Der Nepal-Himalaya-Garten bei Wiesent

Bayern ist ja ein sehr weltoffenes Land, in dem jeder freundlich aufgenommen wird, der sich an unsere uralten Regeln hält. Wir freuen uns über alle Besucher aus allen Herren Ländern, ausgenommen die Preußen. Denn die wollen unsere wunderbare bayerische Sprache mit ihrem fürchterlichen norddeutschen Dialekt verhunzen, machen sich aus Neid über uns lustig und haben unseren seligen König Ludwig zwo feige hingemeuchelt (wofür sich Bismarcks Nachfolgepartei bis heute nicht entschuldigt hat!). Aber ich schweife ab. Zurück zu den freundlichen Ausländern. Während wir allerlei Monumente im griechischen (Walhalla), römischen (Pompejanum) und französischen (Schloss Herrenchiemsee) Stil kennen, gibt es seit einigen Jahren, versteckt im Wald der südlichen Oberpfalz, ein Bauwerk aus Asien. Genauer gesagt aus dem Himalaya, den Nepal-Pavillon.

Buddhistische Stupa und bayerischer Himmel.

Von Regensburg fahre ich an der Donau entlang, Richtung Osten. Vor Wiesent biege ich links ab und kurve die Straße hoch durch den Wald. Endlich sehe ich das Parkplatzschild. Zwei Asiaten, die doch etwas an die Bewohner der Himalayagegend erinnern, weisen ein. Zwei Euro für den Parkplatz, das finde ich zunächst schon etwas happig. Aber he, vielleicht ist da ja schon der Eintritt mit inbegriffen.

Die andere Seite ist ein Tempel aus besonders hartem Holz des Sal-Baumes.

Denkste. Am Eingang spricht gerade ein Mann in Lederhosen, Haferlschuhen und Hemd mit der Verkäuferin. Ei wie schön, finde ich, bis ich den Eintrittspreis höre. Zehn Euro knöpft mir die Verkäuferin ab. Wir sind in der Oberpfalz, da gibt es solche Preise nicht!! Bei dieser Höhe muss es sich ja wirklich um einen erstaunlich tollen Park handeln. Erst später finde ich auf der Rückseite des Tickets den Hinweis, dass das Geld an die Stiftung „Wasser für die Welt“ geht, die in der Dritten Welt Wasserprojekte finanziert. OK OK OK, ich bin ja schon ruhig und habe gleich ein fröhlich-gutes Gewissen.

Gleich neben dem Eingang wacht ein Buddha über das sanft abfallende Gelände. Nach ein paar Schritten in den Park öffnet sich der Blick auf einen schönen Teich, bei dem ebenfalls eine Buddha-Figur sitzt. Anfangs knipse ich noch jede Statue, stelle aber bald fest, dass hier an sämtlichen Ecken einer steht oder sitzt oder thront. Im Teich schwimmen monströse Goldfische, vielleicht sind es auch Koi-Karpfen.

Buddha-Statuen aus allen Stilrichtungen wachen über den Park.

Ich laufe an einem steinernen Zen-Garten entlang, eine interessante Wüste in der blühenden Natur. Danach folgt ein Tempelchen mit, na was wohl, einer Buddha-Statue, mit der die Leute Selfies machen. Die Gäste kommen von überall her und aus allen Schichten. Franken, Oberpfälzer, Ossis, spanisch sprechende Menschen, aus Indien und/oder Nepal, richtig alte Omas, Kinder sowie Skaterpunks, die über die Ohrgehänge eines Buddhas fachsimpeln.

Es blühen exotisch wirkende Pflanzen, aber auch einheimisches Gemüse gibt’s. So sollen hier acht Sorten Edelweiß wachsen. Über 3500 verschiedene Arten gedeihen im Park, laut Betreiber sei man damit einer der artenreichsten öffentlichen Gärten des Landes.

Wie ein steinernes Meer liegt der Zen-Garten im Park.

