Electropfalz

In Regensburg kann man gut feiern, dass wusste schon die Oma!

In Regensburg kann man gut feiern, dass wusste schon die Oma!

Regensburg boomt. Die Münchner suchen hier ein wenig Landluft und Entspannung vom hektischen Großstadttreiben, die Oberpfälzer wollen in ihrer Hauptstadt genau das Gegenteil erleben, Urbanität und Party.

Eine Riesensause ist das Zuckerbrot und Peitsche Festival. Für die Jüngeren. Die älteren Semester gehen anscheinend eher am Weihnachtsmarkt der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ab.

Schnell noch etwas Wein getrunken, und dann geht’s auf, zum Festival. Freitag und Samstag sind Electrotage, der Sonntag gehört dem Hip Hop. Wer’s mag…

Der Bus ist gut gefüllt und warm, braverweise lassen wir die Weghalbe kurz zuvor geleert vor dem Bus stehen.

Das Festival findet neben dem Schloss Pürkelgut (typisch oberpfälzischer Name) statt. Über eine plattgetretene Wiese (der Weg daneben ist gesperrt) gehen wir ein paar hundert Meter Richtung zweier Zirkuszelte und einer größeren Bühne. So laut scheint die Musik noch nicht zu sein. Da aber Ohrenstöpsel empfohlen werden, greife ich zu meinen Filtern. Karte abgerissen, Bändchen bekommen und einen Stempel. Und einen Jägermeistergutschein. Mhm.

Den brauch ich etz sicher nicht, denn es gibt Spital-Bier. Für 3,50 die 0,4 Liter im Plastikbecher. Das schmeckt aber nicht plastik-fantastik sondern echt super.

Keine Macht den Drogen!

Die Musik ist so gut, dass sogar die Stechpalmen abgehen.

Die Musik ist so gut, dass sogar die Stechpalmen abgehen.

Das gelb-rote Fauna Zelt ist mit Tieren im Zelthimmel dekoriert, daneben das blaue Blub Blub Zelt mit Fischen. Kaum tanze ich zwei Takte zur Musik, kommt schon eine Madame. „Haste Gras?“ „Nein, aber ein Spitalbier. Wer braucht denn Gras, wenn er so ein ausgezeichnetes Bier haben kann?“ Die Dame sieht mich etwas befremdet an und geht dann. Darauf, dass wir auf Grasboden tanzen, komme ich erst später. Wieso nur beherzigt diese Jugend nie meine wohlmeinenden Ratschläge???

Dabei haben die jungen hippen Menschen durchaus Sinn für Humor: „Ich tanze also bin ich“ steht auf einem Lenkdrachen, der zum Schild umfunktioniert wurde. Auf der anderen Seite steht, wir sind ja schließlich in Bayern, „Kuschl’n“. „Dann gibt’s noch eins mit der Aufschrift „Spending all my money on dope and extreme high price tickets“. Und einer will ganz lustig sein: „Ich halte ein Schild.“ Der offensive Witz des allzu Offensichtlichen.

Genauso wie der Name des Festivals. Es gibt weder Zuckerbrot, sondern Bratwürste und Pizza, und eine Peitsche hab ich nirgendwo gesehen. Eigentlich sollte man sein Geld zurückverlangen!

Dann geht’s vor die so genannte Main Stage. Lexy und K-Paul legen auf. Die waren früher echt gut, einer von beiden hatte sogar in meiner Lieblings-Mini-Club-Kneipe dem Propeller bei einem der Abschiedsabende aufgelegt. Aber was spielen die denn heute? Anfangen tun sie mit einem verzerrten „Zuckerbrot und Peitsche Regensburg“ Ton, der an Kraftwerk erinnert. Die Musik reißt mich überhaupt nicht mit, ich hole mir zwei Bratwurstsemmeln (schmecken eher mau, aber vor dem Pizzastand war die Schlange dreimal so lang) und gehe danach mich erleichtern. Als ich wieder aufs Gelände gehe, bekomme ich noch einen Jägermeistergutschein. Die wollens echt wissen…

Wir trinken an diesem Abend zunächst sehr viel Radler und Wasser (es is immer noch recht warm) und lösen dann die Gutscheine ein. Hm, kamma trinken…

Am Ende des Abends legt Robin Schulz auf. Sehr sehr geil! Alle Leute gehen ab, der trifft einfach die richtige klangliche Atmosphäre, um diesen Sommer zu feiern! Alle Daumen hoch. Da nimmt man es ihm nicht übel, dass er beim Musikmachen auf der Bühne rumspringt wie ein 5-Jähriger, der 10 Espressi intus hat und ganz ganz dringend aufs Klo muss, aber dennoch sehr glücklich ist.

