Form fucks function in den Waldnaabauen

Naturschutzgebiete sind langweilig? Nicht, wenn man sie durch Schildbürgerstreiche aufpeppt! Wobei für die lustigen Aktionen ja nicht die Bürger, sondern Menschen mit höheren Weihen verantwortlich sind.

Wir beginnen in Tirschenreuth beim Radlwirt, auch „Zeitlos“ genannt. Der befindet sich am Startpunkt des so genannten Vizinalbahn-Radweges. Gutes Bier, gutes Essen, eine runde Einrichtung (die Toiletten könnten jeden Styleguide vor Neid erblassen lassen). Allerdings kann es im Sommer im Biergarten recht voll werden und es ist mit Wartezeiten zu rechnen. Dann ist man seine Zeit los (Schenkelklopfer).

Kanada kann einpacken. Teichpfanne rulez!

Kanada kann einpacken. Teichpfanne rulez!

Der Rad- und Fußweg führt anschließend in den Wald. Der Weg teilt sich, linkerhand in die Waldnaabauen, rechterhand in die Heusterz. Die Heusterz ist ein wunderbares Teich- und Waldgebiet. Wer hier einmal einen Sonnenaufgang über den Teichen im Morgennebel erlebt hat, z.B. nach einer Party, der weiß, was Schönheit ist. Und woher all die Sagen von Wassermännern und Teichnixen kommen, die es in Tirschenreuth gibt. Am Abend aber unbedingt Mückenspray einpacken.

Zu Fuß in die Heusterz ist uns aber zu lang, wir gehen in die Waldnaabauen.

Der Schildbürger erster Streich

Nicht der Schatten Zeche Zollverein, sondern ein Gerüst ohne Weltkulturerbestatus

Nicht der Schatten Zeche Zollverein, sondern ein Gerüst ohne Weltkulturerbestatus

Der Wald lichtet sich und die so genannte Himmelsleiter dominiert den Blick. Die Himmelsleiter soll ein Aussichtsturm sein, den man allerdings ins Tal gebaut hat. Und man hat natürlich peinlich darauf geachtet, dass seine Höhe die Größe der umliegenden Bäume nicht überschreitet. In die Ferne kann man den Blick also nicht schweifen lassen. Bei den verwendeten Materialien wollte sich der Künstler angeblich an natürlichen Rohstoffen der Oberpfalz orientieren. Wir finden ein klitzekleines bisschen Granit, etwas Holz, das wohl von einer alten Baustelle stammt und: Metall. Viel Metall. Fast nur Metall. Wahrscheinlich weil es in der Oberpfalz so viele Eisenbäume gibt. Ein monumentales Baugerüst im Naturschutzgebiet, so setzt man Akzente. Ein Gast aus Schwaben, der uns bei der Wanderung begleitet, meint: „Hoi, da meinscht du bisch bei die Ostfriesen.“ Wenn sich schon Schwaben über einen lustig machen, dann Gute Nacht.

Man hätte sich bei der Planung auch am nahe gelegenen Oberpfalzturm orientieren können. Der ist aus Holz, Gerüchten zu Folge bestehen die Oberpfälzer Wälder zu einem Großteil aus diesem Stoff. Er ist deutlich höher als die umstehenden Bäume und steht auf einem Berg. Das führt erstaunlicherweise dazu, dass man von dort oben in die Ferne schauen kann. Aber derart neumodische Konzepte müssen sich wohl erst durchsetzen.

Auf der Plattform der Himmelsleiter kann man aber auf die umliegenden Teiche herunterblicken, a wengerl was sieht man dann doch.

Im Herbst erzählen die Waldnaabauen ein barockes memento mori.

Im Herbst erzählen die Waldnaabauen ein barockes memento mori.

Die Waldnaabauen selbst sind besonders im Sommer eine Augenweide, das Flüsslein mäandert durch Wiesen, Auen und Wald vor sich hin, ab und zu an ein paar Teichen vorbei. Hektisch ist hier gar nichts. Vor Jahrzehnten wollte man das ganze Land einem Staudammprojekt opfern. Es ist dem Einsatz eines ökologisch versierten Lokalpolitikers zu verdanken, dass diese Landschaft erhalten geblieben ist. Manche Leute im Stadtrat denken also doch mit.

Der Schildbürger zweiter Streich

Wir marschieren weiter, und kommen zur Brücke über die Waldnaab. Auch sie ein Gesamt“kunst“werk. Breite ist nicht so ihr Ding, und weil gerade Brücken langweilig sind, hat man sie geschwungen gebaut. Da  sie aber auch in einen Metallkäfig gesteckt wurde, sehen Radfahrer und Fußgänger nicht, ob ihnen jemand entgegen kommt. Es empfiehlt sich also jedem, der mit seinem Zweirad unterwegs ist, abzusteigen, und sein Rad über die Brücke zu schieben. Ein prima Beispiel des Mottos: Form fucks function. Aber woher kommt denn dieser Drang zu metallischem Überfluss? Liegt es daran, dass der Bürgermeister Franz Stahl heißt?

Wir haben die Brücke ohne Unfall überquert und steigen den Hügel hinauf, Richtung Hohenwald. Oben angekommen, öffnet sich der Blick endlich über die Waldgebiete auf die Orte und Berge im Umland. Sowas nennt man Aussicht. Wer mag, kann noch einige hundert Meter weiter gehen zum Wolfenstein. Das ist eine massive Granitformation, gerade im Herbst und Winter schaurig-schön romantisch. Mit natürlichen Bäumen und Granit, und garantiert ohne Metall.

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