Der Prockl in Falkenberg

1492 entdeckte Kolumbus Amerika, jaja, is klar und soweit bekannt. Aber in dem Jahr geschah noch weit wichtigeres: Der Prockl in Falkenberg wird seitdem urkundlich gesichert als Wirtshaus betrieben. Öha!

Wuchtig liegt der Gasthof an einer uralten Handelsstraße.

Ein schönes schmiedeeisernes Schild zeigt den wahren Namen, Roter Ochse.

Der Gasthof Prockl spielte schon in einem unserer früheren Beiträge eine Rolle. Das Wirtshaus ist es aber wert, dass wir nochmal vertieft darauf eingehen.

Zunächst eine Richtigstellung: der Prockl heißt gar nicht Prockl. Sondern Roter Ochse. Aber in der Oberpfalz benutzt man eben die Hausnamen.

Wir parken in der Nähe, der Hof des Wirtshauses ist meist schon zugeparkt. Über eine kleine Treppe steigen wir hinauf, die Eingangstür schwingt hin und her. Saloontür auf oberpfälzisch. Drinnen im Flur wartet schon eine Familie aus irgendeiner norddeutsch sprechenden Region, zum Glück haben wir reserviert. In der Gaststube ist noch jeder Tisch besetzt, es deutet sich aber an, dass einer an der Tür und einer im Eck frei werden. Hoffentlich kriegen wir den im Eck, lauernd warten wir. An der Tür können schließlich die Preußen sitzen. Welchen Tisch wir schließlich bekommen haben? 😉 Wir setzen uns hin und begutachten die Karte. Da steht ganz vorne drin die Geschichte des Hauses.

Der Prockl ist ein Fest für den Historiker.

Wer glaubt, 1492 wäre schon lange Zeit, weit gefehlt. 1166 wurde der Hof von einer Familie Mayr erbaut, gehörte damals vielleicht schon zur Burg, die 1154 erstmals urkundlich erwähnt wurde. In dem Jahr hielt Kaiser Barbarossa übrigens in Laufen einen Hoftag ab, nur um das mal historisch einzuordnen. 1492 kam dann die erstmalige Erwähnung eines Gasthofes. 1498 gesteht Kaiser Maximilian I., der letzte Ritter, der Familie Mayr ein Wappen zu. Das Buch „Genuss mit Geschichte“ weist darauf hin, dass das Gebäude von außen auf das 18. Jahrhundert zu datieren ist, allerdings könnte der Kern des Hauses auf das Jahr 1660 zurückgehen, wie das Datum auf einem Stein im Eingang verweist.

Die Wirtsstube. Sehr schön das dunkle Holz und natürlich der Balken.

Der Kachelofen von 1724 und der neugotische Schrank.

Eine schöne Einrichtung: An der Wand die verstorbenen Mitglieder des Stammtischs.

Gleich im Hauptraum erschlägt einen fast ein wuchtiger dunkler Deckenbalken, in dem noch dicke Nägel stecken, die früher als Kleiderhaken dienten. Dieser Raum könnte auf das 17. Jahrhundert zurückgehen. Linkerhand sehen wir einen uralten Kachelofen aus dem Jahr 1724, der noch voll funktionsfähig sein soll. Das oben genannte Buch meint, darauf sei eine Kachel mit einem Ochsenfuhrwerk und den Initialen A M abgebildet. Der Wirt hatte damals ein einträgliches Vorspannrecht für die Steigung auf der frequentierten Handelsstraße vor dem Haus zwischen der Oberpfalz und Böhmen. Diese Kachel habe ich aber nicht entdecken können.

Hier scheint sich die Oberpfalz noch die nächsten Jahrhunderte nicht viel zu verändern.

Rechterhand an der Wand hängt das Bild eines Vorfahren, in bayerischer Uniform hoch zu Ross. Die Innenausstattung stammt hauptsächlich aus den 1930er Jahren, teils von einem Schreiner vor Ort, die Stühle aus Nürnberg. Die neugotischen Schränke sollen aus dem Direktorenzimmer der Tirschenreuther Porzellanfabrik stammen. Auch die Standuhr im Nebenraum kommt daher.

In diesem Nebenraum ist die alte Ortsansicht mit der Ruine Falkenberg an die Wand gemalt. Die Burg selbst wurde ja erst in den 30er Jahren unter dem Graf Schulenburg wieder aufgebaut. Außerdem gibt es ein altes Klavier. Als Kinder fanden wir hier immer Jagdzeitschriften zu lesen, sehr interessant was da für Ferngläser, Gewehre und Messer beworben wurden. Ein Traditionsberuf mit High-Tech-Ausrüstung, oder?

Die Burg und die Kirche sind in ihren jetzigen Ausführungen deutlich jünger als der Gasthof.

Der Prockl ist recht verwinkelt und urig gebaut. Oben gibt es noch einen Saal, da war ich aber nur einmal zu einer Kirchweih zum Gansessen drin. Es dauerte ewig, bis das Essen da war. Ich war allein und saß mit komplett Fremden am Tisch. Was in einer Zoiglstube nix ungewöhnliches ist, ist im Wirtshaus doch a bissl anders. Eine ältere Frau regte sich über die Studenten auf, die „allerweil doch nur schreiben“ würden, und „nix anderes“ täten. Ein Mann versuchte seinen Gegenüber zu überzeugen, dass man doch nun endlich in Bayern radikal wählen müsste und setzte große Hoffnungen auf die damals stark wachsenden Freien Wähler. Mei, was damals als als radikal durchging…, die gute alte Zeit.

Zurück in die Gegenwart. Die Speckknödelsuppe für drei Euro ist gut und sämig und erinnert an eine Grießknödelsuppe.

Die Speckknödelsuppe.

Da gehen einem doch die Augen über.

Der Lammbraten (der Test fand zur Osterzeit statt) kostet 10 Euro. Das Fleisch ist sehr zart und hat keinen besonders aufdringlichen Lammgeschmack. Die Soße ist toll, die Knödel gut. Manche Stellen allerdings sind aber etwas salzig. Der Salat enthält zwar Rucola, ist aber ansonsten eher 0815. Salate sind in bayerischen Wirtschaften ja meist eher mau. Nicht dass sie anderswo besser wären, aber im Prockl denkt man ansonsten schon erfindungsreicher. So schmeckte der Semmelknödel bei einem früheren Besuch etwa leicht zitronig, weil darin Zitronenzesten verarbeitet waren.

Fazit: Zum Prockl sollte jeder gehen, der seinen Gästen von anderswoher ein urig gebliebenes bayerisches Wirtshaus präsentieren möchte. Oder der selbst die saugute Gemütlichkeit des Gasthofes und die bayerische, leicht innovative Küche schätzt. Wer braucht da schon Kolumbus…

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