimal.Bayerl oder Muslbrauerei oder der Anker,da dieser gross genug und in Zukunft auch über Aussenplätze verfügen würde.Die Brauanlage sollte sich selbstverständlich im Gastraum befinden als „Showeffekt „in Verbindung mit einer Showbühne für Musi und Veranstaltungen,in einem ansprechende Ambiente mit Innen -und Aussenräumen sowie Räumlichkeiten fúr kleinere Feiern und Veranstaltungen. Doch so einfach ist die Idee leider nicht da für die Investitionen eine Menge Geld nötig ist.Zwar könnte man probieren die Schankanlage gebraucht zu kaufen ,aber wahrscheinlich wäre eine Einzelperson nicht in der Lage so einen Plan in Angriff zu nehmen und das Beste wäre vielleicht eine Gesellschaft zu gründen.Danach müsste der Betrieb von einem fachkundigem Vollblutgastronom geführt werden.Aber ausserdem gilt es zahlreiche bürokratische Hürden zu nehmen.Dazu gehört : Schankerlaubnis,SchankanlagenverordnungBeim Umbau müssten beachtet werden Verordnungen der Berufsgenossenschaft für Nahrungsmittel und Gaststätten.Nach Erhalt der Baugenehmigung nach der Landesbauordnung , beachten der Vorschriften von – Gesundheitsamt.Gewerbeanmeldung-Finanzamt-Polizei-Handwerkskammer-Gewerbeaufsichtsbehörde-Umweltschutzbehörde der Versorgung und Entsorgung.- Arbeitsstättenverordnung und und und.Aber nichts ist unmöglich und WO EIN WILLY AUCH EIN WEG aber ist hier jemand der Willy heisst?

  4. Um die Idee eines“ Dirschnreitha“Kommunbrauhauses in Angriff zu nehmen,sollte man zunächst eine Initiative gründen.und Bürger aus Tirschenreuth und Umgebung ,welche hinter der Idee stehen sollten sich zusammentun .Natürlich wäre ein idealer Standort für ein Kommunbrauhaus ein Objekt wie Bayerl,Musl oder Anker.Tirschenreuth wäre um eine Attraktion reicher.Um Tirschenreuther Gastronomen nicht zu benachteiligen sollten diese auch die Möglichkeit haben auch Tirschenreuther Zeugl auszuschenken.Konkrete Pläne müssten zusammengefasst werden .Wie oft steht und fällt alles mit der Finanzierung und der anstehenden Bürokratie.Zunächst sollte eine Informationsveranstaltung stattfinden.Nach meiner Einschätzung würde sich so ein Objekt nur mit der Gründung einer Genossenschaft realizieren lassen und dementsprechend viele Bürger müssten sich darán beteiligen.Eine Internetseite müsste geschaffen werden welche z.B lauten könnte“ Brauereiinitiative-Tirschenreuth.de „,jeder Interessierte könnte sich dann auf dieser Homepage informieren.Also was spricht jetzt einem Dirschnreitha-Kommunalhaus noch dagegen?Auf gehts ,denn wer nicht wagt – der nicht gewinnt.

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