Die Ostertage in der Oberpfalz

Die Ostertage laufen derzeit, Anlass über gegenwärtige und vergangene Osterzeiten in der Oberpfalz nachzudenken.

Palmsonntag und Gründonnerstag

Palmsonntag wird in der Kirche die Passions-, also die Leidensgeschichte Christi erzählt. Sagen und Legenden in der Oberpfalz sprechen davon, dass sich während dieser Zeit bestimmte Steine heben und Kammern zu verborgenen Schätzen offenlegen. Allerdings hat man nur wenig Zeit, die Schätze zu bergen. Wenn die Passionsgeschichte rum ist, schließt sich der Stein und man wird dort bis zum nächsten Palmsonntag eingeschlossen. Ich habe noch nie gehört, dass tatsächlich irgendjemand einen Schatz gefunden hat, wahrscheinlich weil die einen in der Kirche und die anderen zu faul zur Schatzsuche sind.

Am Nachmittag binich mit den Eltern im Kino, der Film Mary’s Land lief. Eine Art Spielfilm-Doku über Marienfrömmigkeit. Die teilweise beeindruckenden Erzählungen der Interviewten werden leider konterkariert, um nicht zu sagen karikiert durch eine krude Rahmenhandlung, ziemlich brave Witzchen und arg laienhafte Spielszenen. Die Hauptperson will als advocatus diaboli herausfinden, was es mit dem Christentum auf sich hat. Im Laufe des Films stellt sich heraus, dass alles auf den von der Kirche bisher nicht anerkannten und sehr umstrittenen Wallfahrtsort Medjugorje hinausläuft. Egentlich soll ein advocatus diaboli etwa bei Heiligsprechungsprozessen Kirche prüfen, ob Wunder wissenschaftlichen Untersuchungen standhalten oder die Lebensführung von den betreffenden Personen auch tatsächlich so heiligenmäßig war. Tja, und da ist wohl der größte Kritikpunkt des Films. In anderen Orten von Marienerscheinungen wie Fatima oder Lourdes gingen die betreffenden Personen anschließend ins Kloster und führten ein Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam. Einen materiellen Vorteil aus einer Marienerscheinung hatten sie nicht, ganz im Gegenteil. Dagegen kommt, auch aus dem Vatikan und den zuständigen Bischöfen, bei Medjugorje die Kritik, dass die dortigen „Seher“ und ihre Familien dank ihrer Erscheinungen ein höchst einträgliches Leben führen. Dieser Punkt wurde im Film vom advocatus in keinster Weise angesprochen. Da hätte er seinen Job doch besser machen können. Auf der anderen Seite gibt es die Zeugnisse von den Menschen, die dort Hilfe fanden, etwa dass sie von Krankheiten oder Depressionen geheilt wurden. Vielleicht fahr ich im Sommer nach Fatima. Altötting ist auch eine Reise wert. Und eine Wallfahrt in Franken ist immer schön.

Gründonnerstag komme ich gerade noch rechtzeitig in die Kirche. Eigentlich habe ich noch überlegt, ob ich überhaupt gehen soll, der Tag war anstrengend. Tatsächlich aber ist es wie stets recht schön. Während des Glorias lassen die Ministranten zum letzten Mal die Klingeln ertönen, auch die Orgel spielt zum letzten Mal, beide schweigen während Karfreitag und Karsamstag. Am Gründonnerstag wird das Letzte Abendmahl gefeiert, darum wird die Kommunion als Brot UND Wein gereicht. Nach der Feier gibt es ein stilles Gedenken, meist in einer Seitenkapelle der Kirche.

Seltsamerweise bleiben mir die Gründonnerstagsmessen am einprägsamsten im Kopf. Das liegt vielleicht daran, dass der Gründonnerstag ja noch ein Arbeitstag ist, und man daher oft am Arbeitsort in die Kirche geht und da die verschiedensten Messen erlebt. Etwa in Würzburg, wenn die Anbetung dann in der Schönbornkapelle stattfindet. Oder in München, als nach der Messe noch einen Umtrunk mit Abendessen im Gemeindezentrum gab, mit kroatischem Diakon und einer Dame, die völlig begeistert war von Gottes Schöpfung im Frühling. Oder in Salzburg, wenn die Gemeinde in eine Kapelle in der Krypta des Domes zieht. Sowas bleibt im Gedächtnis.

