Hochprozentige Investments

Nein, das ist nicht Kapitän Nemos Taucherausrüstung oder ein Steampunk-Cyborg, sondern eine Destille.

Nein, das ist nicht Kapitän Nemos Taucherausrüstung oder ein Steampunk-Cyborg, sondern eine Destille.

Spare im Überfluss, dann hast du’s in der Not. So oder so ähnlich hießen früher die Sprüche, die uns dazu animiert haben, unser Geld ins Sparschwein zu stecken und fleißig zur Bank zu bringen. Wenn ich heute das Geld auf die Bank bringt, dann verliert es dank mikroskopischer Zinsen und normaler Inflation permanent an Wert. Aber wohin mit der Kohle? Irgendwas soll ja für Rente, Haus, Familie und und und einmal übrig bleiben. Legt Euer Geld in Whisky an! Die Wertsteigerungen sind hier höher als bei Gold oder bei teuren Weinen.

Wie bitte? Ja, genau. Das sagt zumindest DER deutsche Whisky-Experte Peter Krause. Und er muss es wissen, ihm schicken die schottischen Brenner ihre Jahrgänge zum Verkosten und Bewerten. Und über seinen Verein Slowdrink veranstaltet er nationale und internationale Tastings für allerlei wohlschmeckende Getränke. Dass er sich nicht nur im Geschmack, sondern auch im Investment auskennt, beweist so manche Flasche bei ihm zu Hause, die exorbitante Wertsteigerungen zu verzeichnen hatte. Eine Flasche der Brennerei Ardbeg, abgefüllt zum Islay-Festival 2002 kostete damals umgerechnet 144 Euro. Noja, kein schlechter Preis. Krause griff zu, heute, nach nur elf Jahren, ist sie knapp 2500 Euro wert. „Alle Whiskys steigen nicht im Wert. Aber ein paar besondere schon. Also wenn zwei, drei Dinge zusammenkommen. Whisky ist dann gesucht, wenn er besonders gut schmeckt oder wenn er eine besondere Aufmachung hat oder weil er rar ist, oder alles zusammen. Aber das schönste am Whisky ist, man bekommt immer mindestens 40 Prozent.“

Hack statt Haggis!

Ok, aber Schottland? Da kenn ich keinen, und da werd ich auch bestimmt kein Geld hinschicken. Macht nix. Peter Krause besucht mit uns eine Brennerei, deren Whiskey 2008 auf dem World Spirits Award mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Und die liegt nicht in den schottischen, sondern in den oberpfälzischen Highlands. Nämlich in Erbendorf im Steinwald. Oberpfalz Nummer 1! Wo die Röcke nicht Kilt, sondern Huasn hoissn, weil die Männer da Hosen tragen. Sogar unsere Frauen tragen Hosen. Wir sind so viel männlicher als diese Rob Roydigen Schafhüter! Mit so Kleinkram wie Investments in Flaschen halten wir uns nicht auf, wir kaufen uns gleich ein ganzes Fass!

So, jetzt hör ich mal auf mit den Überraschungen, gehen wir die Sache mal nüchtern an und schauen, wie liquide wir mit Whisky bleiben.

Ohne bayerischen König keinen gscheiden Whisky!

Ohne bayerischen König keinen gscheiden Whisky!

In Erbendorf trifft Peter Krause auf Gregor Schraml, den Geschäftsführer der Steinwald Brennerei. Der hat auch nicht gestern angefangen zu brennen. Sein n-ter Urgroßvater hat nach dem Russlandfeldzug Napoleons von König Max Joseph I. die Erlaubnis bekommen, Branntwein herzustellen. Das tat er dann auch seit 1818. Und der ach so gelobte Whisky? Der ist ein paar Jahre jünger, aber auch nicht viel. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten die Schramls einen Kornbrand. In den 60ern versuchte der Vater von Gregor Schraml, diesen als Whisky zu vermarkten. Denn was anderes ist ein Kornbrand ja nicht. Und konnte sich gleich mal ein paar Watschn abholen. Whisky kommt aus Schottland, aber doch nicht aus der Oberpfalz. Na gut, dann halt die weiteren Jahrzehnte als Kornbrand verkauft. Erst Gregor Schraml wagte vor einigen Jahren einen neuen Versuch. Und BÄM. Seit der Auszeichnung rennen ihm die Interessenten die Bude ein.

150 Flaschen im Jahr kann er im Moment verkaufen. Das sind rund vier Prozent der Nachfrage, das heißt 96 Prozent der Interessenten gehen leer aus. Und das bei Preisen von 120 Euro für den zehnjährigen Stonewood 1818 und immerhin noch 63 Euro für den fünfjährigen Woaz.

Honey, what do you drink for money?

Der Nachfrage will Schraml nun gerecht werden, aber bis alles abgefüllt ist, lagert sein Kapital in den Fässern, und der Oberpfälzer kann damit nichts verdienen. Eigentlich. Denn jetzt bietet er Kunden an, in drei verschiedene Whiskeys während dieser Lagerzeit zu investieren. 2 Beispiele:

  •  Die Investition in den dreijährigen „Dra“. Hier kostet ein Fass 3750 Euro. Dafür gibts 8 Prozent Zinsen. Macht nach 3 Jahren 4792 Euro.
  • Für den Stonewood 1818 investiert der Kunde 4750 Euro und bekommt 9 Prozent Zinsen. Macht nach 10 Jahren stolze 11 245 Euro.