Der Abend endet und wir warten draußen vor der Tür, pardon, draußen vor dem Ausgang auf den Bus. Mit vielen, vielen anderen. In den Bus rein und nochmal kurz heimgeschaut. Schließlich können wir mit unseren Bändchen in die Suite 15 und einige Begleiter wollen sich davor noch duschen. Je nun, als wir daheim sitzen, stellen wir fest, plötzlich ganz müde zu sein. Also ab in die Heia.

Neuer Tag, neues Glück

Schöner Biergarten...

Schöner Biergarten…

Am nächsten Morgen geht’s nach dem Frühstück in die Stadt. Mindestens 100 Prozent aller jungen Menschen, die durch die Stadt laufen, haben ein Zuckerbrot und Peitsche Armband.

Zunächst besorge ich mir neuen Tee im Bachfischer, dann geht’s über die Steinerne Brücke zur Alten Linde. Ein wunderschöner Biergarten mit phänomenaler Aussicht, kann sogar fast mit dem Spezi-Keller in Bamberg mithalten. Weiterer Pluspunkt: die Speisekarte führt die „liberalitas bavariae“ auf, denn diese sei hier daheim, das „Leben und Leben lassen (sic!)“. Wider unserer Erwartung bekommen wir sogar einen freien Tisch. Auf dem leider noch einiges Essen rumsteht. Anscheinend haben die Gäste kaum davon gekostet. Unmöglich sowas. Wir sitzen und sitzen und irgendwann endlich werden wir bedient.

Es gibt heute Grillteller, aber ich muss natürlich einen Schweinebraten essen. Falsche Entscheidung. Das Schweiners kommt zwar etwas früher als die Grillteller, ist aber trotzdem nur lauwarm. Ok, es ist ein heißer Tag, aber mit so etwas macht man mir fei keine Freude! Die Soße ist so lala und der Knödel viel zu fest. So geht’s nicht! Hätt ich nur den Grillteller genommen, der ist deutlich besser. Die Getränke vergessen wir jetzt auch einmal, denn das Traubenschorle schmeckt eher nach gefärbtem Wasser.

...mit fantastischer Aussicht.

…mit fantastischer Aussicht.

Auf schöner Aussicht allein sollte man sich nicht ausruhen! Darum verzichten wir hier auf Nachspeise und legen bei der Wurstkuchel einen wie immer unglaublich guten Zwischengang ein. Danach gibt’s Eis im Stenz. „A bisserl Eis geht immer“ lautet der Wahlspruch. Mooooment, mooooment, der Stenz, der kommt doch auch München. Was hat der denn in Regensburg zu suchen? Und was hat der mit Eis zu tun? Keine Ahnung, wahrscheinlich will man sich nur an irgendwas kultiges, verführerisches ranhängen. Das Eis schmeckt ganz ordentlich, durchaus sehr lecker, gehört aber auch nicht zu den billigsten. Dafür gibt’s noch ein einen dicken Probierlöffel oben drauf.

Danach sind wir pappensatt und dappeln erst einmal wieder heim, um uns für den Nachmittag/Abend vorzubereiten. Mit Tee natürlich. Ein grüneer Earl Grey, sehr fein. Der hält uns später wach und an heißen Tagen soll man ja bekanntlich eh warme Getränke trinken.

Später Nachmittag

Wir nehmen uns ein Bier mit auf den Weg. Endlich hält der Bus und mindestens zwei Millionen Jugendliche drängen rein. Fun Fact: Zwei Millionen (diesmal Grad) ist auch die Innentemperatur. Ein Mädel mit normaler Figur aber breitem Gesicht, das auch geistig breit ist (hoffentlich nur durch Alkohol) beschwert sich, dass jemand nach Schweiß stinkt. Dann trinkt sie ungefragt das Bier meines Kollegen und kippt das Noicherl ihres „Getränks“ auf meinen Schuh. Statt sich zu entschuldigen, piekst sie Strohhalme in meinen Bauch. Eine unsympathische Person par excellence. Ich werde sie noch einmal wiedersehen.

Leider ist der Schweinebraten in der Alten Linde nicht zu empfehlen.

Leider ist der Schweinebraten in der Alten Linde nicht zu empfehlen.

Wir kommen endlich an und der Bus speit uns an der Haltestelle aus. Wieder Richtung Zelt, Bändchen vorgezeigt und wieder Musik gehört. Heute ist es deutlich lauter.

Leider sind wir so spät, dass wir Felix Kröcher verpassen. Zur Entschädigung spielt Wankelmut ziemlich gut auf, überhaupt nicht wankelmütig sondern ordentlich nach vorne! Weil einem auf das Rumgehupfe ganz schön heiß wird, und weil das tausend Tänzern so geht, spritzen zwei Jungs Wassermassen mit Feuerwehrschläuchen in die Menge. Leider aber kann der Aushilfsfeuerwehrmann auf unserer Seite seinen Strahl nicht kontrollieren (nein, darauf mach ich jetzt keinen platten Witz), so dass mehr Wasser Richtung Bühne gischtet als Richtung Publikum.