Ich komme an den zentralen Pavillon. Vorgelagert ist dem eine Art Säulengang mit allerlei Schnitzereien und einem gemauerten Teich. 800 Familien haben drei Jahre in Nepal an dem Pavillon geschnitzt, im Jahr 2000 war er auf der Weltausstellung in Hannover zu sehen und war dort mit mehr als dreieinhalb Millionen Besuchern eine der Hauptattraktionen. Der Bau soll eine Mischung aus buddhistischer Stupa und Hindu-Tempel sein. Innen drin findet man kostbar aussehende Stoffmalereien und Figuren.

Am Pavillon-Teich kann man entspannen. Mei, diese Stille! Naja, ruhig ist es nicht unbedingt, aus versteckten Lautsprechern klingen buddhistische Mönchsgesänge. Aber die wirken beruhigend. Ich setze mich in einen Liegestuhl und gucke auf die plane Wasserfläche vor dem Pavillon und versinke in eine meditative Gelassenheit. Nicht so heiter wie im Biergarten, sondern eher weltentrückt. Ein Vereinskollege meines Vaters fährt angeblich jedes Wochenende hierher um „aufzutanken“. Gebetsfahnen flattern im Wind, alles ist ganz weit, weit weg. Fast höre ich sogar auf zu atmen. Ja, der Weg zur inneren Erleuchtung, oder zum tiefen inneren Frieden scheint hier ganz nah. Diese Weltentrückung hat der Buddhismus schon ganz gut drauf, allerdings frage ich mich, ob dieser Rückzug angesichts der Weltprobleme tatsächlich sinnvoll ist. Da ist mir die katholische Weltzugewandtheit (ja, ein jeder Christenmensch ist zum Dienst am Nächsten verpflichtet!) dann doch lieber.

Teile des Parks sind mit einheimischem Gesträuch bepflanzt, das im Laufe der Zeit verwildert und so einen Eindruck vom ursprünglichen Bewuchs Mitteleuropas geben soll.

Im Souvenirshop kaufe ich mir einen Nepal-Tee für 3,50 Euro. Der ist ganz aromatisch und das Haferl darf man behalten. Sehr freundlich. Allerdings ist das Umrühr-Staberl aus Plastik, tztztz. Ansonsten könnte man noch Gebetsfahnen und Klangschalen erstehen.

Anschließend schaue ich mir noch ein chinesisches Tor und kleine putzige Brücken aus aller Herren Länder an. Mei, sehr schön diese Natur. Aber nicht ungefährlich. Ein Fichtenzapfen fällt direkt neben mir zu Boden. Zapfen, die Handgranaten der Natur. Nur weicher. Und ohne Sprengstoff. Aber dafür mit Nahrung für Eichhörnchen und allerlei anderes Getier. Wenn die über einen herfallen… Sehr interessant ist eine durch Wasserkraft betriebene Gebetsmühle. Überhaupt stehen Gebetsmühlen hier überall rum. Wenn die gedreht werden, spulen sich innen drinnen Gebete ab. So lässt sich mit wenig Aufwand unfassbar viel beten. Ein etwas sonderbarer Lobpreisungs-Automatismus. Aber es klimpert recht schön beim Drehen.

Schöne Ein- und Ausblicke gibt’s an allen Ecken.

Dann habe ich diesen wirklich beeindruckenden Park durch und gehe wieder zum Auto. Man findet hier nicht nur ausgezeichnete Anregungen für den eigenen Garten, sondern auch einen Weg zum inneren Frieden. Freilich, die Weltentrückung wäre mir auf Dauer zu eskapistisch, aber die Verbindung zur Natur sollte auch im Christentum raus aus den Kloster- und Pfarrgärten und rein ins alltägliche Leben. Der Bayer an sich erfährt eine ganz andere Art der Gemütlichkeit als im Biergarten. Vielleicht weniger fröhlich, aber dafür tiefenentspannter.

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