Das Wort Gründonnerstag muss übrigens nicht von der Farbe hergeleitet werden, obwohl wir als Kinder an diesem Tag immer ein grünes Ei suchen durften. Viele Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass es vom alten Wort für „greinen“ stammt. Denn an diesem Tag wurden früher die Büßer wieder in die Kirche aufgenommen, weshalb sie vor Freude weinten.

Karfreitag

Karfreitag-Vormittag gibt’s die Beichte. Dort trifft man meist auf Bekannte und begrüßt sich grinsend, es hat schließlich jeder sein Sündenregister. Die Warteschlangen sind recht lang, jedes Jahr denkt man sich, mal früher zu gehen als zu diesen Stoßzeiten, aber jedes Jahr ist es dann wieder das selbe kurz vor knapp. Während des Wartens läuft eine Kreuzwegandacht, durchgeführt von Laien. In jeder Station wird ausgehend vom Leiden Christi auf das Leid in der Welt eingegangen. Der Pfarrer spricht im Beichtgespräch noch länger als ich selber, wird aber wenig konkret, sondern versucht eher allgemeinere, aber doch recht tiefe geistige Wege und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, etwa indem er von Freiheit und Mut spricht. Sehr schön. Über alles andere: Beichtgeheimnis 😉

Für die weiteren Tage schauen wir zurück auf das vergangene Jahr.

Da war ich Karfreitag-Vormittag Laufen mit einem Freund. Leichter Nieselregen. Wir joggen die Straße runter, sie wird zum Feldweg. Runter zu den Teichen. Das kleine Bächlein am Waldrand überquert. Vorbei an der Stelle, die früher einmal von wunderschönen Kiefern bestimmt wurde und jetzt eine ziemlich verhaute Wüstung ist. Noch ein Teich im Wald, dann Waldweg. Wir unterhalten uns darüber, dass manche Leute nicht mehr wissen, was Emmaus ist. Immerhin der Grund, weshalb Ostermontag frei ist, oder? Ich meine, sowas müsste jeder doch schon einmal gehört haben. Er verneint, die Leute heutzutage wüssten gar nichts mehr, gerade was Religion angeht. Das war wie gesagt, vergangenes Jahr, dieses Jahr würde es mich wohl nicht mehr überraschen. Oh Mann…

Vor mir sehe ich etwas weiß schimmern. Schnee? Ich freue mich immer, wenn ich Schneereste im Frühling sehe. Schnee hat so etwas reines, erhabenes, ruhiges. Schnee steht für Heimat. Weil es da kälter als an fast allen anderen Orten ist, gibt es dort öfters und länger Schnee. Daheim ist die Welt halt noch nicht so von der globalen Erwärmung verseucht. Ökologische Nostalgie wenn man will. Einmal bin ich im Frühling im T-Shirt auf den Ahornberg geradelt, ein Berg an der tschechischen Grenze. Da fand ich doch, obwohl es sehr warm war, an einer geschützten Waldstelle einen überfrorenen, von Tannennadeln und Rindenteilchen beflockten Rest Schnee. Ich fühlte mit der Hand nach diesem Exoten, wie kalt das wohl sein mag an so einem heißen Tag. Mit etwas schlechtem Gewissen, denn jeder Kontakt zerstört ein Stückchen dieses Relikts. Natürlich ist es unter Null Grad kalt, was denn sonst, aber das muss man bei der Sonne auch mal haptisch begreifen. Drinnen klare weiße Reinheit. Irgendwie melancholisch. Da kommt die Sonne und schmilzt alles weg. Schon Wochen vorher. Und hier sträubt sich noch so ein kleines weißes Häufchen dagegen.