Anschließend nehmen wir an einer Umfrage teil (wir wünschten uns DJ Hell fürs nächste Jahr und die Ticketpreise etwas günstiger) und bekommen dafür Bonbons geschenkt. Mhm. Dann finden wir den Weg zum Cocktailstand. Ich genehmige mir einen durchaus guten Wodka Lemon. Nachdem ich ihn ausgetrunken habe, mache ich mich wieder zurück zur Bar um mir das Pfand zu holen. Da sehe ich diese unfreundliche Weibsperson aus dem Bus. Nett wie ich bin, verschafft ihr ein Eiswürfel in ihrem Shirt rasche Abkühlung.

Da ist der Grillteller schon besser

Da ist der Grillteller schon besser

Etwas später versuche ich Magenheilmittel und Flüssigkeitshaushalt in ein Getränk zu bringen und bestelle einen Gin Wasser. Gin bekomme ich an der Bar, das Wasser beim Bierausschank. Ganz ehrlich? So ein Schmarrn. Nicht nachmachen, nicht probieren. Schmeckt nicht, geholfen hat’s auch nicht wirklich.

Danach legt Moonbootica auf der Open Air Bühne auf, auch ihre Musik sehr fein, in den Zelten kocht es sowieso, teils durch die Musik, teils durch die Menschen.

Wir bequemen uns nun zu gehen und machen uns auf in die Suite 15. Denn da ist ja After Party. Es ist gestopft voll, keine Ahnung wie die Musik war, meinen Kollegen hat sie nicht gefallen. Gewisse Bereiche sind abgesperrt, vielleicht für die DJs und Veranstalter. Ich machs mir auf einer Sitzmöglichkeit gemütlich und versichere einem Securitymann, dass ich nicht schlafe. Weil Ruhe hier nicht geschätzt wird, gehen wir bald heim.

Die Gegenveranstaltung

Am nächsten Tag müssen wir das Ostenstraßenfest besuchen. Schon von weitem hört man Rockmusik jaulen. Na toll. Warum ist es so heiß? Warum ist der Weg so weit?? Warum haben wir so Hunger??? An solchen Tagen spielt jeder einmal die Diva. Allerlei Stände von wohltätigen Vereinen stehen rum, etwas dürftig mit Gästen bestückt. Wir essen afrikanisch, ganz gut, und ein Steak. Da weiß man was man hat.

Feine Bühnenschow auf dem Festival

Feine Bühnenschow auf dem Electro-Festival

Die Rockband spielt ACDC (bitte gefühlt 20 mal ACDC ins Mikro schreien um möglicherweise Jubel der Herumstehenden zu bekommen). Ihre Versuche, das Publikum anzuheizen nerven gewaltig, aber sie spielen gut. Und laut. Nach den zwei Festivaltagen viel zu laut. Wir suchen das Weite, es ist eh nicht wirklich was los.

Also schauen wir noch kurz im Spitalbiergarten vorbei und essen eine Leberknödelsuppe, nach der man echt nix mehr runterbringt. Ein gigantischer Knödel schwimmt in der Rinderbrühe. Der Knödel ist sehr locker und nicht so salzig wie die meisten, vielleicht nicht der beste, aber er sticht in der Masse auf jeden Fall positiv raus. Die Suppe ist eher dünn mit Fettschicht, aber sehr würzig, es scheint Geschmacksverstärker drin zu sein, aber ich will hier nix unterstellen was ich nicht nachgeprüft habe! Die Apfelschorle is so lala, die Johannisbeerschorle Durchschnitt (so lala is a bisserl schlechter als Durchschnitt). Die Aussicht ist ganz nett, aber natürlich nicht so grandios wie bei der Alten Linde.

Hernach noch auf ins Café Lila. Weil wir ja so elektronisch hip sind, genauso wie die Hauptstadt Bourgeoisie, trinke ich einen Club Mate. Der soll mich fit halten für die nächsten Stunden. Das tut er, sicher und wach treten wir die Heimfahrt an.

 

Tatsächlich hat Regensburg noch einen Electro-Nischenmarkt. Ein Kalkbrenner hat sich hierher noch nicht verirrt, und Lexy und K-Paul waren als Stargäste wirklich nicht gut. Dafür war es recht gemütlich, und den Sonnenuntergang und das Leben bei Robin Schulz zu feiern, so etwas ist weder Zuckerbrot noch Peitsche, sondern einfach nur ein Gesamtkunstwerk.

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