Das Geld bekommt der Kunde bei der Abfüllung. Dazu gibts noch eine Flasche aus dem eigenen Fass und ein Vorkaufsrecht auf 10 weitere Flaschen. Kein schlechtes Angebot für ein relativ simples Getränk aus Wasser, Getreide, Hefe. Das Geheimnis ist das Know-How.

Die Brennerei liegt in einem alten Kloster

Die Brennerei liegt in einem alten Kloster

Und wie wirds gemacht? Von Bauern aus der Umgebung bekommt Schraml das Getreide. Das wird mit Wasser und Hefe vergoren. Für den fünfjährigen Woaz nutzt er etwa Weißbierhefe. Die leicht prickelnde Flüssigkeit im riesigen Holzbottich riecht tatsächlich fruchtig, wie ja auch das Weizen a wengerl fruchtiger schmeckt als andere Biersorten. Diesen Saft pumpt der Destillateur (übrigens wohl der einzige Brenner-Azubi weltweit mit Graecum) ab in die Destille.

Unter der brennt schon ein munteres Feuerchen. Einen Ster Holz verschüren die Schramls da jeden Tag. Das Feuer erhitzt die Flüssigkeit in der Destille, der Alkohol steigt nach oben.

Eine Gegenstromanlage nebenan kondensiert den Alkohol wieder und schon fließt der Whisky. Zuerst durch den Zoll-Zähler. Der ist aus den 20er Jahren, tut aber immer noch seinen Dienst im Namen des Fiskus. Dem Whisky ist daraufhin die ganze Farbe aus dem Gesicht gewichen. Die Farbe und seinen Wert bekommt er erst durch die Lagerung im Holzfass.

Gregor zeigt Peter den alten Gewölbekeller. Hier finden sich tatächlich einige seeeeehr alte Tropfen, etwa von 1987. Die Lagerung macht bis zu 70 Prozent des Geschmacks aus, erklärt uns Peter Krause: „Das Holz arbeitet ja auch ein bisschen. Zieht den Whiskey ins Holz, stößt ihn wieder aus. Gleichzeitig haben wir speziell bei diesen amerikanischen Weißeichenfässern eine ausgekohlte Schicht. Die wirkt als Aktivkohlefilter, und filtert dann Stoffe, die nicht so gut schmecken in andere Aromen. Und da kommen dann diese Noten vom Holz heraus: Vanilline, Tannine, Lignine, die den Whiskey positiv beeinflussen.”

Flüssiges schlägt harte Währung

Nach der Lagerung kommt der Whiskey dann in die Flasche. Wer eine haben will, muss sich eine reservieren. Die nächsten Jahrgänge sind schon ausverkauft. Aber für 20 Euro Anzahlung bekommt man ein Zertifikat, dass einem eine Flasche in 3 Jahren garantiert. Dafür sind die Flaschen aber auch sehr schön. Mit Akuratesse klebt eine Angestellte das Siegel über den Holz-Kork-Verschluss, gibt etwas Siegellack darauf und prägt das ganze noch mit einem Stempel. Ja, das macht was her.

Bei Prüfungen von derartiger Tragweite muss man auch schon mal kritisch schauen können.

Bei Prüfungen von derartiger Tragweite muss man auch schon mal kritisch schauen können (links Peter Krause, recht Gregor Schraml).

Jetzt darf Peter endlich das Produkt verkosten. Ihm sagt vor allem der 5-jährige Woaz zu, der Kenner zählt ihn mit seinem milden Geschmack und den Vanille-Aromen zu den fünf besten deutschen Whiskys.

“Wenn man sich die letzten Jahre ansieht, hat Whisky sogar Gold outperformt. Das liegt daran, dass die Nachfrage weltweit höher ist als derzeit das Angebot.”

Whisky stellt sogar die Preissteigerungen bei teuren Weinen in den Schatten. Allerdings ziehen die deutschen Brenner nach. Mittlerweile gibt es in Deutschland und Österreich mehr Whiskybrenner als in Schottland. Dabei haben die Deutschen laut Krause nicht den Fehler begangen, die Schotten zu kopieren, sondern haben eine eigenständige Note herausgearbeitet. Klar, irgendwann ist der momentane Trend vorbei und der Markt bereinigt sich wieder. Doch die Schramls mit ihrer fast 200-jährigen Tradition dürften das sicherlich überstehen.

Peter kann sich das zehnjährige Investment als Anlage für seine Töchter vorstellen. Die Idee ist Gregor Schraml sehr sympathisch: „Da ist man vom Ertrag her gut aufgestellt: Der Vater kriegt den Whisky und die Tochter das Geld.” Eine Win-Win-Whisky-Situation also. Auf die Rendite – und den Geschmack!

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s