Wir laufen weiter im Wald und nähern uns dem weißen Gebilde. Keine Schneereste. Sondern weiße, zerfetzte Plastikplanen. „Schnee ist Plastik, und die Leute gehen nicht mehr in die Kirche,“ meint der Freund resignierend. Der Wald wechselt sich mit einer fast russisch wirkenden Teichlandschaft ab, so viele Birken stehen rum. Überall Spuren von Bibern. Wir sprechen nun über die Resl von Konnersreuth. Betrug? Wunder? Psychosomatik? Meinem Einwand, sie hätte, wie auch Pater Pio, die Wundmale an den falschen Stellen gehabt, stellt er ihre Kenntnisse im Aramäischen entgegen, die sie nirgendwoher hätte haben können. Wir sind wieder auf dem Rückweg und sprechen über die Taufen von Flüchtlingen. Er erwähnt, dass seine Flüchtlinge, die er unterrichtet, nicht wissen, dass auch Christen an Abraham glauben. Und dass ein iranischer Verfahrenstechnik-Lehrling jeden Sonntag in die Kirche gehe. Der hat sich schon im Iran zur evangelischen (zur lutherischen(!)) Kirche zugewandt und musste darum fliehen. Abfall vom Islam ist dort lebensgefährlich. Und der Iraner sei ganz verwundert, dass der Freund nicht jeden Sonntag in die Kirche gehe. Dass seit diesem Jahr offenbar das Christsein auch in Deutschland gefährlich ist, wussten wir damals nicht. Denn neben dem von der AfD hochgetrommelten Mord in Freiburg durch einen Flüchtling gab es dort noch einen anderen. Der allerdings weniger Aufsehen erregt hat. Ein Mord nicht durch einen Islamisten. Sondern durch jemanden, der generell Hass auf Religion und Gläubige hatte.

Das Mittagessen ist fleischlos, klar, Karfreitag, es gibt ein Fischeintopf. Um drei Uhr ist die Karfreitagsliturgie. Die Kirche, gebaut in den 60ern, ist noch kahler als sonst. Ohne Orgel, nur Gesang in Moll. Die Passion wird gelesen, wir knien an der Stelle des Sterbens. Etwas trostlos. Vielleicht soll es das gerade sein. Kein salbungsvolles „Alles-wird-gut“-Gerede. Bei den Fürbitten gedenken wir aller Menschen, ob Papst oder Atheisten.

Facebook schalte ich nur kurz an, um Freunden zum Geburtstag zu gratulieren. Ansonsten ist es ganz befreiend, einen Tag ohne das permanente Timeline-Gescrolle zu haben.

Normalerweise schaue ich am Karfreitag kein Fernsehen, aber als der ein oder andere gute Satz aus dem Wohnzimmer dringt (Karfreitags-Kreuzweg des Papstes in Rom im Bayerischen Fernsehen) setze ich mich dazu. Die Kreuzträger kommen aus Mittel- und Südamerika, aus Afrika, Asien und Europa. Aus reichen Ländern. Aus gebeutelten Ländern. Ordensleute und Laien. In bunt und grau. Die italienischen Sprecher sind sehr gut gekleidet. Wie es sich für Italiener nun mal gehört. Dem deutschen Sprecher hört man schon in der Aussprache einen theologischen Hintergrund an. Nicht unbedingt salbungsvoll, aber so einen spirituellen, schon arg freundlichen Akzent. „Theologen sind keine Wollsocken“, so hieß einmal eine Gruppe auf StudiVZ. Vorsicht vor allzu viel pädagogischem Heidschibumbeidschi soll das wohl übersetzt heißen. Sowas kann ich dem Kommentator aber dann doch nicht vorwerfen.

Karsamstag und Osternacht

Am Karsamstag wird eingekauft, wir zünden auf den Gräbern Kerzen an.

Die vergangenen Tage lief allerweil die Diskussion, in welche Kirche gehen wir denn, um am Abend die Osternacht zu feiern? Sie soll nicht zu spät enden, denn wir wollen uns anschließend bei einem Freund zusammensetzen und danach auf die Osterschlagerparty in der Dorfdisco gehen. Und ohne Osternacht keine Osterschlagerparty, so is das! Also studiere ich die Zeitungen. Im St. Peter, unserer Stammkirche beginnt die Kirche erst um 20:30 Uhr. Schon etwas spät… In Wondreb würde die Kirche schon um 19:30 Uhr beginnen, und deutlich kürzer dauern. Allerdings drückt der Pfarrer da extrem auf die Tube. Zu sportlich und zu wenig feierlich. Den Ostergottesdienst mit dem größten Wow-Effekt haben wir vor Jahren mal in der Basilika in Waldsassen erlebt. Nicht weil die Kirche so pompös ist, sondern weil die Lichtsetzung und die Musikgestaltung richtig gut ausgearbeitet war. Aber da geht die Kirche noch später los, nämlich um 21:00 Uhr. Mit Rückfahrt bliebe da überhaupt keine Zeit mehr mit den Kumpels…

Aber da sehe ich: Leonberg, 19:30 Uhr. Top! Rumtelefoniert, wer kommt mit? Wir sind zwei aus Tirschenreuth, zwei aus Waldsassen und zwei aus Wiesau. Eine ordentliche Mischung. Bei der Anreise sehen wir schon Mitterteich unten im Tal in der Dämmerung liegen. Auf die Art sieht dieses Industriestädtchen sogar gut aus. Was so etwas anderes Licht doch bewirken kann. Wir Tirschenreuther sind natürlich zuerst da. Der Parkplatz ist gut gefüllt. Dass hier jeder mit dem Auto kommen muss… Aber klar, schließlich sind mehrere weiter entfernte Orte in Leonberg eingepfarrt. Wir betreten die Kirche, ein kleines Osterlicht gekauft. Hui, hinten ist’s in den Bänken schon dicht gedrängt. Aber meine liebe Leser, jetzt verrate ich euch den Trick 17. Einfach weiter nach vorne gehen. Die ersten Reihen sind eigentlich in jeder Kirche bis kurz vor Beginn fitze-fatze-frei!

Also zu zweit in die Reihe gesetzt. Wann kommen denn die Herrschaften?? Endlich sind sie da, und wir rutschen rein, und rein, und rein, und auf einmal sitze ich hinter der Kanzel. Bester Blick auf die Holzschnitzerei, und ansonsten auf nix.

Die Kirche ist nun dunkel, was der Pfarrer am Osterfeuer spricht, hören wir leider nicht. Dann betritt der Priester mit den Ministranten die Kirche, zu „lumen Christi – Deo gratias“ geben diese das Licht der Osterkerze an uns weiter. Beeindruckend, dieses kleine Kerzenlicht in dunkler Nacht. Der Schein beleuchtet zuerst das Gesicht des Ministranten, der die Flamme dem ersten in unserer Reihe weitergibt. Man teilt mit dem Nächsten das Licht. Da ich am anderen Ende der Bank bin, gebe ich dem Mädchen hinter mir Feuer und zünde dann noch eine Kerze am Seitenaltar neben mir an. Schön auch die Gesänge, wenn man wie vor hundert Jahren die Liedtexte mit dem Kerzenschein erhellen muss und ohne Orgel singt. Zum Gloria geht dann das komplette Licht in der Kirche an und die Orgel setzt ein, erstmals seit Gründonnerstag.

Zuerst besinnlich, sehr ruhig, dunkel; dann hell, fröhlich, prächtig, feierlich, das ist die Osternacht. Immerhin die wichtigste Feier der Christenheit.

Im Sitzen kann ich wenigstens an der Kanzel vorbeischauen und etwas von der Pracht im Altarraum erahnen. Im Stehen sehe ich, dass die Kanzel schön bemalt ist, aber man mal mit dem Staubwedel drüber müsste. Tja… Die Kirche an sich ist wirklich gut restauriert, hell, freundlich, so muss eine Dorfkirche ausschauen. In der Osternacht wird nicht nur die Osterkerze geweiht, sondern natürlich auch das Weihwasser. Darum heißt’s ja so. Damit geht der Pfarrer anschließend durch die Kirche und besprengt die Leute, während wir unser Taufversprechen erneuern. Das geschieht einerseits durch die Zusage zu Glaubensinhalten und dem Widerspruch zu den Versuchungen des Bösen. Man hat ja so einiges gebeichtet, jetzt kann man’s nochmal bekräftigen. Andererseits singen wir auch das Lied „Fest soll mein Taufbund immer stehen“, meiner Meinung nach eines der schönsten Lieder, neben dem „Gott in der Höh‘ sei Preis und Ehr’“, das man zum Gloria rausschmettert und „Der Heiland erstand“, das einen wuchtigen Schlusspunkt setzt.

Eine Predigt gibt’s keine, seltsam. Dabei ist die Kirche doch gut gefüllt. Da erreicht man doch mehr Leute als an den übrigen Sonntagen?!

UPDATE: Dieses Jahr wird die Kirche von einem anderen Pfarrer betreut, der natürlich eine Predigt hält, und was für eine! Er spricht mit Oberpfälzer Akzent, was mich sehr freut und die Leute sicherlich direkter anspricht. Zunächst erzählt er eine Geschichte von einem Religionslehrer aus Afrika, der eine Predigt ausarbeiten muss, aber den sein „vierjähriger Bub nervt“. Der Mann gibt seinem Sohn eine Aufgabe, die dieser recht schnell löst und ihm so das Thema zur Predigt zeigt, die Zerrissenheit. Es folgt ein Rundumschlag auf die gesellschaftlichen Extreme. Die Linken spalteten durch die Neid-Debatte die Gesellschaft, was man besonders dramatisch in Venezuela sehe. Die Rechten spalteten, da sie die Flüchtlinge und Fremden die Schuld an allem zuschieben machen würden. Die Umweltschützer würden den Menschen nur als Zerstörer sehen. Auch fernöstliche Meditationstechniken könnten zwar hilfreich sein, würden die Probleme der Menschen aber nicht lösen. Danach wettert er gegen den bürgerlichen Glauben, der kaum über die Ostertage hinaus gehe. So gebe es viele Menschen, die zwar das Wort „katholisch“ im Ausweis stehen hätten, man aber nicht viel davon merkt. Das macht er etwa am mangelnden Besuch der Beichte fest. So habe er am Vortag viel Zeit gehabt, den Patron der Kirche, den heiligen Leonhard mit seinen zerrissenen Ketten zu betrachten, da wenig Leute aus der Gemeinde bei der Beichte waren. Da schau her, sich mit allen gesellschaftlichen Gruppen anlegen, denn die katholische Kirche ist eine eigene Größe, den Lokalpatron mit einbeziehen, denn die Kirche ist individuell in jedem Ort, und dann auch noch der Gemeinde die Leviten lesen, denn auch wir sind fehlbare Sünderlein. Herausragend!

Traditionell wird nach der Osternacht Essen für das Osterfrühstück geweiht. Viele Körbe stehen an der Stufe vor dem Altarraum mit allem, was der Oberpfälzer für ein reichhaltiges Frühstück nach der Fastenzeit braucht. Der Pfarrer leitet die Weihe mit den Worten ein, dass er nun Brot, Eier und Fleisch weiht, „denn wenn wir uns freuen, sollen sich Leib und Seele freuen!“ Der Kumpel neben mir nickt zustimmend und meint „katholisch“. Jawoll! Überhaupt ist man vom Gottesdienst an manchen Stellen derart ergriffen, dass man die Schönheit eines katholischen Dorfgottesdienstes kaum fassen kann. Mehrere Körbe stehen auch vorne, die nur Eier enthalten. Nach dem Schlusssegen werden diese Eier vor der Kirche verkauft, 50 Cent pro Stück, ich nehme vier für die Familie mit. Hm, im St. Peter in Tirschenreuth werden Osterbrote verschenkt. Ist ja schließlich Ostern. Vielleicht ist es der Verkauf für einen guten Zweck, wer weiß.

Wir treten aus der Kirche in eine sternklare Nacht. Schön ist es, der Ausblick ins Tal, zum funkelnden Mitterteich, und nach oben in den Himmel. Ein Himmel, der eher an Weihnachten erinnert, so winterlich klar ist er. Dabei freut man sich ja zu Ostern auch über die wieder zum Leben erweckte Natur.

Jetzt ab ins Stübchen vom Kumpel, wir wünschen allen Frohe Ostern, trinken Bier, Wein, Schnaps, Tee, Kaffee, Likör (zuerst in der Reihenfolge und dann durcheinander) und gehen danach auf die Osterschlagerparty. So geht das bei uns daheim. Das altehrwürdige Osterlachen mal in neuer Form.

Am nächsten Morgen oder eher Mittag steht man wieder auf, genehmigt sich zunächst einmal das Osterfrühstück. Dann wackelt man das erste Mal im Jahr komplett durch den Garten und sucht das Osternesterl. Anschließend gibt’s den urbi et orbi Segen im Fernsehen. Abzüglich des immer drohenden Feiertagsteufels, der meist von den Leuten kommt, die nicht in der Kirche waren, ist jetzt Ende mit der Trostlosigkeit, nach der Fastenzeit winken bayerisch-barocke Tafelfreuden sowie Tonnen von Schokolade. Außerdem trifft sich die Familie.

Am Ostermontag handelt das Evangelium von den Emmaus-Jüngern. Einerseits nochmal Zeugnis der Auferstehung, andererseits wieder die Feier des Abendmahls.

So, damit wären wir mit unserem Rundgang durch die Ostertage am Ende angekommen, wobei es im Bezug auf Ostern ja kein Ende gibt, sondern immerwährende Freude. Also: Geht in die Kirche und freut Euch! Los, los, los! Frohe Ostern!

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